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Anlaufstellen zur Gewaltprävention (Stand: November 2020)

Gewaltprävention ist eine Maßnahme, die im gesamten öffentlichen Raum – und in besonderem Maße in Schulen – über einen langen Zeitraum implementiert werden muss. Dazu gehört insbesondere auch das Erlernen konfliktlösender Verhaltensweisen. Neben Informationsseiten der Bundesländer gibt es auch bundesweite Anlaufstellen, wie beispielsweise die polizeiliche Kriminalprävention. Ein Überblick.

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Teufelskreis Mobbing: Prävention muss erste Maßnahme sein

Neben der Arbeitsstelle ist die Schule Hauptschauplatz von Mobbing-Fällen. Eine Studie der Leuphana-Universität Lüneburg spricht gar von über 30 % aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland, die bereits Erfahrungen mit Schikane oder „Fertigmachen“ in der Schule erlebt haben. Jeder Zehnte sei zudem bereits einmal Opfer von Gewalt gewesen. Hierzu zählt die Studie Raufereien oder Schlägereien auf dem oder rund um das Schulgelände.

Insbesondere die schulpsychologischen Beratungsstellen der einzelnen Bundesländer reagieren hierauf und informieren über schulspezifische Programme und Maßnahmen zur Bewältigung von Mobbing. Doch beginnt der Handlungsbedarf schon weitaus früher, nämlich bei der Prävention. Denn das Einschalten von Instrumenten zur Mobbing-Bewältigung erfordert zunächst stets das Eingeständnis: „Ja, an unserer Schule gibt es Mobbing“. Genau dieser Schritt ist es, den Lehrkräfte – und nicht zuletzt auch Schulleiter – oftmals scheuen. Denn viel zu oft wird das Aufkommen von Mobbing noch mit einem Versagen von Lehr- oder Führungskräften in Verbindung gebracht.

 

„Wie konnte es dazu kommen?“

Werden Lehrkräfte mit Mobbing in einer ihrer Klassen konfrontiert, beginnt vor allem das Umfeld oft, Fragen nach der Ursache zu stellen. Doch Mobbing deutet nicht zwangsläufig auf grundlegende Unterrichtsmängel hin. Noch weniger bemerkt eine Lehrkraft automatisch, wenn eine Schülerin oder ein Schüler unter Mobbing leidet. Denn es ist ein Prozess, den eine Gruppe immer wieder von alleine „befeuert“ und der nur in einem System aus Stillschweigen und Mitläufertum funktioniert.

Doch die Auseinandersersetzung mit Mobbing ist kräftezehrend und für Lehrkräfte ohne sozialpädagogische oder psychologische Zusatzausbildung oft nicht zu leisten. Die Folge: Eine Schule mit positivem Klima, gesunden Strukturen und funktionierender Kommunikation sieht weniger Bedarf für Mobbing-Prävention als eine Schule, in der es ohnehin schon „brodelt“. Doch gerade Prävention gilt mittlerweile als der nachhaltigste Weg, Mobbing zu verhindern. Bewährt hat sich hierfür eine Dreiteilung der Maßnahmen in die Schulebene, die Klassenebene und die persönliche Ebene.

 

 

Praxistipps Mobbing-Prävention

Umfangreiche Anti-Mobbing-Kampagnen an Schulen – oftmals durch Einbeziehung externer Fachleute – sind zwar ein guter Weg, Schüler auf Dauer zu einem Umdenken zu bringen. Jedoch sind sie für viele Schulen zu aufwendig bzw. zu zeit- oder kostenintensiv. Doch sind nicht nur professionelle Anti-Mobbing-Maßnahmen wirksam, sondern vor allem grundlegende Einstellungen und kleine Schritte, die jede Schule auch mit eigenen Ressourcen beherzigen und auf die Beine stellen kann:

 

Nichts unter den Teppich kehren: Das Vorkommen von Mobbing darf niemals unter den Teppich gekehrt werden, nur um die Reputation zu schützen. Langfristig hilft gegen Mobbing nur offene Kommunikation.

