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Bewerben an Privatschulen: Vorbereiten und Informieren (Teil 1)

Anschreiben, Lebenslauf, Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse sind obligatorische Bestandteile einer Bewerbung. Doch bis diese optimal verfasst, gestaltet und auf den potenziellen Arbeitgeber in spe zugeschnitten sind, bedarf es einiger vorbereitender Schritte und Entscheidungen. Dazu gehört neben einem exakten Interpretieren der Stellenausschreibung vor allem auch die Informationsbeschaffung über die potenzielle Arbeitsstätte.

 

Voraussetzungen für die Arbeit an Privatschulen

Generell gilt: Lehrkräfte können sich an Schulen in freier Trägerschaft bewerben, wenn sie über eine fachliche und pädagogische Eignung verfügen. Eine volle staatliche Lehrerausbildung ist nicht verpflichtend, jedoch gern gesehen. Denn nach Artikel 7 Absatz 4 des Grundgesetzes darf die wissenschaftliche Ausbildung der Lehrkräfte an Privatschulen nicht hinter denen an öffentlichen Schulen zurückstehen. Je nach Art der Schule in freier Trägerschaft benötigen potenzielle Lehrkräfte jedoch bestimmte Zusatzausbildungen, wie beispielsweise eine Waldorflehrer-Ausbildung. Daher ist es in einem ersten Schritt unerlässlich, sich genau über die Anforderungen der Schule zu informieren.

 

Die Stellenausschreibung

Entscheidende Informationen über die Anforderungen an potenzielle Bewerber sollte zunächst bereits die Stellenausschreibung enthalten. Diese ist daher genau zu lesen und mit den eigenen Qualifikationen abzugleichen. Umgekehrt müssen auch die vom potenziellen Arbeitgeber genannten Angebote kritisch hinterfragt werden: „Ist es wirklich das, was ich suche und leisten kann?“

 

Informieren über den möglichen Arbeitgeber

Selbstverständlich gehört zur Vorbereitung einer Bewerbung das Studieren der Homepage der entsprechenden Schule. Ist die Schule in einem Verband oder einer Trägervereinigung organisiert, sollten Bewerber auch deren Websites intensiv betrachten und sich innerhalb des pädagogischen Konzepts selbst „verorten“: „Welche Bestandteile des Konzeptes passen besonders/gar nicht zu mir?“ und „Verfüge ich in dieser speziellen pädagogischen Richtung schon über Erfahrungen?“ Sehr wertvoll sind, sofern verfügbar, auch Meinungen und Erfahrungen Dritter.

 

Allgemeine Informationen über Vorteile und Eigenschaften von Privatschulen gibt auch der Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. (VDP). Da gerade Schulen in freier Trägerschaft über ein fundiertes Schulprogramm verfügen und oft bestens vernetzt sind, ist es ratsam, sich auch über die Region und eventuelle Kooperationen zu informieren. Wichtig: Wie alle Arbeitgeber möchten auch Schulen gerne hören, warum man gerade bei ihnen arbeiten möchte. Es ist daher wichtig, hierfür Argumente zu finden. Und nicht zuletzt: Spätestens beim Vorstellungsgespräch wird das Thema Gehalt thematisiert werden. Es kann nur von Vorteil sein, sich hiermit bereits in der Bewerbungsphase auseinanderzusetzen.

 

Das Telefonat vorab

Eine Möglichkeit, sich zusätzlich vorzubereiten bzw. sich bei dem potenziellen Arbeitgeber bereits „einen Namen zu machen“, ist ein Telefonat vorab. Ziel eines solchen Gespräches ist, etwas zu erfahren, das man als Bewerber im späteren Anschreiben verwerten kann, z. B. indem man über ein Telefonat den konkreten Ansprechpartner herausfindet, oder erfährt, worauf dieser in punkto Qualifikation besonderen Wert legt. Gelingt dies, hebt man sich als Bewerber in jedem Fall positiv von Mitbewerbern ab.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 8: Konfessionelle Schulen (katholisch)

