Artikel-Schlagworte: „Schulbuch“

Kopieren, Einscannen, Weiterverbreiten: Urheberrecht im Schulalltag

In welchem Umfang ist Lehrkräften das Fotokopieren aus Druckwerken wie z.B. Lehr- oder Sachbüchern erlaubt? Wie sieht die Rechtslage bei der Erstellung von Scans und/oder digitalen Kopien aus? Welche Medien dürfen gespeichert oder auch weitergereicht werden? Ein Überblick über die aktuellen Regelungen, basierend auf der zum 1. Januar 2013 eingeführten Gesetzesregelung.

 

Fotokopien

Generell gilt für die Anfertigung von Fotokopien der Grundsatz, dass Kopien nicht den größten Teil der im Unterricht verwendeten Materialien ausmachen sollen. Doch verständlicherweise gehört das Fotokopieren einzelner Seiten aus einem Schulbuch oder anderen Print-Werk zur einfachsten – und daher weit verbreiteten – Art, Schülern Materialien zugängig zu machen.

Kommen Fotokopien im Unterricht zum Einsatz, gelten folgende Regeln:

  • Der Umfang von aus gedruckten Publikationen (z. B. Schulbücher, Sachbücher, Arbeitshefte, Atlanten) in Klassenstärke fotokopierten Seiten darf 10 % der jeweiligen Seitenzahl und insgesamt 20 Seiten nicht übersteigen.
  • Sogenannte „kleine Werke“ mit maximal 25 Seiten dürfen vollständig kopiert werden. Hierzu zählen z.B. (Fach)Zeitschriften und sonstige Druckwerke außer Schulbücher und Unterrichtsmaterialien. Ebenso dürfen Musikeditionen mit maximal 6 Seiten vollständig vervielfältigt werden.
  • Auf den Kopien müssen folgende Quellenangaben vermerkt werden: Autor, Buchtitel, Verlag, Erscheinungsjahr, Seitenzahl.
  • Werden in Ausnahmefällen mehr als 20 Seiten eines Werks benötigt, kann die Lehrkraft beim jeweiligen Verlag oder der herausgebenden Institution eine Kopierlizenz anfordern.
  • Ausgenommen von der 10 %-Regelung sind Kopien von explizit ausgewiesenen Kopiervorlagen. Von solchen darf eine Lehrkraft für den eigenen Gebrauch (d.h. die eigene zu unterrichtende Klasse) eine unbeschränkte Anzahl kopieren.

 

Digitale Kopien

Digitale Kopien entstehen durch das Einscannen von Print-Vorlagen. Für das Vervielfältigen via digitaler Kopie gelten folgende gesetzliche Regelungen:

  • Bei ab 2005 erschienenen Werken dürfen Lehrkräfte – analog der Regelung für Fotokopien – 10 %, maximal aber 20 Seiten eines Print-Werkes einscannen und abspeichern.
  • Sogenannte „kleine Werke“ (maximal 25 Seiten) dürfen vollständig eingescannt werden. Hierzu zählen z.B. (Fach)Zeitschriften und Druckwerke außer Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien. Ebenso dürfen Musikeditionen mit maximal 6 Seiten vollständig eingescannt werden.
  • Die gescannten Seiten dürfen von der Lehrkraft nur im eigenen Unterricht verwendet werden. Das Weiterreichen (digital und ausgedruckt) an Schüler für den Gebrauch im Unterricht ist gestattet.
  • Pro Schuljahr und Klasse dürfen aus einer Publikation nur einmal in dem dargestellten Umfang Seiten eingescannt werden.
  • Auf dem Scan ist die Quelle zu verzeichnen. Dies ist möglich, indem entweder die Titelseite und/oder das Impressum mit eingescannt werden, oder aber, indem die relevanten bibliografischen Angaben vor dem Scannen per Hand auf der Vorlage notiert werden.
  • Lehrkräfte dürfen die Scan-Dateien auf verschiedenen Endgeräten (z.B. PC, Laptop, Tablet, Whiteboard) speichern.
  • Dritte dürfen keinen Zugriff auf die Scan-Dateien haben. Dies kann z.B. durch einen passwortgeschützten Zugang gewährleistet werden.

Für weitere Auskünfte zur urheberrechtlichen Lage im Schulalltag steht der Verband Bildungsmedien zur Verfügung. Ein zuverlässiges Kompendium in Sachen Urheberrecht ist zudem die Broschüre „Digitale Schulbücher, Einscannen & Kopieren in der Schule“, herausgegeben von der Kultusministerkonferenz in Zusammenarbeit mit dem Verband Bildungsmedien.

