Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 7: Konfessionelle Schulen (evangelisch)

Konfessionelle Schulen zeichnen sich durch ihre enge Anlehnung an eine Glaubensrichtung aus – in Deutschland also hauptsächlich an die katholische oder die evangelische Konfession. 2011 besuchten hierzulande etwa 442.000 Schülerinnen und Schüler eine konfessionelle Schule, von Grundschulen über Haupt- und Realschulen bis zu Gymnasien. Auf evangelische Schulen entfielen hierbei rund 115.000, auf katholische circa 327.000 Schülerinnen und Schüler. Größter und bedeutendster Träger der evangelischen Schulen in Deutschland sind die Landeskirchen, gefolgt von Trägerstiftungen/Trägergemeinschaften, Schulverbänden und Förderstiftungen.

Evangelische Schulen sind jedoch nicht zu verwechseln mit den sogenannten Bekenntnisschulen. Hinter diesem Begriff verbergen sich evangelikal orientierte Schulen. Sie sind organisiert im Verband Evangelischer Bekenntnisschulen e.V.  (VEBS). Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen informiert in einem Statement über deren Ziele und Weltanschauungen und distanziert sich explizit von Bekenntnisschulen.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Neben der fachlichen und pädagogischen Qualifikation ist für eine Tätigkeit an einer evangelischen Schule die Identifizierung mit der konfessionellen Ausrichtung unabdingbar. Generell sind Lehrkräfte an freien konfessionellen Schulen auch als „Persönlichkeitserzieher“ gefragt, die ihren Schülern den christlichen Wertekanon vermitteln sollen. Eine deutliche Nähe zum christlichen Weltbild bzw. Erfahrung in der christlich geprägten Kinder- und Jugendarbeit sind daher Voraussetzung. Jedoch variiert die Rolle der Konfession – und damit auch die Anforderungen an potenzielle Lehrkräfte – von Schule zu Schule.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Da sich freie konfessionelle Schulen eng am staatlich vorgegebenen Lehrplan orientieren, bewegen sich die Möglichkeiten der inhaltlichen Unterrichtsgestaltung größtenteils innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens. Jedoch gibt es für Lehrkräfte umso mehr Möglichkeiten, sich pädagogisch bzw. gestalterisch einzubringen. Viele freie evangelische Schulen verfügen darüber hinaus über ein dezidiertes Schulprofil, für dessen Erarbeitung bzw. Umsetzung sich Lehrkräfte engagieren können.

 

Entstehung

Etwa anderthalb Jahrtausende lang waren in Mitteleuropa Kirchen und andere Religionsgemeinschaften die einzigen Träger von Bildungseinrichtungen. Erst in den letzten Jahrhunderten verbreiteten sich staatliche Schulen in größerem Maße. Heute sind in Deutschland konfessionelle Schulen gegenüber staatlichen Schulen in der Minderzahl. 2007 waren insgesamt 115.000 Schüler an evangelischen und 2009 rund 325.000 Schüler an katholischen Schulen eingeschrieben. Eine Ausnahmeregelung gibt es in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Dort sind konfessionelle Schulen als staatliche Schulen in der Trägerschaft von politischen Gemeinden.

 

Umsetzung in die Praxis

In heutigen evangelischen freien Schulen bleibt der vermittelte Stoff von den konfessionellen Lehrinhalten meist unangetastet. So wird im Biologieunterricht natürlich die Evolutionstheorie und nicht die Schöpfungsgeschichte gelehrt. Eines der Hauptziele evangelischer Schulen ist es, die Persönlichkeit der Kinder ausbilden zu helfen und Gemeinschaftsgeist zu entwickeln – nach den Leitbildern der konfessionellen Ausrichtung. Zudem ermöglichen sie Kindern, sich mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Zum Schulalltag gehören neben morgendlichen Gebeten auch regelmäßige Schulgottesdienste. Der Besuch des Religionsunterrichts ist obligatorisch. Darüber hinaus engagieren sich die Schülerinnen und Schüler oft auch in karitativen Einrichtungen oder helfen schwächeren Mitschülern. Meistens gehören die Kinder der Konfession an, die den Schwerpunkt der pädagogischen Einrichtung bildet, dies ist in evangelischen freien Schulen jedoch nicht Pflicht.

 

Status

Evangelische konfessionelle Schulen sind staatlich anerkannte Ersatzschulen und vermitteln als solche die Inhalte der Bildungspläne der öffentlichen Schulen. Sie ermöglichen ihren Schülerinnen und Schülern staatlich anerkannte Abschlüsse, sofern nicht ein besonderer pädagogischer Schwerpunkt besteht, der dies einschränkt.

 

Finanzierung

Wie alle Schulen in freier Trägerschaft erhalten evangelische konfessionelle Schulen staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Bei den Elternbeiträgen achten konfessionelle Schulen in besonderem Maße auf die finanziellen Möglichkeiten der Eltern. So gibt es an vielen Schulen reduzierte Schulgelder. Eine zusätzliche Finanzierung erfolgt durch Spenden.

 

Weitere Informationen

Das Portal Evangelische Schulen in Deutschland gibt Auskunft über Organisation und Struktur evangelischer Schulen in freier Trägerschaft. Unterhalten wird es vom Arbeitskreis Evangelische Schule und von der Wissenschaftlichen Arbeitsstelle Evangelische Schule.

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