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„Hate Speech“: verbale Entgleisungen und was Lehrkräfte dazu wissen müssen (Teil 2)

Vor allem im Zusammenhang mit politisch brisanten Themen tritt – vornehmlich in Online-Medien – das Phänomen Hate Speech auf. Diese verbal geäußerte Hetze hat das Ziel, bestimmte Personen oder Personengruppen herabzusetzen oder/und zu verunglimpfen. Mitunter erfüllt sie gar den Tatbestand der Beleidigung, Verleumdung, üblen Nachrede oder Volksverhetzung. Zur Zielscheibe werden nicht nur Menschen bestimmter Nationalitäten, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder sexuellen Orientierung, sondern genauso auch diejenigen Menschen, die sich für eine Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung einsetzen.

 

Stellung beziehen und handeln

Grundsätzlich gilt: Jeder und jede kann etwas gegen Hate Speech tun – nämlich widersprechen, gut argumentieren, Falschaussagen mit Fakten entkräften und selbst einen respektvollen Umgangston im Netz pflegen. Hierfür sind verschiedenste Kompetenzen notwendig, die allesamt einen Platz im Unterricht finden können:

Kommunikative Kompetenz: Argumentieren lernen, sachlich bleiben, sich nicht provozieren lassen, „hohle“ Phrasen enttarnen.

Medienkompetenz: Schüler für die Themen Datenschutz und Sicherheit im Netz sensibilisieren und einen verantwortungsvollen Umgang mit Persönlichkeits- und Urheberrechten schulen. Dazu gehört auch das kritische Überprüfen des eigenen Medienkonsums.

Politisch-gesellschaftliches Grundwissen: Wer selbst uninformiert ist, lässt sich schnell von Falschaussagen aufs Glatteis führen. Wichtig ist daher die Vermittlung von politisch-gesellschaftlichem Grundwissen beispielsweise zu aktuellen, kontroversen Themen sowie den Fähigkeiten, sich fehlendes Wissen durch eigene Recherche selbst anzueignen.

Soziale Kompetenzen: Respekt, Empathie, Umgang mit Wut, Äußerung von Wertschätzung trainieren. Gleichzeitig jedoch auch: Eigene Grenzen kennen und berücksichtigen.

 

Weitere Informationen

Für tiefergehende Literatur zum Thema oder konkrete Hilfestellungen zum Umgang mit Hate Speech sind folgende Quellen empfehlenswert:

Hintergrundinformationen und Anregungen:

Broschüren zum Umgang mit Hate Speech:

Sammlung von Materialien zum Einsatz gegen Rechtsextremismus:

 

„Hate Speech“: verbale Entgleisungen und was Lehrkräfte dazu wissen müssen (Teil 1)

Hate Speech bezeichnet verbal geäußerte, von Hass und mitunter Gewaltbereitschaft gekennzeichnete Meinungsäußerungen mit dem Ziel, bestimmte Personen oder Personengruppen herabzusetzen oder/und zu verunglimpfen. In jüngster Zeit tritt das Phänomen Hate Speech vor allem in Online-Medien und in Zusammenhang mit politisch brisanten Themen auf.

 

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“

Doch die Übergänge zwischen Hate Speech und strafrechtlich relevanten Taten wie Beleidigung, Verleumdung, übler Nachrede oder Volksverhetzung sind fließend und nicht immer leicht zu trennen: Wo hört nach deutscher Gesetzgebung das Recht auf freie Meinungsäußerung auf und wo fangen strafrechtlich relevante Verbal-Entgleisungen an? Im Zweifelsfall können nur Juristen eine stichhaltige Einordnung vornehmen. Es ist jedoch hilfreich, sich der unterschiedlichen Arten und Schweregrade von verbaler Gewalt bewusst zu werden:

 

Beleidigung: Beleidigungen sind direkte, an konkrete Personen gewandte, herablassende Äußerungen oder Handlungen mit ehrverletzendem Inhalt (StGB § 185).

 

Verleumdung: Verleumdungen werden dann begangen, wenn eine Person absichtlich unwahre Tatsachen über andere Personen behauptet und verbreitet – in vollem Bewusstsein, dass diese Behauptungen nicht der Wahrheit entsprechen (StGB § 187).

 

Üble Nachrede: Von übler Nachrede spricht man dann, wenn über eine Person falsche Behauptungen aufgestellt werden, die jedoch nicht der Wahrheit entsprechen – etwa, wenn eine Person öffentlich behauptet und das Gerücht verbreitet, eine andere Person habe eine Straftat begangen. Im Gegensatz zur Verleumdung glaubt jedoch bei der üblen Nachrede die verbreitende Person an den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen (StGB, § 186).

 

Volksverhetzung: Der Tatbestand der Volksverhetzung ist dann erfüllt, wenn ein Mensch „in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, 1. zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder 2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet.“ (StGB, § 130 (1)).

 

Hate Speech melden oder anzeigen – wie?

Wichtig ist: Jeder, der Zeuge von Verbalattacken wird, die gegen die Nutzerregeln einer Online-Plattform und/oder gegen Gesetze verstoßen, kann diese melden oder zur Anzeige bringen. Findet die Attacke auf einer der gängigen Social-Media-Plattformen wie etwa Facebook, Twitter, Snapchat, Instagram oder Youtube statt, sollten User den Vorfall via Meldefunktion des jeweiligen Portals kommunizieren. Nähere Informationen und einen Wegweiser durch das Meldeverfahren sind in den jeweiligen Nutzerrichtlinien der Portale zu finden.

Abseits der gängigen Foren können die oben genannten Vorfälle jederzeit bei der Polizei gemeldet bzw. zur Anzeige gebracht werden – und zwar auch von Personen, die nicht explizit selbst von Verleumdung, übler Nachrede oder Ähnlichem betroffen, sondern nur Zeugen derartiger Vorfälle sind.

 

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