Ob im Unterricht, in Pausen, auf Klassenfahrten oder in sonstigen Gesprächen: Konflikte im Schulalltag sind unvermeidbar – wohl aber steuerbar. Denn mithilfe von gezielter Prävention und einigen Strategien zur Deeskalation lassen sich viele aufgeladene Situationen klug und kräfteschonend klären. Die folgenden zehn Tipps zeigen, wie Lehrkräfte Schritt für Schritt Ruhe, Klarheit und Handlungsfähigkeit bewahren.
1. Klare Struktur & verlässliche Rituale
Routine ist die beste Prävention. Feste Ablaufstrukturen, transparente Regeln und ein konsistenter Unterrichtsrahmen geben Sicherheit. Je klarer der Rahmen, desto weniger Konflikte entstehen.
2. Positive Beziehungspflege
Beziehungen sind das Fundament jeder Deeskalation. Ein kurzer Small Talk, Interesse zeigen, Humor dosiert einsetzen: Wer sich gesehen und gehört fühlt, zeigt weniger Widerstand.
3. Nonverbale Signale gezielt nutzen
Lehrkräfte können durch Körpersprache frühzeitig regulieren. Blickkontakt, ruhige Körperhaltung, offene Gestik: Oft genügen nonverbale Hinweise, damit sich unangekündigte Spannungen wieder legen.
4. Gestufte Ansprache statt direkte Konfrontation wählen
Es gilt: Auf Störungen oder sich anbahnende Konflikte zuerst „klein“ reagieren – und bei Bedarf „größer“ werden. Passende Stufen können sein: Blick → Name → kurze Bitte → klare Aufforderung.
5. Ich-Botschaften statt Du-Vorwürfen
Ich-Botschaften schaffen Raum, ohne anzugreifen, und geben Lernenden die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Aussagen wie „Ich merke, dass es gerade unruhig wird“ wirken stabilisierender als „Du störst gerade!“
6. Wahlmöglichkeiten anbieten
Kleine Entscheidungsfreiräume stärken die Selbstkontrolle und senken das Eskalationspotenzial: „Möchtest du die Aufgabe allein oder mit einem Partner starten?“ „Willst du kurz rausgehen oder hier am Fenster arbeiten?“
7. Kontrollierte Distanz herstellen
Wenn Signale nicht wirken: Raum schaffen. Ein Schritt zurück, eine kurze Pause, ein langsames Sprechen – das senkt das Erregungsniveau. Gleichzeitig bleibt die Lehrkraft präsent und handlungsfähig.
8. Deeskalierende Sprache in der akuten Phase
Wenn die Spannung steigt, braucht es eine Sprache, die beruhigt:
- langsam, tief, ruhig sprechen
- kurze Sätze
- keine Ironie, kein Sarkasmus
- Optionen statt Drohungen
9. Grenzen klar und ruhig setzen
Bestimmtheit und Festigkeit funktionieren auch ohne Schärfe, wenn sachlich, nicht angreifend formuliert wird.: „Ich sehe, dass du gerade wütend bist. Wir bleiben trotzdem bei der genannten Regel: …“
10. Unterbrechung & räumliche Trennung im Ernstfall
Wenn alles Vorherige nicht reicht:
- kurze Auszeit
- Gespräch außerhalb der Klasse
- Hinzuziehen einer weiteren Fachkraft (kollegial, nicht strafend)
Fazit
Deeskalation ist kein einzelner Schritt, sondern ein Stufenmodell. Wenn sanfte, präventive Maßnahmen nicht ausreichen, können Lehrkräfte die nächste Stufe wählen. Zudem gilt: Wer früh reagiert, klar kommuniziert und Beziehungen pflegt, verhindert Konflikte – bevor sie entstehen.