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Drei Strategien zum Bewerben nach Burnout

Rund 30 % aller Pädagogen leiden unter Burnout und Erschöpfungszuständen (Stand 2014), so das Fazit einer Studie des Aktionsrat Bildung. Dank Aufklärung und einer wachsenden Zahl von Beratungs- bzw. Therapieangeboten gelingt es jedoch einem großen Teil der Betroffenen, nach einer angemessenen Zeit der Rekonvaleszenz inklusive entsprechender Therapiemaßnahmen wieder in den Beruf einzusteigen. Doch wie können Bewerberinnen und Bewerber eine Genesungs-Auszeit in einer Bewerbung “verpacken“?

Burnout überwunden – und nun?

Grundsätzlich gilt natürlich: Eine Bewerbung darf keine Falschaussagen enthalten. Bewerbungswillige mit bewältigtem Burnout sollten sich vor jeder Bewerbungsaktivität zwei Fragen ehrlich beantworten:
1. Bin ich schon wieder bereit für die Belastungen eines Anstellungsverhältnisses?
2. Fühle ich mich dem Bewerbungsprozess gewachsen?
Denn weist der Lebenslauf aufgrund der Erkrankung Lücken oder Ungereimtheiten auf, werden sich Personaler nach den Hintergründen erkundigen. Dieser Belastung müssen die Kandidaten standhalten können. Vor der Bewerbung sollten sich Bewerberinnen und Bewerber daher für eine Strategie zum Umgang mit der Erkrankung entscheiden.

 

Variante 1: Bedeckt halten

Hat die Erkrankung nur eine relativ kurze berufliche Auszeit erfordert oder möchte der Bewerber/die Bewerberin unter keinen Umständen Näheres preisgeben, empfiehlt sich eine neutrale Formulierung, wie etwa: „Berufliche Auszeit aus privaten Gründen“. Nachteil jedoch: Es ist davon auszugehen, dass Personaler genauer nachhaken und Hintergründe zur Auszeit erfragen werden.

 

Variante 2: Erwähnung einer Krankheit

Einen offeneren Umgang mit dem Thema transportiert die Formulierung: „Berufliche Auszeit aufgrund von Krankheit und Genesung.“ Denn die Erwähnung der Genesungszeit impliziert, dass der Bewerber bzw. die Bewerberin sich Zeit zur Rekonvaleszenz genommen und sich mit der Erkrankung auseinandergesetzt hat. Der aktive Wiedereintritt in den Beruf wird so als eine bewusste, tragfähige Entscheidung untermauert. Möglich ist allerdings auch hier eine Rückfrage nach den Umständen und der Art der Krankheit seitens des Arbeitgebers.

 

Variante 3: Der offensive Umgang

Je nach Persönlichkeit und momentaner psychischer Verfassung können Bewerberinnen und Bewerber auch mit gänzlich offenen Karten spielen und die (bewältigte) Burnout-Erkrankung explizit erwähnen. Eine solche Vorgehensweise signalisiert Stärke und Mut, macht jedoch auch angreifbar.
Generell gilt: Die Faktoren, die zu einer Burnout-Erkrankung führen, sind vielfältig und von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Genauso kann auch die Bewältigung der Krankheit je nach Individuum variieren.

 

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Lehrergesundheit: Den Blick auf die Gesunderhaltung richten!

Mit PISA-Schock, G 8, Ganztagsdebatte und Inklusion sind nur einige der gesamtgesellschaftlich bekannten Faktoren genannt, die den Lehrerberuf derzeit vor immense neue Herausforderungen stellen. Gleichzeitig ist die Zahl der Frühpensionierungen sowie der Burnout-Fälle unter Lehrkräften in den letzten Jahren in ungeahnte Höhen geklettert. Doch es liegt auf der Hand, dass gerade jetzt leistungsfähige und nicht etwa überforderte Lehrer nötig sind, um die Umwälzungen in Sachen Schule mitzutragen. Bildungsforscher treibt daher immer mehr die Frage um, inwiefern diese beiden Entwicklungen zusammenhängen. Abzulesen ist dies auch an der steigenden Zahl der Studien, die sich mit Wohl und Wehe des Lehrerberufs auseinandersetzen. Sie alle ranken sich um die zentrale Frage: „Welche Faktoren sind es, die Lehrer besonders belasten?“

 

Eine Studie erweitert den Blickwinkel

Ob ihrer Vielschichtigkeit von herausragender Bedeutung ist insbesondere die Studie „Was hält Lehrer und Lehrerinnen gesund – die Bedeutung von Ressourcen, subjektiver Bewertung und Verarbeitung von Belastung für die Gesundheit von Lehrern und Lehrerinnen“ (Elke Döring-Seipel / Heinrich Dauber, 2010). Denn als eine der ersten wissenschaftlichen Analysen überhaupt nähert sie sich dem Thema Lehrerbelastung auf drei Ebenen und fragt:

  1. Welche Faktoren tragen am meisten zur Belastung von Lehrern bei?
  2. Gibt es subjektive Unterschiede beim Empfinden von Belastungen und welche sind die hierfür verantwortlichen Parameter?
  3. Welche Faktoren tragen zur Gesunderhaltung bei?