Konfessionelle Schulen zeichnen sich durch ihre enge Anlehnung an eine Glaubensrichtung aus – in Deutschland also hauptsächlich an die katholische oder die evangelische Konfession. 2011 besuchten hierzulande etwa 442.000 Schülerinnen und Schüler eine konfessionelle Schule, von Grundschulen über Haupt- und Realschulen bis zu Gymnasien. Auf katholische Schulen entfielen hierbei rund 327.000 Schülerinnen und Schüler, auf evangelische ca. 115.000.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Je nach Träger der spezifischen Schule können die Anforderungen an Lehrkräfte katholischer Schulen stark variieren. So haben beispielsweise Ordensschulen andere Anforderungen als Schulen in Trägerschaft von Stiftungen. Unabdingbar ist neben der fachlichen und pädagogischen Qualifikation eine ausgeprägte Identifizierung mit der katholischen Ausrichtung.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Da sich Katholische Schulen eng am staatlich vorgegebenen Lehrplan orientieren, bewegen sich die Möglichkeiten der inhaltlichen Unterrichtsgestaltung innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens. Jedoch gibt es für Lehrkräfte umso mehr Möglichkeiten, sich pädagogisch bzw. gestalterisch einzubringen. Einen Überblick über den Erziehungsauftrag Katholischer Schulen gibt ein Vortrag des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Viele freie Katholische Schulen verfügen darüber hinaus über ein dezidiertes Schulprofil, für dessen Erarbeitung bzw. Umsetzung sich Lehrkräfte engagieren können.

 

Entstehung

Etwa anderthalb Jahrtausende lang waren in Mitteleuropa Kirchen und andere Religionsgemeinschaften die einzigen Träger von Bildungseinrichtungen. Erst in den letzten Jahrhunderten verbreiteten sich staatliche Schulen in größerem Maße. Heute sind in Deutschland konfessionelle Schulen gegenüber staatlichen Schulen in der Minderzahl. 2009 waren insgesamt 325.000 Schüler an katholischen und 2007 rund 115.000 Schüler an evangelischen Schulen eingeschrieben. Unter den Schulen in freier Trägerschaft stellen die katholischen Schulen damit den größten Anteil dar. Eine Ausnahmeregelung gibt es in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Dort sind konfessionelle Schulen als staatliche Schulen in der Trägerschaft von politischen Gemeinden.

 

Umsetzung in die Praxis

Die Deutsche Bischofskonferenz hat Qualitätskriterien für Katholische Schulen festgelegt, in denen unter anderem Empfehlungen für die Punkte Erziehungsauftrag, Unterrichtsgestaltung, Lehrkräfte und Elternarbeit ausgesprochen werden. Diese können als Grundlage für die Praxis Katholischer Schulen gesehen werden. Das Papier verdeutlicht darüber hinaus, dass Katholische Schulen einen hohen Anspruch an die Schulqualität haben, dass jedoch die Palette möglicher Ausgestaltungsformen sehr breit ist. Dies liegt nicht zuletzt auch an regionalen bzw. länderspezifischen Eigenarten.

 

Status

Katholische Schulen in freier Trägerschaft sind staatlich anerkannte Ersatzschulen und vermitteln als solche die Inhalte der Bildungspläne der öffentlichen Schulen. Sie ermöglichen ihren Schülerinnen und Schülern staatlich anerkannte Abschlüsse, sofern nicht ein besonderer pädagogischer Schwerpunkt besteht, der dies einschränkt.

 

Finanzierung

Wie alle Schulen in freier Trägerschaft erhalten katholische Schulen staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Bei den Elternbeiträgen achten konfessionelle Schulen in besonderem Maße auf die finanziellen Möglichkeiten der Eltern. So gibt es an vielen Schulen reduzierte Schulgelder. Eine zusätzliche Finanzierung erfolgt durch Spenden.

 

Weitere Informationen

Der Arbeitskreis Katholischer Schulen in freier Trägerschaft in der Bundesrepublik Deutschland (AKS) informiert auf seiner Website über katholische Schulen in Deutschland. Katholische Religionslehrer/-innen und sonstige Lehrkräfte, die sich für eine Tätigkeit in einer katholischen Schule interessieren, finden zahlreiche weiterführende Informationen und Materialien auf dem Religionspädagogischen Portal der katholischen Kirche in Deutschland.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 6: Montessori-Schulen

