{"id":86,"date":"2010-09-15T13:25:47","date_gmt":"2010-09-15T11:25:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lehrcare.de\/blog\/?p=86"},"modified":"2011-11-17T17:22:14","modified_gmt":"2011-11-17T15:22:14","slug":"wie-ungerecht-sind-lehrer-eine-studie-sucht-antworten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lehrcare.de\/en\/wie-ungerecht-sind-lehrer-eine-studie-sucht-antworten\/","title":{"rendered":"Wie ungerecht sind Lehrer? Eine Studie sucht Antworten"},"content":{"rendered":"<p>Im Sommer 2009 geisterte eine Lehrer-Studie durch die deutsche Bildungslandschaft. Sie besagte, dass Grundschullehrerinnen und -lehrer Kinder mit bestimmten Vornamen als verhaltensauff\u00e4llig einsch\u00e4tzen. Motiviert durch die Emp\u00f6rung in der Lehrerschaft, zeigt nun eine Nachfolge-Studie, dass diese Vorurteile auch zu unterschiedlicher Benotung f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Die \u201eKevin-Studie\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eKevin ist kein Name, sondern eine Diagnose\u201c, titelte <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/schulspiegel\/wissen\/0,1518,649421,00.html\">Der Spiegel<\/a> im September vergangenen Jahres. F\u00fcr die Studie, eine Masterarbeit an der Universit\u00e4t Oldenburg, befragte die Autorin 2.000 Grundschulp\u00e4dagogen zu ihren Namens-Vorlieben und zu Assoziationen wie Verhaltensauff\u00e4lligkeit, etc. Au\u00dferdem sollten die Lehrerinnen und Lehrer eine Liste mit vorgegebenen Namen bewerten. Von den 500 P\u00e4dagogen, deren Antworten ausgewertet wurden, stellte sich ein Gro\u00dfteil als vorurteilsbelastet heraus: So waren sehr viele der Befragten der Meinung, aus eigener Erfahrung heraus sagen zu k\u00f6nnen, dass Kinder mit bestimmten Namen eher aus sozialen Unterschichten kommen, weniger Leistung erbringen k\u00f6nnen und h\u00e4ufiger verhaltensauff\u00e4llig sind. <!--more--><\/p>\n<p>Weil der Name Kevin mit Abstand am schlechtesten bewertet wurde, ging die Arbeit als \u201eKevin-Studie\u201c in die medialen Annalen ein. Auf der Verliererseite der Jungennamen fanden sich au\u00dferdem noch Justin, Dennis, Marvin, bei den M\u00e4dchen waren es vor allem Chantal und Jaquelin, die negativ konnotiert wurden. Freuen konnten sich hingegen Jungen mit den Namen Alexander, Maximilian, Simon, Lukas und Jakob sowie M\u00e4dchen die Charlotte, Nele, Marie, Emma oder Katharina hei\u00dfen.<\/p>\n<p>Den Grundschullehrerinnen und -lehrern hielt die die Masterarbeit betreuende Wissenschaftlerin Astrid Kaiser damals in einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/schulspiegel\/wissen\/0,1518,649736,00.html\">Spiegel-Interview<\/a> vor, dass bildungsferne Schichten ihre Kinder zwar vielleicht wirklich \u00f6fter Kevin oder Justin nennen w\u00fcrden,<\/p>\n<blockquote><p>\u201e[a]ber bildungsfern hei\u00dft nicht unintelligent, sondern ungef\u00f6rdert. Der hoch begabte Kevin bekommt nicht die schulische F\u00f6rderung, die er br\u00e4uchte, weil er aus der falschen Schicht kommt und seine Lehrer ihn schon beim ersten Blick auf die Klassenliste entsprechend sortieren.