Für neue Erkenntnisse und Aufsehen in der Fachwelt sorgte die Analyse besonders aufgrund der dritten Betrachtungsebene. Denn anders als viele der vorhergegangenen Studien fokussiert sie nicht auf die defizitorientierte Frage „Was macht krank?“, sondern richtet den Blick auf die Erforschung derjenigen Faktoren, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit erhalten – und zwar auch unter schwierigen Arbeitsbedingungen.

Als wissenschaftlicher Unterbau diente den Autoren hierfür der salutogenetische Ansatz nach Aaron Antonovsky. Im Gegensatz zur Pathogenese, der Entstehung von Krankheiten, erforscht die Salutogenese die Entstehung bzw. Erhaltung von Gesundheit. Unabdingbar für Gesundheit ist nach Antonovsky dabei das sogenannte Kohärenzgefühl, das eine „stimmige Verbundenheit“ sowohl im Inneren, als auch im sozialen Gefüge beinhaltet. Übertragen auf den Lehrerberuf bedeutet dies, dass eine Lehrkraft in ihrem Wirken nur dann auf Dauer gesund und leistungsfähig bleiben kann, wenn eine Reihe von salutogenen Faktoren erfüllt werden. Hierzu gehört beispielsweise Anerkennung durch Kollegen und Vorgesetzte, ausreichende Kommunikation, das Erkennen von Sinn im täglichen Tun sowie ein Mindestmaß an Entscheidungsfreiheit. Eine im salutogenen Sinne gesunde Person sollte in der Lage sein, eventuelle Defizite zu erkennen – und zu beheben.

 

Was können Lehrkräfte daraus folgern?

Doch wie können Lehrerinnen und Lehrer Defizite selbst beheben? Schließlich lässt sich das Erkennen von Sinn im eigenen Handeln oder das Angenommensein im Kollegenkreis nicht per Knopfdruck herstellen.

Die Studie kommt hier zu einem entscheidenden, wenn auch nicht gänzlich überraschenden Fazit: Unter Berücksichtigung aller vorhandenen belastenden Faktoren attestiert sie dem Lehrerberuf zwar ein „gewisses gesundheitliches Gefährdungspotenzial“, weist jedoch Annahmen zurück, Lehrkräfte seien diesem schutzlos ausgeliefert. Denn die Schädigung durch belastende Faktoren nimmt, so die Studie, in dem Maße ab, in dem eine Lehrkraft über individuelle Ressourcen und Kompetenzen verfügt, mit eben jenen Belastungen umzugehen. Überspitzt ausgedrückt: Nicht jede Person ist tatsächlich für den Lehrerberuf geeignet.

Die Konsequenz hieraus gibt gleichzeitig eine Marschrichtung vor, in die sich künftige Bemühungen entwickeln sollten: Es mangelt vor allem an sachgemäßer Aufklärung und Information. Lehramts-Studierende wissen oft zu wenig über den Beruf, den sie ansteuern. Mitunter haben sie auch eine enorme Menge an Idealen verinnerlicht, die sie in ihrem späteren beruflichen Tun verwirklichen wollen. Der Praxisschock beim ersten „Schuleinsatz“ ist so vorprogrammiert. Daher sollten künftige Bemühungen verstärkt über den schulischen Alltag aufklären und auch nicht ausblenden, dass ein hohes Maß an salutogener Handlungsweisen nötig ist, um langfristig in dem Beruf glücklich zu werden.

 

Tipp zum Weiterlesen: Studie „Auf unsere Lehrerinnen und Lehrer kommt es an“, 2012 herausgegeben vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Essen.

Wege aus dem Tunnelblick: Coaching für Lehrkräfte

Ob Coaching, Training oder Supervision: Die Anforderungen in der Berufswelt werden immer komplexer – und so wächst auch die Bandbreite professioneller Beratungsformen. Richteten sich Beratungs-Dienstleistungen noch vor gut einem Jahrzehnt nahezu ausschließlich an sogenannte High Potentials, also Personen in führenden Management-Positionen, hat sich mittlerweile einiges getan in der Berater-Szene. Coaches und Trainer gibt es für fast alle Berufsformen und ebenso für private Belange. Doch während Berater in der freien Wirtschaft nach wie vor primär die Optimierung des unternehmerischen Gewinns im Blick haben, kümmern sich Coaches und Trainer um die psychosozialen Bedürfnisse und Nöte von Berufstätigen.