Rund 1.000 Schulen und Kindertagesstätten in Deutschland arbeiten nach der reformpädagogischen Montessori-Lehre, davon etwa 600 Kitas, auch „Kinderhäuser“ genannt. Zu den 400 Montessori-Schulen (etwa 300 Primarschulen und 100 weiterführende Schulen) zählen sowohl Schulen in freier Trägerschaft, als auch staatliche Schulen mit Montessori-Zweigen. Bei den freien Trägerschaften handelt es sich in der Regel um kirchliche Trägerschaften oder um Elterninitiativen. Die Verteilung der weiterführenden Montessori-Schulen auf Schulformen stellt sich wie folgt dar: Gymnasien 40 %, Gesamtschulen 25 %, Hauptschulen 20 %, Realschulen 15 %. Zusammengefasst werden die Prinzipien der Montessori-Pädagogik in dem Satz: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Hiernach sollen Kinder und Jugendliche sich möglichst frei entfalten und für sich selbst die passenden Lernwege finden. Sie erhalten dabei zwar Unterstützung durch Erzieher bzw. Lehrkräfte, erfahren aber durch eigenständiges Erarbeiten eine Stärkung ihrer Persönlichkeit.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Pädagogen, die an Montessori-Schulen tätig werden möchten, benötigen eine dezidierte Montessori-Ausbildung, die in der Regel nach der staatlichen Lehramts- bzw. Erzieher-Ausbildung in Montessori-Ausbildungsorganisationen absolviert wird. Unabhängig von der Ausbildung sollten an Montessori-Schulen interessierte Lehrkräfte über fundierte Beobachtungs- und Problemlösungsfähigkeiten verfügen, da diese für den pädagogischen Alltag unverzichtbar sind. Eine wohlwollende Haltung gegenüber der Montessori-Pädagogik wird vorausgesetzt.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Da die Zahl der Montessori-Schulen in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist, stellen Montessori-Schulen immer mehr ein Betätigungsfeld mit Zukunft dar.

 

Entstehung

Die Montessori-Pädagogik fußt auf dem Gedankengut der Ärztin und Reformpädagogin Maria Montessori (1870 – 1952), die ab Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Lehren in sogenannten Montessori-Ausbildungskursen weitergab. In Deutschland fanden diese großen Anklang und es entstanden schon vor 1920 mehrere Montessori-Kinderhäuser und -Schulen. 1925 wurde die Deutsche Montessori Gesellschaft gegründet.

Während des Zweiten Weltkriegs mussten alle Montessori-Einrichtungen geschlossen werden, erlebten aber nach 1945 eine rasche Renaissance. Seit den 1980er-Jahren erfreuen sich Montessori-Einrichtungen ungebrochen wachsender Beliebtheit. Gerade die Anzahl von Schulen in freier Trägerschaft ist in den letzten 20 Jahren rasant angestiegen. So waren beispielsweise im Montessori Landesverband Bayern bei seiner Gründung 1985 fünf Montessori-Schulträger organisiert, heute sind es 80.

 

Umsetzung in die Praxis

Ein entscheidendes Element der Montessori-Pädagogik ist die Freiarbeit, die neben dem Fachunterricht gleichberechtigter Teil des Stundenplans ist. Die Freiarbeit gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich denjenigen Lerninhalten zuzuwenden, für die sie sich am meisten interessieren. Auch beim Fachunterricht können die Kinder und Jugendlichen in gewissem Maße entsprechend ihrer Interessen wählen. Feste Lehrpläne, Noten oder Klausuren gibt es an Montessori-Schulen nicht. Die meisten Montessori-Schulen sind Ganztagsschulen, sodass überdies auch das gemeinsame Mittagessen und die Nachmittagsbetreuung fester Bestandteil des Tagesablaufs sind.

 

Status

Private Montessori-Grundschulen sind generell staatlich genehmigte Ersatzschulen. Bei den weiterführenden Montessori-Schulen ist der Status unterschiedlich: Teils sind es Ergänzungsschulen, an denen kein staatlich anerkannter Abschluss abgelegt werden kann. Neben diesen entstehen jedoch immer mehr Montessori-Oberschulen (MOS), an denen Schülerinnen und Schüler auch das Abitur ablegen können.

 

Finanzierung

Die Finanzierung des Besuchs einer Montessori-Schule hängt eng mit deren Status (s.o.) zusammen. Staatliche Schulen mit Montessori-Zweig sind anderen staatlichen Schulen gleichgestellt. Der Montessori-Fokus ist bei diesen lediglich ein pädagogischer, nicht aber ein konzeptioneller Schwerpunkt.

Montessori-Schulen mit dem Status „staatlich genehmigte Ersatzschule“ erhalten wie alle freien Schulen staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Weitere Informationen zum Status und zur Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft gibt eine entsprechende Broschüre des Verbands deutscher Privatschulverbände (VDP).

