{"id":521,"date":"2011-11-04T14:44:58","date_gmt":"2011-11-04T12:44:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lehrcare.de\/blog\/?p=521"},"modified":"2011-11-17T20:07:34","modified_gmt":"2011-11-17T18:07:34","slug":"reflexive-koedukation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lehrcare.de\/en\/reflexive-koedukation\/","title":{"rendered":"Reflexive Koedukation"},"content":{"rendered":"<p>Die Debatte \u00fcber Monoedukation vs. Koedukation bleibt weiterhin aktuell und verzeichnet auf beiden Seiten Bef\u00fcrworter und Gegner. Bis in die 1960er Jahre war in der Bundesrepublik Deutschland monoedukativer Unterricht, also getrennt geschlechtlicher Unterricht vorherrschend. Die Koedukationsdebatte \u00e4ndert dies und in der Folge entstehen immer mehr koedukative Schulen unter der Pr\u00e4misse mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit f\u00fcr M\u00e4dchen. In den 1980er Jahren gab es rege Kritik an dem Konzept der Koedukation, da es zur Benachteiligung  von M\u00e4dchen im Schulalltag f\u00fchre. <\/p>\n<p>Zurzeit erweitert sich die Debatte um die Perspektive der Jungen, die, was den schulischen Bildungserfolg angeht, hinter den M\u00e4dchen zur\u00fcckbleiben w\u00fcrden. Welches Geschlecht ist nun Bildungsverlierer? Beide, denn die bisherigen Konzepte neigen dazu, die \u201etraditionelle\u201c Geschlechterhierarchie zu reproduzieren. Aus diesem Grund wurde das Modell der reflexiven Koedukation entwickelt. Es nimmt die Genderperspektive ein und ber\u00fccksichtigt, dass Jungen und M\u00e4dchen unterschiedlich lernen und unterschiedliche Interesse und Voraussetzungen mitbringen.  <\/p>\n<p>Eine Kurz\u00fcbersicht des Konzeptes Reflexive Koeduaktion von der Kooperation des Equal-Projekts Berlin DiverCity und von Bildungsnetz Berlin:<\/p>\n<p>Ziele reflexiver Koedukation:<br \/>\n\t\u2022 Die im Schulalltag erlebbaren Geschlechterhierarchien sollen abgebaut werden, um ein gleichberechtigtes Zusammenleben und -lernen beider Geschlechter zu erm\u00f6glichen.<br \/>\n\t\u2022 Geschlechtsstereotype Zuweisungen m\u00fcssen aufgel\u00f6st werden, um alle wesentlichen F\u00e4higkeiten und Kenntnisse sowohl bei M\u00e4dchen als auch bei Jungen herauszubilden.<br \/>\n\t\u2022 Ein wesentliches Ziel reflexiver Koedukation ist die Chance, individuelle Unterschiede ohne Benachteiligungserfahrung leben zu k\u00f6nnen. Es geht nicht um \u201aAngleichung&#8216; der Geschlechter!<br \/>\n\t\u2022 Der Unterricht soll den kulturellen Leistungen von Frauen den gleichen Stellenwert einr\u00e4umen wie den kulturellen Leistungen von M\u00e4nnern und damit das \u00fcberlieferte m\u00e4nnerlastige historische Verst\u00e4ndnis korrigieren.<br \/>\n\t\u2022 Sowohl M\u00e4dchen als auch Jungen wollen heute eine qualifizierte Berufsausbildung und eine langfristige Erwerbst\u00e4tigkeit ohne Verzicht auf Kinder und Familie. Die F\u00e4higkeiten beider Geschlechter zur Verwirklichung dieser Lebensperspektive sollen gef\u00f6rdert werden. <\/p>\n<p>Was kann reflexive Koedukation in der Praxis hei\u00dfen?<br \/>\n\t\u2022 Sch\u00fclerinnen sollten Unterst\u00fctzung in der Entwicklung ihres Selbstwertgef\u00fchls erfahren. P\u00e4dagogische Handlungskonzepte sollten dazu beitragen, das Vertrauen der Sch\u00fclerinnen in ihre kognitiven Kompetenzen, ihre F\u00e4higkeiten zur Selbstdarstellung und ihre M\u00f6glichkeiten zu selbstbestimmter Berufswahl, Partnerschaftsgestaltung und Lebensplanung zu st\u00e4rken, ohne dass sie gleichzeitig (ab der Pubert\u00e4t) den Verlust weiblicher Attraktivit\u00e4t bef\u00fcrchten.<br \/>\n\t\u2022 Sch\u00fcler brauchen Hilfestellung beim Umgang mit dem \u00dcberlegenheitsimperativ, der sehr viel Druck erzeugt. Da oft kein Konsens mehr \u00fcber die Definition m\u00e4nnlicher \u00dcberlegenheit besteht, findet die Identit\u00e4tsbildung von Jungen in einem ersten Schritt \u00fcber die Ablehnung von Weiblichkeit und \u201aFrau-Sein&#8216; statt. Weiblich konnotierte Eigenschaften wie Sensibilit\u00e4t, Kommunikationsverm\u00f6gen, Empathie werden deshalb oft entwertet. Hieraus entstehen Gefahren sowohl f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung wie f\u00fcr das Berufsleben, in dem diese als weiblich geltenden Eigenschaften inzwischen durchaus gefordert werden. Sch\u00fcler sollten in ihren Versuchen unterst\u00fctzt werden, eine selbstbestimmte Berufswahl und Lebensplanung ohne Einengung durch tradierte M\u00e4nnlichkeitsvorstellungen zu leisten. Dazu geh\u00f6rt die Auseinandersetzung mit traditionellen Vorstellungen von Partnerschaft und familialer Arbeitsteilung.<br \/>\n(Quelle: http:\/\/www.berlin-divercity.de\/diwiki\/images\/5\/57\/AB_theorie_gender_reflexive_koed.pdf)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Debatte \u00fcber Monoedukation vs. Koedukation bleibt weiterhin aktuell und verzeichnet auf beiden Seiten Bef\u00fcrworter und Gegner. Bis in die 1960er Jahre war in der Bundesrepublik Deutschland monoedukativer Unterricht, also getrennt geschlechtlicher Unterricht vorherrschend. 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