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Demokratieerziehung an Schulen

Der aus der Reformpädagogik stammende Begriff der „Demokratiepädagogik“ erlebt im deutschen Bildungssystem derzeit eine Renaissance. Denn er verheißt, diejenigen Werte zu vermitteln, auf die es in einer zunehmend von Diversität geprägten Gesellschaft ankommt: Toleranz, Solidarität, aber auch der Wille, die Stimme zu erheben und Verantwortung zu übernehmen für sich und die Gesellschaft.

Was für einen Staat gilt, gilt in verkleinerter Form auch für den Mikrokosmos Schule. In erster Instanz bemüht sich die schulische Demokratiepädagogik daher darum, Strukturen zu etablieren, die Mitsprache und Partizipation ermöglichen. Ihr Ziel ist es, die Erfahrung zu vermitteln, mit Kraft der eigenen Stimme gewaltfrei für sich einstehen und etwas bewirken zu können. Denn, wie Andrej Priboschek in seinem Artikel „Was wir jetzt brauchen: Eine Bildungs-Offensive gegen die Hass-Kultur!“  sagt, kann der „Verlust an demokratischer Kultur zu einer beispiellosen Hetze- und Hasswelle führen.“

 

Demokratische Strukturen etablieren – und pflegen

Wichtig wie nie zuvor ist in Schulen daher die Vermittlung von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten (Selbstwirksamkeit) sowie der Erfahrung, aus eigener Kraft etwas bewirken zu können, kurz: demokratischer Grundwerte.

Eine Möglichkeit zur Umsetzung ist die Etablierung demokratischer Strukturen in der Schule. Dazu gehören beispielsweise Klassenrat, Schülerparlament, Beteiligung an der Schulentwicklung, aber auch die Durchführung von Mediationen und eine wirksame Elternbeteiligung.

Einen guten Überblick über Bausteine der Demokratiepädagogik gibt die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik  in ihrem „ABC zur Demokratiepädagogik“.

Des Weiteren hat die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik ein Positionspapier zur „Demokratiepädagogik in der Einwanderungsgesellschaft“ veröffentlicht und empfiehlt mehrere Fachbücher zur weitergehenden Lektüre.

 

Teufelskreis Mobbing: Prävention muss erste Maßnahme sein

Neben der Arbeitsstelle ist die Schule Hauptschauplatz von Mobbing-Fällen. Eine Studie der Leuphana-Universität Lüneburg spricht gar von über 30 % aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland, die bereits Erfahrungen mit Schikane oder „Fertigmachen“ in der Schule erlebt haben. Jeder Zehnte sei zudem bereits einmal Opfer von Gewalt gewesen. Hierzu zählt die Studie Raufereien oder Schlägereien auf dem oder rund um das Schulgelände.

Insbesondere die schulpsychologischen Beratungsstellen der einzelnen Bundesländer reagieren hierauf und informieren über schulspezifische Programme und Maßnahmen zur Bewältigung von Mobbing. Doch beginnt der Handlungsbedarf schon weitaus früher, nämlich bei der Prävention. Denn das Einschalten von Instrumenten zur Mobbing-Bewältigung erfordert zunächst stets das Eingeständnis: „Ja, an unserer Schule gibt es Mobbing“. Genau dieser Schritt ist es, den Lehrkräfte – und nicht zuletzt auch Schulleiter – oftmals scheuen. Denn viel zu oft wird das Aufkommen von Mobbing noch mit einem Versagen von Lehr- oder Führungskräften in Verbindung gebracht.

 

„Wie konnte es dazu kommen?“

Werden Lehrkräfte mit Mobbing in einer ihrer Klassen konfrontiert, beginnt vor allem das Umfeld oft, Fragen nach der Ursache zu stellen. Doch Mobbing deutet nicht zwangsläufig auf grundlegende Unterrichtsmängel hin. Noch weniger bemerkt eine Lehrkraft automatisch, wenn eine Schülerin oder ein Schüler unter Mobbing leidet. Denn es ist ein Prozess, den eine Gruppe immer wieder von alleine „befeuert“ und der nur in einem System aus Stillschweigen und Mitläufertum funktioniert.

Doch die Auseinandersersetzung mit Mobbing ist kräftezehrend und für Lehrkräfte ohne sozialpädagogische oder psychologische Zusatzausbildung oft nicht zu leisten. Die Folge: Eine Schule mit positivem Klima, gesunden Strukturen und funktionierender Kommunikation sieht weniger Bedarf für Mobbing-Prävention als eine Schule, in der es ohnehin schon „brodelt“. Doch gerade Prävention gilt mittlerweile als der nachhaltigste Weg, Mobbing zu verhindern. Bewährt hat sich hierfür eine Dreiteilung der Maßnahmen in die Schulebene, die Klassenebene und die persönliche Ebene.

 

 

Praxistipps Mobbing-Prävention

Umfangreiche Anti-Mobbing-Kampagnen an Schulen – oftmals durch Einbeziehung externer Fachleute – sind zwar ein guter Weg, Schüler auf Dauer zu einem Umdenken zu bringen. Jedoch sind sie für viele Schulen zu aufwendig bzw. zu zeit- oder kostenintensiv. Doch sind nicht nur professionelle Anti-Mobbing-Maßnahmen wirksam, sondern vor allem grundlegende Einstellungen und kleine Schritte, die jede Schule auch mit eigenen Ressourcen beherzigen und auf die Beine stellen kann:

 

Nichts unter den Teppich kehren: Das Vorkommen von Mobbing darf niemals unter den Teppich gekehrt werden, nur um die Reputation zu schützen. Langfristig hilft gegen Mobbing nur offene Kommunikation.

Auf dem Laufenden bleiben: Wichtig ist, sich selbst über die Gesetzeslage zu informieren: Welche Mobbing-Handlungen gelten bereits als Straftat und müssen dementsprechend geahndet werden?

Offen sein für Weiterbildungen: Es gibt unzählige Fortbildungen in Sachen Konfliktmanagement, Mobbing-Prävention, Mediation etc.

Kontaktstelle einrichten: Möglicherweise ist die Einrichtung einer Mobbing-Anlaufstelle an der Schule sinnvoll. Dies kann eine Person aus dem Kollegium, ein Schüler/Schülerin oder aber eine externe Person sein.

Mediation: Eine Streitschlichter- bzw. Mediations-AG an der Schule ist ein besonders nachhaltiges Mittel, um Mobbing einzudämmen. Denn es ermutigt auch Außenstehende dazu, bei Mobbing zu intervenieren.

Eigene Grenzen kennen und wahren: Lehrkräfte stoßen dann an ihre Grenzen, wenn massive psychische Störungen vorliegen, entweder beim Opfer oder bei einem Haupt-Mobbing-Täter. Dann ist die Konsultation eines Schulpsychologen unbedingt erforderlich.

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