 

 

Weitere Informationen

Der Montessori-Dachverband Deutschland (MDD) informiert über Inhalte der Montessori-Pädagogik sowie über Montessori-Einrichtungen.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 4: Bilinguale Schulen

Bilinguale Schulen haben das Ziel, interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln. Gleichzeitig bereiten sie die Schülerinnen und Schüler auf den globalisierten Arbeitsmarkt vor. Sie wenden sich an Kinder aus zweisprachigen Elternhäusern ebenso wie an Kinder, die zunächst nur eine der beiden Unterrichtssprachen beherrschen. Die in den meisten Bilingualen Schulen praktizierte Fremdsprache ist Englisch, daneben gibt es aber auch Schulen, die als zweite Sprache Spanisch, Französisch oder Russisch anbieten. Es werden vielfach ausländische, das heißt muttersprachliche Lehrkräfte eingesetzt. Private Bilinguale Schulen zielen oft auf Schüler mit hoher Leistungsbereitschaft ab.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Neben der fachlichen und pädagogischen Qualifikation sind für potenzielle Lehrkräfte an Bilingualen Schulen hervorragende Kenntnisse in der jeweils vorherrschenden Fremdsprache vonnöten. Besonders für Muttersprachler mit entsprechender pädagogischer Qualifikation gibt es sehr gute Einstellungschancen. Didaktische Erfahrungen mit bilingualem Unterricht sind von Vorteil.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Bilinguale Schulen bieten den Lehrkräften zunächst einmal die gleichen pädagogischen Möglichkeiten wie „normale“ Schulen. Die mehrsprachige Erziehung nach dem Immersionsprinzip, das heißt ohne separaten Sprachunterricht in der jeweiligen schuleigenen Fremdsprache, bietet jedoch viele weitere Möglichkeiten, da hier der Zugang oft intuitiv, geradezu „mit Händen und Füßen“, geschaffen wird. Auch interkulturelle Barrieren können die Lehrkräfte hier abbauen helfen.

 

Umsetzung in die Praxis

In Bilingualen Schulen findet ein Großteil des Unterrichts in der nicht-deutschen Sprache statt. Wie groß dieser Anteil letztendlich ist und welche Fächer betroffen sind, hängt von der jeweiligen Ausrichtung der Schule ab. Dieses „Learning by Doing“ ermöglicht es den Kindern, von Beginn an Sprachpraxis zu sammeln. Erst an weiterführenden Bilingualen Schulen wird der Spracherwerb „verwissenschaftlicht“, also durch eigentlichen Sprachunterricht ergänzt. Die weiteren organisatorischen Details von Bilingualen Schulen unterscheiden sich von Schule zu Schule, jedoch wird oft eine ausgeprägte Schulkultur mit starkem Engagement der Lehrkräfte und auch der Eltern gepflegt.

 

Status

Die Abschlüsse von Bilingualen Schulen sind in Deutschland anerkannt, sofern nicht ein besonderer pädagogischer Schwerpunkt besteht, der dies einschränkt. Weiterführende Bilinguale Schulen bieten häufig auch den International Baccalaureate an, einen Abschluss, der ein späteres Studium im Ausland vereinfacht. Weiterführende Bilinguale Schulen sind fast ausschließlich Gymnasien.

 

Finanzierung

Als staatlich genehmigte Ersatzschulen erhalten Bilinguale Schulen staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Weitere Informationen zum Status und zur Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft gibt eine entsprechende Broschüre des Verbands deutscher Privatschulverbände (VDP).

 

Weitere Informationen

Das Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen informiert detailliert über Struktur, Möglichkeiten und Grenzen des Bilingualen Unterrichts.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 3: Jenaplan-Schulen

Jenaplan-Schulen basieren auf den Gedanken und Überzeugungen des Reformpädagogen Peter Petersen. Sie setzen „normalen“ Schulen, in denen oft Frontalunterricht die Regel ist, ein harmonisches, gemeinschaftliches Lernklima entgegen. Nicht nur Inhalte sollen die Schüler pauken, sondern auch „Soft skills“ entwickeln. Unterricht in der althergebrachten Form gibt es hier nicht, ebensowenig Zensuren. Die Ausgestaltung von Jenaplan-Schulen fußt auf den Basisprinzipien der Jenaplan-Pädagogik.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Für Lehrkräfte an Jenaplan-Schulen gibt es kein einheitliches Anforderungsprofil. Für Interessierte an einer Tätigkeit im Jenaplan-Konzept ist zunächst die Identifizierung mit den Prinzipien von Jenaplan-Schulen eine Grundvoraussetzung. Des Weiteren sollten potenzielle Bewerber eine ausgeprägte Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Schülern und Eltern auf „Augenhöhe“ haben. Für die explizite fachliche und pädagogische Qualifikation empfiehlt sich der Blick auf eine konkrete Stellenausschreibung.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Im Rahmen des Jenaplan-Konzepts haben Lehrkräfte große pädagogische Freiheiten. Sie können jedes Kind individuell fördern, wozu sie besonders durch die enge Zusammenarbeit mit den Eltern in der Lage sind. Allerdings setzt die fehlende Möglichkeit, Leistungen zu zensieren, eine große pädagogische Überzeugungskraft voraus. Denn durch Druck lassen sich die Kinder hier nicht motivieren.