Auf dem Laufenden bleiben: Wichtig ist, sich selbst über die Gesetzeslage zu informieren: Welche Mobbing-Handlungen gelten bereits als Straftat und müssen dementsprechend geahndet werden?

Offen sein für Weiterbildungen: Es gibt unzählige Fortbildungen in Sachen Konfliktmanagement, Mobbing-Prävention, Mediation etc.

Kontaktstelle einrichten: Möglicherweise ist die Einrichtung einer Mobbing-Anlaufstelle an der Schule sinnvoll. Dies kann eine Person aus dem Kollegium, ein Schüler/Schülerin oder aber eine externe Person sein.

Mediation: Eine Streitschlichter- bzw. Mediations-AG an der Schule ist ein besonders nachhaltiges Mittel, um Mobbing einzudämmen. Denn es ermutigt auch Außenstehende dazu, bei Mobbing zu intervenieren.

Eigene Grenzen kennen und wahren: Lehrkräfte stoßen dann an ihre Grenzen, wenn massive psychische Störungen vorliegen, entweder beim Opfer oder bei einem Haupt-Mobbing-Täter. Dann ist die Konsultation eines Schulpsychologen unbedingt erforderlich.

Mobbing gegenüber Lehrern/-innen

Wenn von Mobbing in der Schule die Rede ist, denken viele an Formen des Schikanierens, Anpöbelns, Angreifens und Bedrängens von Schülern/-innen untereinander. Doch auch Lehrer/-innen werden von Schülern/-innen, Eltern, Kollegen/-innen oder Vorgesetzten gemobbt. Bisher gab es kaum aussagekräftige Zahlen über das Ausmaß dieser Form von Mobbing. Aussagen über die Betroffenheit der Lehrkräfte, deren Handlungsmöglichkeiten und deren Hoffnungen auf Hilfe wurden wenig bis gar nicht evaluiert.

Das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) hat deshalb von Juni bis August 2012 eine systematische Online-Befragung von Lehrkräften im gesamten deutschsprachigen Raum durchgeführt, um mehr Klarheit über das Phänomen zu gewinnen. Nun wurden erste Ergebnisse veröffentlicht. Aus diesem Anlass beschäftigt sich dieser Magazinbeitrag mit den Ergebnissen der Studie und stellt wichtige Ansprechpartner und ausgewählte Links zu diesem Thema zur Verfügung.

Ergebnisse der Online-Befragung „Mobbing und Cybermobbing von Lehrkräften durch Schüler, Eltern oder Kollegen“ (zepf)

Die Fragen des Zentrums für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) waren u.a.: Wie viele Lehrkräfte sind von Mobbing betroffen? Ist das Phänomen mit der Lehrtätigkeit an einer bestimmten Schulart verbunden? Um welche Art von Mobbing handelt es sich? Werden Lehrkräfte eher von Schülern/-innen gemobbt als von Eltern? Welche Möglichkeiten besitzen Lehrkräfte, sich zu wehren? Welche Unterstützung haben sie? Laut der zepf-Pressemitteilung zu Beginn der Befragung ging Prof. Dr. Reinhold S. Jäger, welcher die Studie leitete, davon aus, dass es einen großen Nachholbedarf in der Ausbildung der Lehrkräfte, aber auch in der Weiterbildung gibt: „Wenn wir gezieltere Erkenntnisse besitzen, dann können wir künftige Lehrkräfte auch bezüglich des Umgangs mit Mobbing, das sich gegen sie richtet, besser aus- und fortbilden. Schließlich ist der Lehrerberuf einer der wichtigsten. Nur gesunde und gut ausgebildete Lehrkräfte werden ihren Schülerinnen und Schüler das vermitteln können, was fachlich, sozial, methodisch und für die Persönlichkeitsentwicklung bedeutsam ist!“