Auch in Schulen bzw. für in Schulen Tätige übernehmen immer mehr hochqualifizierte Personen beratende Funktionen. Hauptzielgruppen dort sind einerseits schulische Führungskräfte, andererseits Referendare vor wichtigen Unterrichtsbesuchen, in der Vorbereitungsphase für das zweite Staatsexamen oder „fertige“ Lehrkräfte am Anfang ihrer schulischen Tätigkeit. Immer mehr suchen jedoch auch „gestandene“ Lehrkräfte professionellen Rat, beispielsweise wenn sie sich in Mobbing- oder sonstigen Krisensituationen befinden und für die Lösung ihres Problems keinen Ausweg sehen.

Bevor jedoch externer Rat hinzugezogen werden kann, stellen sich die Fragen „Wie?“, „Woher?“ und „Welche Art von Beratung?“ Eine gesunde Portion Vorsicht ist hier normal – und auch angebracht. Denn am Markt tummeln sich neben vielen sehr kompetenten und exzellent ausgebildeten Beratern auch zahlreiche „Hau-Ruck-Coaches“, die ihre Profession in Wochenendkursen oder im Selbststudium erlernt haben. Um also einschätzen zu können, welche Form von externer Beratung angebracht und wo entsprechende Hilfe zu finden ist, ist einiges Vorwissen von Vorteil.

 

Die passende Beratung finden

Für Lehrkräfte und schulische Führungskräfte ist es ratsam, sich zunächst an eine schulpsychologische Beratungsstelle zu wenden. Diese gibt Hilfestellung bei der Inanspruchnahme von Beratungs-Dienstleistungen. Einen guten Überblick liefert eine Karte aller bundesweiten schulpsychologischen Beratungsstellen. Darüber hinaus sollten sich Ratsuchende damit auseinandersetzen, welche Art von Beratung oder Hilfe sie überhaupt suchen. Folgende Begrifflichkeiten werden unterschieden:

Supervision hat ihren Ursprung im sozialen Bereich, denn gerade Krankenschwestern, Altenpfleger oder Sozialarbeiter – kurzum Berufe mit hoher menschlicher Anteilnahme und Idealismus – neigen dazu, sich zu verausgaben. All dies trifft auch auf Lehrkräfte zu. Die Supervision, durchgeführt von Supervisoren mit umfangreicher sozialpädagogischer, psychologischer oder pädagogischer Ausbildung, sorgt in erster Linie für emotionale Entlastung und bietet eine Plattform für das Reflektieren beruflicher Probleme. Ihr Ziel: Stärkung von Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit und Burnout-Prävention.

Coaching ist eine lösungsorientierte Form der Beratung und als solche stets an einer konkreten beruflichen Situation ausgerichtet. Hier stehen weniger sozial-emotionale, als organisatorisch-strukturelle Aspekte im Vordergrund. Führungskräfte nehmen Coaching in Anspruch, um beispielsweise ihre Führungskompetenzen zu vertiefen und strukturelle Abläufe in der Organisation zu verbessern. Berufseinsteiger können vom Coaching profitieren, indem sie für sich Arbeitsweisen neu entwickeln, Routinen festklopfen und Anfangsbelastungen abpuffern. Charakteristisch für Coaching ist, dass Coaching-Klienten (auch Coachees genannt) einen für sie passenden Lösungsansatz selbst erarbeiten – unter Anleitung eines Coachs.

Beim Training geht es darum, bestimmte Verhaltensweisen und Fertigkeiten durch Übung und Wiederholung einzustudieren – eben zu trainieren. Der Trainer fungiert hier also eher als Anleiter, weniger als Wegweiser. Typische Trainings sind beispielsweise Rhetoriktraining, Sprech- und Stimmtraining, Moderationstraining, Gedächtnistraining oder Motivationstraining.

 

Wie finde ich einen guten Coach?

Vor der Kontaktaufnahme zu einem/einer Coach empfiehlt sich stets zunächst das Umhören im Kollegenkreis: Hat jemand bereits Coaching-Erfahrungen gemacht und kann einen Rat geben? Kommt dann ein/eine Coach in die nähere Auswahl, empfiehlt es sich, ein unverbindliches Vorgespräch zu vereinbaren. Denn für eine erfolgreiche Zusammenarbeit muss die Chemie zwischen Coach und Coachee stimmen.

 

Weiterhin gelten folgende Tipps zur Suche nach dem passenden Coach:

– Ausbildung prüfen: Wo hat der/die Coach seine Ausbildung absolviert?

– Gibt es Referenzen über erfolgreich abgeschlossene Coachings?

– Ist der/die Coach Mitglied in einem Berufsverband?

– Liegt eine Spezialisierung vor?

– Gibt es seitens des/der Coachs Auswahlkriterien?

– Ist er/sie in der Lage, seine Methoden schlüssig zu erklären?

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