Digitales Lehren und Lernen: „Quo vadis, Schulbuch?“

Online-Medien, E-Books, Apps, Wikis und andere digitale Lösungen halten immer mehr Einzug in den Schüler- und Lehrer-Alltag. Doch können sie gedruckte Schulbücher eines Tages ersetzen? Was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile gedruckter und digitaler Medien? Welche elektronischen Angebote sind beispielsweise für die Unterrichtsvorbereitung hilfreich? Und welche Lösungen wären in Zukunft wünschenswert? Um diesen und verwandten Fragen nachzugehen, hat die Universität Augsburg 2013 im Rahmen des Forschungsprojektes „Bildungsmedien online“ eine bundesweite Umfrage unter rund 900 Lehrkräften durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen: Mehr als die Hälfte der befragten Lehrkräfte nutzt Online-Inhalte, um das in gedruckten Schulbüchern enthaltene Wissen um aktuelle Fakten, Zahlen, Grafiken, Abbildungen oder Videos zu ergänzen. Schulbücher sind zwar nach wie vor hoch anerkannt und werden gegenüber Online-Materialien als höherwertig angesehen. Doch dienen sie mittlerweile vielen Lehrkräften eher als ein roter Faden durch die Vorgaben des Lehrplans als ein Medium, das alle Unterrichtsinhalte abdeckt.

 

Bücher liefern „geprüfte Qualität“

Die Suche im Internet hat ihre Tücken: Eine Recherche nach für den Unterricht verwertbaren Online-Inhalten geschieht bislang zumeist nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Anders gesagt: Von einer systematischen Nutzung kann noch keine Rede sein. Dies liegt zum einen daran, dass es eine schier unübersehbare Fülle an geeigneten Materialien gibt, die jedoch permanent neu entstehen – und wieder verschwinden können. Zudem existiert kein zentrales Portal, das fach- und jahrgangsübergreifend Materialien für Lehrkräfte bündelt. Auch ein Austausch der Pädagogen untereinander kann so nicht stattfinden.

Zwischen dem Endverbraucher-Wunsch nach aktuellen, den Unterricht bereichernden Materialien und der Realität in punkto Online-Lernmedien klafft somit eine große Lücke. Dies belegen auch die Bildungszahlen 2014, herausgegeben vom Verband Bildungsmedien: 2011 wünschten sich demnach 70 % der Deutschen die schnelle Einführung digitaler Schulbücher. Im Jahr 2013 jedoch hatten sich nur 0,06 % der Deutschen einen (kostenlosen und anonymen) Account zum Ausprobieren digitaler Schulbücher zugelegt.

Dies zeigt: Auch wenn Online-Bildungsmedien zahlreiche Vorteile haben, ist die Schwellenangst offenbar hoch. Ein Grund mag die Undurchschaubarkeit der Anbieter sein. Endverbraucher denken hier – verständlicherweise – noch in alten Kategorien: Lerninhalte die in Buchform erscheinen, haben einen langen Entstehungsprozess durchlaufen, denn sie sind mindestens durch Autoren- und Verlagsredaktionshände gegangen. Renommierte Verlagsnamen tun ihr Übriges, Büchern zu Seriosität und Glaubwürdigkeit zu verhelfen. Anders ist es jedoch bei online publizierten Inhalten. Hier gibt es nicht automatisch eine „Kontrollinstanz“ und in vielen Fällen auch keinen Verlag, der mit seinem Namen für die Qualität der Inhalte bürgt.

 

„Selbst ist der Lehrer“

Wie sehr sich viele Lehrkräfte an der zeitaufwendigen Suche nach Materialien im Internet stören, zeigt eine Initiative zweier Pädagogen in Berlin. Frustriert von der immer wieder notwendigen Suche nach aktuellen Materialien für den Biologieunterricht kamen sie auf die Idee, eine lehrplankonforme zentrale Plattform, ein „digitales Schulbuch“ für Unterrichtsmaterialien zu gründen. Nach dem Vorbild der Online-Enzyklopädie Wikipedia sollte es frei zugänglich, umsonst und für jeden nutzbar sein. Die beiden Lehrer sammelten also Materialien im Netz, schrieben einige Artikel selbst, vernetzten und machten auf ihr Projekt aufmerksam. Das Ergebnis war bahnbrechend: Als der „Schulbuch-O-Mat“ online ging, konnte er bereits in der ersten Woche über 1.300 Downloads verzeichnen. Auf die Frage, was der Nachteil von Schulbüchern im Vergleich zu digitalem Lehr- und Lernmaterial sei, antworten die beiden Pädagogen im ZEIT-Interview: „Da werden die alten Strukturen überhaupt nicht losgelassen, es ist der immer gleiche Saft, immer wieder aufgefrischt.“ Zudem seien die Herstellungskosten für Bücher hoch und ressourcenintensiv – bei einer relativ kurzen Halbwertszeit des gedruckten Buches. Der Schulbuch-O-Mat hingegen lebt von der Interaktion vieler Nutzer, die die Inhalte selbst auch editieren, ergänzen oder aktualisieren können.

 

Quo vadis?

Bleibt die Frage nach der Zukunft des Schulbuchs: Wie die Augsburger Studie zeigt, ist der Wunsch nach digitalen Medien und Inhalten ohne Zweifel vorhanden. Dennoch ist der Schritt zu einem rein digitalen Schulbuch bei einem Großteil der Lehrerschaft mit Schwellenängsten behaftet. Zum Teil ist dies sicher auch einer Hemmung vor technischen Innovationen geschuldet. Eine der diesbezüglich spannendsten Fragen der nächsten Jahre wird daher sein, ob es den renommierten Schulbuchverlagen gelingt, ihre gute Reputation dazu zu nutzen, auch bei Online-Inhalten zu überzeugen.

 

Kategorien