Lehrer-Online fasst die durch eine Pressemitteilung gemeldeten Ergebnisse der Studie kurz und prägnant so zusammen: „Im Empfinden der Lehrkräfte sind die direkten Mobbingattacken aus der Sicht der Betroffenen am stärksten seitens der Schulleiterinnen und Schulleiter, gefolgt von den Kolleginnen und Kollegen, den Eltern und den Schülerinnen und Schüler der eigenen Klasse. Das direkte Mobbing – beispielsweise Beleidigungen, körperliche Aggression, verbale Attacken, Ausschließen einer Lehrkraft aus der Gruppe – tritt, so die Angaben der Lehrkräfte, bei etwa 17 Prozent der Fälle auf, Cybermobbing – das Mobben unter Verwendung von Internet, Social Media oder Handy – dagegen nur in 1,6 Prozent der Fälle. Dabei wurden nur die Lehrkräfte berücksichtigt, die innerhalb von zwei Monaten nach eigenen Angaben von vier oder mehr Mobbingattacken betroffen waren.“

Jäger äußert sich in dieser Pressmitteilung auch zu den Konsequenzen aus den Befragungsergebnissen zur Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften: „Hier greifen die Ausbildungsinhalte derzeit noch zu kurz. Aber es gehört auch in die Verantwortung der Schulen selbst, das Thema aktiv anzugehen. Dazu müssen allerdings auch Schulleiterinnen und -leiter entsprechend qualifiziert werden. Es ist an der Zeit, die Voraussetzungen für eine qualifizierte Personal- und Organisationsentwicklung an den Schulen zu leisten. Denn letztendlich gilt: Das Schulklima wird entscheidend durch das Klima im Kollegium und zwischen Leitung und Kollegium bestimmt, und dort, wo das Schulklima stimmt, sind beste Voraussetzungen dafür geschaffen, ein für die Schülerinnen und Schüler förderliches Klima zum Lernen und Erzielen von guten Leistungen bereit zu stellen.“

Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing besteht als Verein seit 1996, hat sich in langjährigen Auseinandersetzungen behaupten können und kann mittlerweile durch ihre Erfahrungen Betroffene in aktuellen Problemsituationen professionell beraten und sie auf ihrem Weg der Verteidigung begleiten. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing versteht sich als Vermittler zwischen den Beteiligten eines Mobbingprozesses sein. Auf der Website des Vereins finden sich neben ersten Anmerkungen zum Thema Mobbing gegen Lehrer/-innen wertvolle Hinweise zu Fortbildungen, Links und Medien und natürlich wichtige Ansprechpartner.

Ratgeber und Materialien zu Lehrermobbing

Die Schulabteilung der Bezirksregierung Münster hat den Ratgeber „Gewalt gegen Lehrkräfte. Wie reagieren? Wie vermeiden?“ herausgegeben. Durch ausgewählte Fallbeispiele sollen Lehrer/-innen Anregungen bekommen, welche Reaktionen in bestimmten kritischen Situationen hilfreich sein könnten. Dabei wird nicht der Anspruch erhoben, Musterlösungen zu bieten. Vielmehr sollen die Beispiele Gelegenheit geben, zu überlegen oder mit Kollegen/-innen zu diskutieren, welches Verhalten sinnvoll und angemessen erscheint. Den Abschluss der Handreichung bildet ein Beitrag zu wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Aggression gegen Lehrerinnen und Lehrer.

Barbara Kleist, die erste Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing, setzt sich in einer kurzen Handreichung mit der Problematik „Mobbing gegen Schulleitungen“ auseinander.

Die Handreichung „Handlungsmöglichkeiten bei Mobbing zum Nachteil von Lehrkräften im Internet“ des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg informiert über Möglichkeiten der Prävention im schulischen Bereich sowie über die rechtlichen Rahmenbedingungen von Cyber-Mobbing und zeigt Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Mobbing von Lehrkräften im Internet auf.

Paul Tresselt (ehem. Schulleiter, Personalrat und Internetberater für den Lehreralltag) hat ebenfalls eine wirklich ausführliche Darstellung des Phänomens Mobbing gegen Lehrer mit weiterführenden Links und Ansprechpartnern ins Netz gestellt.

Einen interessanten Artikel zum Thema Mobbing unter Lehrerkollegen aus arbeitspsychologischer Sicht hat Martina Peters auf Forum Schule verfasst.

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