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Unzulässige oder kritische Fragen beim Vorstellungsgespräch

Einige Fragen sind im Bewerbungsgespräch unzulässig, andere kritische Fragen wiederum in gewissen Berufsgruppen durchaus legitim. Und auf manche Fragen dürfen Bewerber*innen gar mit einer Lüge antworten. Ein Überblick.

Unzulässig:
  • Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft
  • Frage nach einer geplanten Schwangerschaft. Diese Frage darf von einer Frau auch bewusst falsch beantwortet werden, ohne dass negative Konsequenzen drohen.
  • Frage nach einer bestehenden oder geplanten Eheschließung
  • Frage nach dem bisherigen Gehalt
  • Frage nach der Religions- oder Parteizugehörigkeit
  • Frage nach Vorerkrankungen und/oder dem aktuellen Gesundheitszustand
  • Frage nach Erbkrankheiten in der Familie
  • Frage nach einer Behinderung sowie nach einer Einstufung als Schwerbehinderte*r (vgl. Benachteiligungsverbot des § 81 Abs. 2 SGB IX für Schwerbehinderte und Gleichgestellte)
  • Frage nach den Vermögensverhältnissen
  • Frage nach der ethnischen Herkunft und Kultur
In gewissen Berufen erlaubt
  • Bei sogenannten Tendenzbetrieben (z.B. Parteizentralen, parteilichen Medien oder sonstigen politisch untermauerten Betrieben) sowie (im Einzelfall) bei kirchlichen Einrichtungen ist die Frage nach der Gewerkschaftszugehörigkeit nach § 118 BetrVG zulässig.
  • Ebenfalls erlaubt bei Tendenzbetrieben ist die Frage nach der Religions- oder Parteizugehörigkeit.
  • Sofern die künftige Tätigkeit des Bewerbers oder der Bewerberin dies erfordert, darf der Arbeitgeber nach Vorstrafen fragen (z.B. Verkehrsdelikte bei Kraftfahrer*innen). Ist die Vorstrafe nicht (mehr) im Bundeszentralregister eingetragen, darf sich der Bewerber bzw. die Bewerberin als unbestraft bezeichnen
Wie reagieren auf unzulässige Fragen?

Zwar ist es naheliegend, in diesem Fall auf die Unzulässigkeit der Frage zu verweisen und die Antwort zu verweigern. Für den weiteren Verlauf des Gesprächs ist dies jedoch nicht förderlich und sollte daher vermieden werden, zumal es durchaus eine bewusste Provokation seitens des Personalers oder der Personalerin sein könnte. Zu empfehlen ist, im Falle einer unzulässigen Frage freundlich und zugewandt zu bleiben. Als Antwort eignet sich die Äußerung: „Inwieweit ist diese Frage denn relevant für die Besetzung der Stelle?“ Hiermit setzt der/die Kandidat*in das deutliche Signal: Ich weiß, dass ich hierauf nicht antworten muss, bleibe aber dennoch gesprächsbereit.

„Haben Sie noch Fragen?“ Fünf Tipps, um Vorstellungsgespräche souverän abzuschließen

Mit der Äußerung „Haben Sie noch Fragen?“ leitet die Arbeitgeberseite zumeist die Endphase des Vorstellungsgesprächs ein. Gleichzeitig erhält der/die Bewerber*in die Gelegenheit, noch einmal etwas bislang Ungesagtes zu thematisieren. Doch Vorsicht: Mitunter ist die Frage auch rein rhetorisch als ein Mittel gedacht, den/die Bewerbungskandidat*in noch einmal zu prüfen oder die Motivation auf den Prüfstand zu stellen. Es ist daher ratsam, sich auf diese Phase vorzubereiten und für die „Frage nach den Fragen“ gewappnet zu sein.

  • Um als Bewerbungskandidat*in nicht den Eindruck zu erwecken, dass eine Frage in der Schlussphase des Bewerbungsgesprächs nur als Lückenfüller gestellt wurde, am besten die eigenen Beweggründe mit nennen: „Mir persönlich ist es wichtig, zu wissen, wie die Strukturen im Kollegium sind, daher interessiert mich, ob es an der Schule Arbeitsteams gibt…“ (o.Ä.).
  • Die Frage „Was braucht es, um den Job sehr gut zu machen?“ signalisiert ernsthaftes Interesse an der Stelle und demonstriert Leistungswillen. Im Idealfall lässt die Antwort Rückschlüsse auf die Prioritäten der Entscheider zu.
  • Falls die Arbeitgeberseite im Laufe des Gesprächs noch kein (oder nur ein minimales) Feedback über die Eignung der/des Kandidaten geäußert hat, ist jetzt ein Zeitpunkt, direkt danach zu fragen, beispielsweise durch die Frage: „Was ist Ihr Eindruck nach unserem Gespräch?“
  • Falls noch kein Rundgang durch die Schule bzw. das Schulgelände stattgefunden hat oder für einen späteren Zeitpunkt vereinbart wurde und der Bewerber/die Bewerberin fremd ist, bietet es sich an, hiernach oder nach konkreten Räumlichkeiten zu fragen: „Sie erwähnten das jährliche Chorkonzert, wäre es möglich, einmal einen Blick in die Aula zu werfen?“
  • Keine Frage um jeden Preis: Falls im Job-Interview tatsächlich schon alle Fragen geklärt wurden, ist es empfehlenswert, das Gespräch nicht um jeden Preis noch in die Länge zu ziehen. Mit der Aussage „Vielen Dank, wir haben über alles für mich Wichtige gesprochen“ signalisiert der Bewerber/die Bewerberin, dass er/sie sich vorab genau Gedanken über die zu klärenden Sachverhalte gemacht hat.

