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Urheberrecht im Schulalltag (Teil 2): Filme zeigen – wie geht das rechtssicher?

Urheberrechtliche Bestimmungen gelten selbstverständlich nicht nur für die Anfertigung von Fotokopien und digitalen Kopien (z.B. Scans) für den schulischen Gebrauch, sondern in besonderem Maße auch für das Abspielen von Filmen im Unterricht.

 

Gesetzesnovelle eröffnet neue Möglichkeiten

Um Lehrkräften eine Einbindung visueller Medien in den Unterricht zu ermöglichen, gilt seit dem 1. März 2018 eine erneuerte Version des Urheberrechts (§ 60a UrhG). Nach dieser dürfen Lehrerinnen und Lehrer Filmausschnitte im Umfang von 15 Prozent der Gesamtdauer des Films ohne Lizenz und ohne Genehmigung im Unterricht zeigen. Voraussetzung ist, dass der Film auf legalem Wege erworben – und nicht etwa unrechtmäßig kopiert wurde. Darüber hinaus dürfen Filme mit einer Gesamtlänge unter fünf Minuten komplett gezeigt, gespeichert und digital verwaltet werden.

Ausgenommen von dieser Regelung sind eigens gekennzeichnete Schulfernsehsendungen, explizite Lehrfilme, die über eine lizensierte Verleihstelle entliehen wurden sowie Filme oder sonstige audiovisuelle Werke, die für eine kostenfreie Nutzung freigegeben wurden („Open Educational Resources“).

 

Abspielen von ganzen Filmen

Das Abspielen von ganzen Filmen – beispielsweise eigenen DVDs der Lehrkraft – vor mehreren Personen bewegt sich nach wie vor in einer rechtlichen Grauzone. Generell gilt die Regelung, dass die Filmvorführung nicht öffentlich stattfinden darf und die Zuschauenden durch eine persönliche Beziehung „miteinander verbunden“ sein müssen, beispielsweise als Familie oder Freundeskreis. Ob auch ein schulischer Zuschauerkreis, etwa eine Klasse, per definitionem als „miteinander verbunden“ anzusehen ist, ist juristisch derzeit strittig. Lehrkräfte sollten daher von schulweiten oder gar öffentlichen Vorführungen ganzer Filme absehen und DVDs maximal im Klassenverband zeigen.

 

Medienverleihstellen für Schulen

Eine weitere Möglichkeit, sich in puncto Filmvorführungen im Unterricht auf rechtssicherem Terrain zu bewegen, ist das Entleihen eines Films bei einem offiziellen Film- bzw. Medienverleih:

 

 

Weitere kompetente Anlaufstellen

 

Kopieren, Einscannen, Weiterverbreiten: Urheberrecht im Schulalltag

In welchem Umfang ist Lehrkräften das Fotokopieren aus Druckwerken wie z.B. Lehr- oder Sachbüchern erlaubt? Wie sieht die Rechtslage bei der Erstellung von Scans und/oder digitalen Kopien aus? Welche Medien dürfen gespeichert oder auch weitergereicht werden? Ein Überblick über die aktuellen Regelungen, basierend auf der zum 1. Januar 2013 eingeführten Gesetzesregelung.

 

Fotokopien

Generell gilt für die Anfertigung von Fotokopien der Grundsatz, dass Kopien nicht den größten Teil der im Unterricht verwendeten Materialien ausmachen sollen. Doch verständlicherweise gehört das Fotokopieren einzelner Seiten aus einem Schulbuch oder anderen Print-Werk zur einfachsten – und daher weit verbreiteten – Art, Schülern Materialien zugängig zu machen.

Kommen Fotokopien im Unterricht zum Einsatz, gelten folgende Regeln:

  • Der Umfang von aus gedruckten Publikationen (z. B. Schulbücher, Sachbücher, Arbeitshefte, Atlanten) in Klassenstärke fotokopierten Seiten darf 10 % der jeweiligen Seitenzahl und insgesamt 20 Seiten nicht übersteigen.
  • Sogenannte „kleine Werke“ mit maximal 25 Seiten dürfen vollständig kopiert werden. Hierzu zählen z.B. (Fach)Zeitschriften und sonstige Druckwerke außer Schulbücher und Unterrichtsmaterialien. Ebenso dürfen Musikeditionen mit maximal 6 Seiten vollständig vervielfältigt werden.
  • Auf den Kopien müssen folgende Quellenangaben vermerkt werden: Autor, Buchtitel, Verlag, Erscheinungsjahr, Seitenzahl.
  • Werden in Ausnahmefällen mehr als 20 Seiten eines Werks benötigt, kann die Lehrkraft beim jeweiligen Verlag oder der herausgebenden Institution eine Kopierlizenz anfordern.
  • Ausgenommen von der 10 %-Regelung sind Kopien von explizit ausgewiesenen Kopiervorlagen. Von solchen darf eine Lehrkraft für den eigenen Gebrauch (d.h. die eigene zu unterrichtende Klasse) eine unbeschränkte Anzahl kopieren.

 

Digitale Kopien

Digitale Kopien entstehen durch das Einscannen von Print-Vorlagen. Für das Vervielfältigen via digitaler Kopie gelten folgende gesetzliche Regelungen:

  • Bei ab 2005 erschienenen Werken dürfen Lehrkräfte – analog der Regelung für Fotokopien – 10 %, maximal aber 20 Seiten eines Print-Werkes einscannen und abspeichern.
  • Sogenannte „kleine Werke“ (maximal 25 Seiten) dürfen vollständig eingescannt werden. Hierzu zählen z.B. (Fach)Zeitschriften und Druckwerke außer Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien. Ebenso dürfen Musikeditionen mit maximal 6 Seiten vollständig eingescannt werden.
  • Die gescannten Seiten dürfen von der Lehrkraft nur im eigenen Unterricht verwendet werden. Das Weiterreichen (digital und ausgedruckt) an Schüler für den Gebrauch im Unterricht ist gestattet.
  • Pro Schuljahr und Klasse dürfen aus einer Publikation nur einmal in dem dargestellten Umfang Seiten eingescannt werden.
  • Auf dem Scan ist die Quelle zu verzeichnen. Dies ist möglich, indem entweder die Titelseite und/oder das Impressum mit eingescannt werden, oder aber, indem die relevanten bibliografischen Angaben vor dem Scannen per Hand auf der Vorlage notiert werden.
  • Lehrkräfte dürfen die Scan-Dateien auf verschiedenen Endgeräten (z.B. PC, Laptop, Tablet, Whiteboard) speichern.
  • Dritte dürfen keinen Zugriff auf die Scan-Dateien haben. Dies kann z.B. durch einen passwortgeschützten Zugang gewährleistet werden.

Für weitere Auskünfte zur urheberrechtlichen Lage im Schulalltag steht der Verband Bildungsmedien zur Verfügung. Ein zuverlässiges Kompendium in Sachen Urheberrecht ist zudem die Broschüre „Digitale Schulbücher, Einscannen & Kopieren in der Schule“, herausgegeben von der Kultusministerkonferenz in Zusammenarbeit mit dem Verband Bildungsmedien.

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