 

Entstehung

Peter Petersen (1884 – 1952) war Professor für Erziehungswissenschaften in Jena. Schon 1927 gründete er eine erste, nach seinen Ideen gestaltete Schule. Er sah sie als Gegenentwurf zu den staatlichen Lehranstalten, in denen der Gebrauch des Rohrstocks gängig war. Leitgedanke war die Schaffung eines harmonischen Lernklimas, in dem die Kinder gemäß ihrer individuellen Neigungen und Stärken gedeihen konnten. Nach der Machtübernahme der Nazis konnte Petersen sein Konzept zunächst nicht weiter verfolgen, die entsprechenden Schulen wurden geschlossen. Erst nach Kriegsende ging es deshalb mit den nach ihrem Entstehungsort Jena genannten Lehranstalten weiter.

 

Umsetzung in die Praxis

Im Jenaplan-Konzept verstehen sich die Lehrer als Bindeglied zwischen Schülern und Eltern. Gemeinschaftlich planen sie mit ihnen die Wissensvermittlung, alle Entscheidungsprozesse sind basisdemokratisch angelegt. Statt altersdifferenzierten Klassen gibt es jahrgangsübergreifende Lerngruppen, genannt „Stammgruppen“. Klassenräume heißen „Schulwohnstuben“, denn die Schüler gestalten die Räume selbst, damit sie sich wohlfühlen und dort gerne ihre Zeit verbringen. Die Schüler lernen in sogenannten „rhythmischen Wochenplänen“, gestaltet nach den „vier Formen der Bildung – Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier“. Ihr Wissen erarbeiten sie sich fast ausschließlich in Gruppen, anhand von oft interdisziplinär angelegten Projekten. Individuelle Förderung erhalten die Kinder in zusätzlichen Fachunterrichtseinheiten, für die jeweils passende Gruppen zusammengestellt werden. Feste Klassen sind im Petersen-Konzept nicht vorgesehen. Statt eines Zeugnisses mit Noten gibt es einen ausführlichen Arbeits- und Leistungsbericht.

 

Status

Abschlüsse können nur in einem externen Verfahren, das heißt an öffentlichen Schulen, abgelegt werden. Die Vorbereitungen hierzu finden außerhalb des normalen Schulbetriebs statt. Da es an Jenaplan-Schulen keine Zensuren gibt, müssen die Schüler beim Wechsel auf eine öffentliche weiterführende Schule unabhängig von der Jahrgangsstufe erfolgreich eine Aufnahmeprüfung ablegen.

 

Finanzierung

Als staatlich genehmigte Ersatzschulen erhalten Jenaplan-Schulen staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Weitere Informationen zum Status und zur Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft gibt eine entsprechende Broschüre des Verbands deutscher Privatschulverbände (VDP).

 

Weitere Informationen

Die Gesellschaft für Jenaplan-Pädagogik informiert über alle Fragen rund um Jenaplan-Schulen. Einen Einblick in den Alltag von Jenaplan-Schulen gibt der Artikel „Jenaplan-Erfüllung“, ZEIT-Online, 1998.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 2: Waldorfschulen

Die Anthroposophie, das Leitbild der Waldorfschulen, geht von der Dreigliedrigkeit des Menschen aus. Deshalb fördern Waldorfschulen die intellektuell-kognitiven („Denken“), die künstlerisch-kreativen („Fühlen“) und die handwerklich-praktischen („Wollen“) Fähigkeiten ihrer Schüler. Dazu bieten sie zahlreiche handwerklich-künstlerische Fächer an und der Unterricht enthält viele künstlerische Elemente. Rein optisch zeigt sich der anthroposophische Geist der Waldorfschulen in der Gestaltung der Schulgebäude. Hier herrschen Naturfarben und runde, geschwungene Formen vor und die architektonischen Elemente sind in besonderer Weise ausgerichtet.