Online-Bewerbungsgespräche meistern

Schulen und Kindergärten führen derzeit pandemiebedingt ihre Erstgespräche mit interessierten Kandidat*innen vermehrt online. Und vermutlich wird dies auch noch eine ganze Weile so bleiben. Es lohnt sich daher, sich frühzeitig mit dem Thema Online-Bewerbungsgespräche vertraut zu machen. Hilfreiche Tipps dazu gibt Recruiting-Experte Dr. Jörg Köbke, Geschäftsführer der Personalberatung LehrCare.

Werden Neueinstellungen vorgenommen, bei denen das Kennenlernen ausschließlich online erfolgte?
Interviews per Skype, Zoom oder andere Anbieter sind insbesondere pandemiebedingt mittlerweile absolut üblich. Neben dem Schutz der eigenen Gesundheit hat das durchaus Vorteile. Als Kandidatin zeigt man sich technisch affin und up-to-date und beide Seiten sparen sich zunächst eine Menge Zeit und auch Kosten, vor allem wenn man dann feststellt, dass man doch nicht zueinander passen sollte.
Medial geführte Interviews ersetzen aber auch in Pandemiezeiten in der Regel nicht das persönliche Kennenlernen, das dann als Zweitgespräch, sobald es geht, unter entsprechenden Vorkehrungen doch vor Ort stattfinden sollte. Bei deutschen Auslandsschulen ist es zwar schon länger üblich, Jobinterviews auch ausschließlich online zu führen und danach Einstellungen vorzunehmen, ohne dass man sich vorab persönlich kennengelernt hat. In Deutschland bleibt dies trotz der Pandemie wohl eher eine Ausnahme. Nicht nur den Arbeitgeber*innen, auch interessierten Bewerber*innen sollte es wichtig sein, sich ihrem/ihrer künftigen Arbeitgeber*in letztlich auch persönlich vorzustellen und, etwa über eine Hospitation, einen ersten persönlichen Eindruck von der Einrichtung und den Kolleg*innen zu erhalten, bevor sie eine Beschäftigungszusage erteilen.

Wie sieht die Vorbereitung aus?
Bei medial geführten Interviews sollte man sich vorab genauso gut informieren, wie bei persönlichen Vorstellungsgesprächen und sich auf relevante Fragen beiderseits vorbereiten. Es gilt zu bedenken, dass ein Interview per Skype oder Zoom ein Präsenzinterview derzeit oft ersetzt. Es ist daher nicht weniger wert und genauso ernst zu nehmen wie jenes. Auch bei einem medial geführten Interview entscheidet auf beiden Seiten oft bereits der erste Eindruck.
Deshalb gilt für beide Interviewformen: Wenn es vorab nicht ohnehin mitgeteilt wird, ist es immer ratsam, gut vorbereitet zu sein, d.h. sich danach zu erkundigen, wer die Gesprächspartner*innen sein werden, welche Funktion sie bekleiden und auch, worum es im Gespräch voraussichtlich gehen wird. Handelt es sich um ein erstes Kennenlernen, um sich einen persönlichen Eindruck voneinander zu verschaffen oder geht es bereits um konkrete Fragen, z.B. zur Einrichtung, den Voraussetzungen für die Position, den Anforderungen und Aufgaben etc.?

Welche technischen Vorkehrungen sind zu treffen?
Auch wenn Online-Gespräche ein sehr „zweidimensionales“ Bild der Bewerber*innen vermitteln, ist auch hier der Gesamtauftritt wichtig. Dazu gehört neben angemessener Kleidung, aufrechter Haltung und einer störungsfreien Umgebung beispielsweise der Bildschirmhintergrund. Am Schreibtisch zu sitzen, mit einem Bücherregal im Rücken, ist sicher ansprechender für den künftigen Arbeitgeber als der Blick in die Küche. Auch sollte Licht, das durch ein Fenster kommt oder eine dahinterstehende Lampe nicht blenden. Ideal ist natürliches Tageslicht, das von vorne kommt, also mit dem Gesicht einem Fenster zugewandt. Einen Tontest kann man vorab am verwendeten PC durchführen. Klingt die Stimme „blechern“ oder undeutlich, ist es ratsam, ein externes Mikrofon zu verwenden. Während des Gesprächs gilt: Nach Möglichkeit immer in die Kamera schauen (und nicht auf das Bild des Gegenübers auf dem Monitor). Hilfreich kann es hierfür sein, eine entsprechende Gedankenstütze neben die Kameralinse zu kleben. Nicht zuletzt können Kandidaten sich bei Online-Interviews „Spickzettel“ parat legen – etwa mit Hintergrundinfos zum Arbeitgeber o.Ä. Dies kann im Gespräch für mehr Sicherheit und Gewandtheit sorgen.

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