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Inklusion in Deutschland: Warten auf die Analyse

Mit der 2008 in Kraft getretenen Behindertenrechtskonvention (BRK) der Vereinten Nationen verpflichteten sich 138 Länder, darunter auch die EU-Staaten, die Lebenssituation von behinderten Menschen zugunsten einer selbstverständlichen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dazu gehört unter anderem die Implementierung von inklusiver Bildung, gekennzeichnet vor allem durch die gemeinsame Beschulung von behinderten und nicht behinderten Kindern.

 

 

Fragenkatalog beschlossen

Doch die Praxis zeigt: Die Umsetzung gestaltet sich schwierig – und ist vor allem langwierig. Regelmäßige Überprüfungen durch Gremien der Vereinten Nationen, sogenannte Staatenprüfungen, überwachen daher die in der BRK geforderten Prozesse und fordern von den Regierungen der einzelnen Länder regelmäßige Zwischenbilanzen. Nachdem 2013 Österreich unter die Lupe genommen wurde, steht für September 2014 die Staatenprüfung Deutschlands an, für die aktuell der Fragenkatalog beschlossen wurde. In diesem nimmt die Begutachtung der im Bildungsbereich umgesetzten Maßnahmen eine zentrale Stellung ein. Allen voran wird die Bundesregierung aufgefordert werden, Zahlen zu nennen, die die tatsächliche Inklusionsrate zwischen 2008 und 2014 offenlegen.

 

 

„Im Bildungsbereich ein Entwicklungsland“

Nach Überzeugung der Juristin Prof. Dr. Theresia Degener, Mitglied des VN-Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, liefern die österreichischen Ergebnisse bereits einen „Vorgeschmack“ auf die Resultate, mit denen bei der Überprüfung Deutschlands gerechnet wird. Denn zwischen Deutschland und Österreich gibt es in punkto Bildungssystem mehrere Parallelen. So verfügen beispielsweise beide Länder über selektive Schulsysteme samt stark ausgebauten Sonderschulnetzen. Diese Zweiteilung in allgemeinbildende Schulen und solche mit speziellen Förderungsangeboten festigt jedoch segregierende Tendenzen, statt sie aufzuheben. Denn, so klärt Theresia Degener in einem Interview mit dem Deutschlandfunk auf, während andere europäische Länder eine Inklusionsquote behinderter Schülerinnen und Schülern in Regelschulen von über 80 % haben, liegt dieser Wert in Deutschland bei mageren 16 – 20 %. Degener: „Im Bildungsbereich ist Deutschland ein Entwicklungsland“.

Erstes islamisches Gymnasium Europas

Das erste islamische Gymnasium Europas wurde 1999 von Kenan Ergün in Wien gegründet. Das war möglich, weil der Islam in Österreich seit über 30 Jahren wie das Christen- und Judentum einen öffentlichen Status besitzt. Die derzeit etwa 270 muslimischen Schüler werden von mehrheitlich christlichen Lehrern unterrichtet. Die Schüler haben zumeist türkische Wurzeln oder stammen selbst bzw. ihre Eltern aus dem arabischen Raum und aus anderen „islamischen Staaten“. Die Eltern sind vorrangig Arbeiter, zur Hälfte jedoch arbeitslos.

An dem islamischen Gymnasium in Wien gibt es einen im Grunde normalen Stundenplan wie an anderen Schulen Österreichs auch. Hinzu kommen zwei Stunden islamischer Religionsunterricht. Was das Gymnasium von anderen unterscheidet, sind die islamischen Traditionen, die hier gelebt und geachtet werden. So werden alle Gebets- und Speisevorschriften des Islams eingehalten; an religiösen Feiertagen ist schulfrei und auch die obligatorischen fünf Gebete pro Tag werden abgeleistet.

Dennoch will das Privatymnasium seine Schüler auf das Leben in einer christlich geprägten (Um-)Welt vorbereiten und einen Schutzraum für das Ausleben der eigenen Identität bieten.

Mehr dazu: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-05/islam-privatschule-wien

Lehrermangel in Österreich

Auch in Österreich mangelt es mehr und mehr an Lehrern. Man schätzt, dass 2025 etwa die Hälfte der jetzt 114.000 Lehrer und Lehrerinnen nicht mehr im Schuldienst tätig sein wird. Schon jetzt starten die österreichischen Bundesländer mit verschiedenen Maßnahmen: holen Lehrer aus der Pension zurück, setzen Studenten ein, weiten Teilzeitstellen zu Vollzeitstellen aus, verpflichten zu Überstunden. Was auch den Österreichern zu schaffen macht, ist Abwerbung, z.B. aus der Schweiz. Die Lehrergewerkschaften fordern daher höhere Einstiegsgehälter und eine neue Ausbildung.

http://lehrer.diepresse.com/home/lehrerbildung/633073/Lehrermangel_Schmied-setzt-auf-mehr-Studenten?_vl_backlink=/home/lehrerbildung/index.do

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