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Neue Studie: Lehrer benoten sehr subjektiv<\/strong><\/p>\n<p>Diese Beschuldigungen f\u00fchrten nat\u00fcrlich zu viel Aufruhr in der deutschen Lehrerschaft. Deswegen legte man dieses Jahr am Lehrstuhl der Uni Oldenburg mit einer neuen Masterarbeit nach, wieder mit einer Online-Befragung der Lehrerinnen und Lehrer. Da nur 168 der Frageb\u00f6gen auswertbar waren, kann von Repr\u00e4sentativit\u00e4t allerdings nicht gesprochen werden, Nachfolgestudien sollen aber die entdeckten Trends beweisen.<\/p>\n<p>Die Lehrer bekamen in drei Kategorien Sch\u00fclerarbeiten vorgelegt, so etwa einen Text mit sieben Rechtschreibfehlern. Darunter standen verschiedene Namen, mal Kevin oder Justin, mal Jakob oder Alexander, also alles Namen der Vorg\u00e4ngerstudie. Die Lehrer sollten nun Punkte f\u00fcr die Aufgabe vergeben. Das Ergebnis: Wieder wurden die Jungen-Vornamen, die in der \u201eKevin-Studie\u201c von 2009 schlechter abgeschnitten hatten, negativer bewertet, und dies obwohl objektiv die gleiche Fehleranzahl vorlag. Der Zusammenhang sei allerdings nur schwach, sagte Professorin Astrid Kaiser zum <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/schulspiegel\/wissen\/0,1518,712948,00.html\">Spiegel<\/a>, und auf keinen Fall so deutlich, wie bei den Vorurteilen der ersten Studie. Bei den M\u00e4dchennamen sei er sogar gar nicht festzustellen.<\/p>\n<p>Auch unabh\u00e4ngig von den angeblichen Sch\u00fclernamen ergab sich eine starke Subjektivit\u00e4t bei der Bewertung. Mal vergaben die Lehrkr\u00e4fte nur einen, mal zehn Punkte f\u00fcr die gleiche L\u00f6sung einer Aufgabe.<\/p>\n<p><strong>Wie ungerecht sind Lehrer also? <\/strong><\/p>\n<p>Josef Kraus, Pr\u00e4sident des Deutschen Lehrerverbandes, bezeichnete das Ganze im <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/job\/lehrerstudien-kevin-ist-nicht-das-groesste-problem-1596761.html\">Stern<\/a> als ein \u201eSommerlochthema\u201c und verwies auf die tats\u00e4chlichen Unterschiede der sozialen Herkunft bei Sch\u00fclern. Professorin Astrid Kaiser denkt hingegen \u00f6ffentlich \u00fcber Bewertungs- und Einsch\u00e4tzungssysteme f\u00fcr Sch\u00fcler als Alternative zur Notenvergabe nach, wie es einige Schulen in freier Tr\u00e4gerschaft, beispielsweise die Waldorfschulen praktizieren. Damit st\u00f6\u00dft sie jedoch bei Lehrerverb\u00e4nden wie Sch\u00fclervertretungen bisher auf taube Ohren. Im Gegenteil, die Kritik an den Studien seitens der Lehrerinnen und Lehrer ist so massiv, dass die Autorin der neuen Masterarbeit ihren Namen nirgendwo sehen will.<\/p>\n<p><strong>Was sagt Ihr, liebe Lehrerinnen und Lehrer? Macht Ihr Euren Job besser, als die Studien es darstellen? Wie bewertet Ihr? Was haltet Ihr von alternativen Feedbackformen ohne Noten?<\/strong><\/p>\n<p>Wir freuen uns auf zahlreiche Kommentare hier im Blog oder eine rege Diskussionsbeteiligung in der LehrCare-Facebookgruppe &#8222;<a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/group.php?gid=152264131460784\">Lehrer, Referendare und Lehramtsstudierende<\/a>&#8222;.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sommer 2009 geisterte eine Lehrer-Studie durch die deutsche Bildungslandschaft. Sie besagte, dass Grundschullehrerinnen und -lehrer Kinder mit bestimmten Vornamen als verhaltensauff\u00e4llig einsch\u00e4tzen. 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