 

Entstehung

Die erste Waldorfschule entstand vor nunmehr fast einem Jahrhundert. Sie wurde 1919 in Stuttgart von dem Reformpädagogen Rudolf Steiner begründet. Leitbild ist die anthroposophische Geisteswissenschaft Steiners, die anthropologische und spirituelle Inhalte beinhaltet. Steiners Motivation für die Neugründung einer Schule war, das vorherrschende „Prinzip der Auslese“ durch eine „Pädagogik der Förderung“ zu ersetzen.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Neben der fachlichen und pädagogischen Qualifikation wird von Lehrkräften eine Identifizierung mit den Grundprinzipien von Waldorfschulen erwartet. Ein „klassisches“ Lehramts-Studium ist nicht zwingend notwendig, wohl aber eine fundierte Ausbildung in einem für Waldorfschulen relevanten Beruf. Dies kann z.B. auch eine künstlerische oder handwerkliche Ausbildung sein. Unabdingbar ist zudem eine spezielle waldorfpädagogische (Zusatz)-Ausbildung, die Interessierte in Deutschland an einem der elf Waldorfpädagogik-Seminare absolvieren können. Mehr zur Waldorf-Ausbildung können Interessierte in einer Broschüre des Bundes der Freien Waldorfschulen erfahren.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Im Rahmen der Waldorfpädagogik können Lehrkräfte ihren Unterricht sehr individuell gestalten und vor allem auch eigene Begabungen und Interessen einbringen. Die besondere Herausforderung: Lehrkräfte sind nicht an den staatlich vorgegebenen Lehrplan gebunden. Es liegt in ihrem Ermessen und innerhalb der Entscheidungsfreiheit jeder einzelnen Schule, wie stark sie anthroposophische Lehren in ihren Unterricht mit einbeziehen. Neben dem eigentlichen Lehrstoff sollen die Pädagogen den Kindern grundsätzlich alles beibringen, was für die Persönlichkeitsbildung wichtig ist. Klassenlehrer/-innen haben an Waldorfschulen eine besonders enge Bindung an ihre Klassen, da sie diese über viele Jahre begleiten.

 

Umsetzung in die Praxis

Waldorfschulen arbeiten nach dem Prinzip der rhythmischen Gliederung oder Ritualisierung von Unterrichts-, Tages-, Wochen- und Jahresverlauf. Dies ist ein wesentlicher Inhalt der anthroposophischen Lehre. Zudem sind sie geprägt durch den starken Klassenverband. Das soziale Miteinander hat einen großen Stellenwert, weshalb die Schülerinnen und Schüler vom ersten bis zum letzten Schuljahr in einer Klasse zusammenbleiben. Die Kinder sollen intellektuell, künstlerisch und handwerklich in gleichem Maß ausgebildet werden, deshalb finden sich praktische und kreative Elemente in nahezu allen Unterrichtsfächern. Sitzenbleiben ist nicht möglich, denn alle Schüler sollen im Unterricht mitkommen und auf die Schwächeren wird große Rücksicht genommen bzw. sie werden bei Bedarf besonders intensiv gefördert. Noten werden lediglich in der Phase vor der Erlangung der Abschlüsse vergeben.

 

Status

In Deutschland sind Waldorfschulen staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft. Abschlüsse an Waldorfschulen sind in der Regel staatlich anerkannt. Jedoch müssen die Kinder die Schule jeweils rund ein Jahr länger besuchen: So erreichen sie den Hauptschulabschluss erst nach zehn Jahren, die mittlere Reife (abhängig von Schule und Bundesland) nach elf oder zwölf Jahren und das Abitur nach 13 Jahren.

 

Finanzierung

Waldorfschulen erheben Schulgebühren, die sich unter anderem aus dem Einkommen der Eltern errechnen. Allerdings gilt das Grundprinzip, kein Kind aufgrund der finanziellen Lage seiner Eltern vom Besuch einer Waldorfschule auszuschließen. Wie andere freie Schulen auch, erhalten Waldorfschulen staatliche Zuschüsse, die jedoch je nach Bundesland und politischen Mehrheitsverhältnissen variieren.

 

Weitere Informationen

Der Bund der Freien Waldorfschulen informiert über das pädagogische Prinzip, die Organisation und den Status von Waldorfschulen. Weiterhin schildert er ausführlich, wie die Ausbildung zum Waldorf-Lehrer verläuft. Für konkrete Informationen zu einzelnen Waldorfschulen empfiehlt sich der Blick auf deren Homepage.

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