Englisch ist zwar nur für gut 13 Prozent aller EU-Bürger Muttersprache, aber für 59 Prozent ist es inzwischen eu-weit die erste Fremdsprache. In Österreich lernen inzwischen sogar 97,4 Prozent der Kinder an Volksschulen (= Grundschulen) die Sprache der Angelsachsen. Schließlich hat sie sich zur internationalen Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kommunikationssprache entwickelt. Der Wiener Germanist Hans Jürgen Krumm leugnet zwar die Bedeutung von Englisch als Fremdsprache nicht, kritisiert aber den Unterricht in Frühenglisch (= Englisch in der Grundschule). Die Kinder würden dabei etwas lernen, was sie im Alltag nicht brauchen und nicht benutzen. Das sei ein „schlechter Start ins Lernen“.
Englisch würde erst wichtig werden, meint Krumm, wenn die Kinder ins „Computer- und Pop-Musik-Alter“ kommen. Bis dahin sollten sie doch lieber die Sprache des Nachbarlandes oder die Sprache einer ortsansässigen Minderheit erlernen. Das sei nicht nur „eine nette Geste“, sondern eine Sprache, die im unmittelbaren Lebensumfeld der Kinder auch tatsächlich vorkomme. Darüber hinaus warnt Hans Jürgen Krumm vor dem Verschwinden der Mehrsprachigkeit innerhalb der EU, wenn alle nur noch Englisch sprechen. „Einsprachigkeit bedeutet Abhängigkeit, bedeutet Dominanz der einen Gruppe und ihrer Sprache über die andere„, meint der Wiener Germanist.