Archiv für die Kategorie „Privatschulen/Schulen in freier Trägerschaft“

Employer Branding – Teil 3: Recruiting und Social Media

Auch wenn Rekrutierungsprozesse von Bildungsinstitutionen einige strukturelle Besonderheiten aufweisen, ist ein Blick – und ein stetiger Abgleich – mit den HR-Gepflogenheiten von Unternehmen der freien Wirtschaft unabdingbar. So kommt die jährlich durchgeführte Studie „Best Recruiters“, durchgeführt vom österreichischen Career Verlag, in ihrer aktuellen Ausgabe (2017/18) zu einem klaren Fazit: „Soziale Netzwerke sind im Recruiting nicht mehr wegzudenken.“

Präsenz zeigen

Xing, Linked In, Kununu, Youtube und Facebook gehören für Unternehmen zu den elf wichtigsten Social-Web-Kanälen. Wie die Best-Recruiters-Studie zeigt, nutzen nur 3 Prozent der insgesamt 423 getesteten Arbeitgeber keine der elf untersuchten Social-Media-Plattformen für Recruiting-Zwecke. Jedoch gibt es teils gravierende Unterschiede bei der Art der Nutzung. Während beispielsweise ein Arbeitgeber-Profil auf Xing für neun von zehn Unternehmen zum Standard gehört, nutzen nur 41 Prozent diesen Kanal aktiv für die Kommunikation mit potenziellen Bewerbern. Doch gibt es eine Tendenz zu verzeichnen: Rund 25 Prozent der Unternehmen (2016: 20 Prozent) bieten Kandidaten die Möglichkeit, sich direkt mit ihrem Xing- oder Linked In-Profil zu bewerben. Und 54 Prozent der unter die Lupe genommenen Arbeitgeber haben bereits ein mobil optimiertes Bewerbungsformular.

An Social Media führt kein Weg vorbei

Eine langfristig immer weiter abnehmende Bedeutung kommt hingegen der klassischen Stellenausschreibung zu. Zum einen bergen Ausschreibungen das Problem der Einseitigkeit: So können potenzielle Bewerber einer vakanten Position nur per Reaktion auf ein Gesuch begegnen, sich jedoch nicht – wie beispielsweise bei einer Kontaktanbahnung via Social Media – ihrerseits präsentieren und proaktiv auf das Unternehmen zugehen (Ausnahme: Initiativbewerbung). Zum anderen kann eine noch so sorgsam formulierte Stellenanzeige nur einen Ausschnitt der gesuchten Qualifikationen und der gebotenen Entfaltungsmöglichkeiten abbilden. Bewerberinnen und Bewerber, die die geforderten Qualifikationen nur teilweise aufbringen, fühlen sich mitunter nicht von der Ausschreibung angesprochen, obwohl sie möglicherweise mit anderen, nicht genannten skills weitaus mehr punkten und das Unternehmen bereichern könnten. Präsentieren sich Kandidaten hingegen beispielsweise mit Social Media Profil oder gehen in dieser Form auf ein Unternehmen zu, erhält der Arbeitgeber ein wesentlich umfassenderes, authentischeres Bild der Bewerber-Persönlichkeit und kann in einen Dialog auf Augenhöhe treten.

Wie informieren sich die Kandidatinnen und Kandidaten?

Auf welchen Wegen und Kanälen informieren sich junge Absolventen und Berufseinsteiger über potenzielle Arbeitgeber? Eine Umfrage der Unternehmensberatung Kienbaum kam zu folgendem Ergebnis:

  • Erste und wichtigste Informationsquelle über einen potenziellen neuen Arbeitgeber ist die Unternehmens-Website
  • An zweiter und dritter Stelle listet die Studie Bewerbermessen und Jobbörsen.
  • Platz vier nehmen Freunde und Bekannte, die bereits im angepeilten Unternehmen tätig sind, ein
  • Als Fünftes nennt die Analyse die Recherche über Suchmaschinen
  • Die Plätze sechs und sieben belegen Berichte in Chats, Foren und Online-Communities sowie Business-Netzwerke wie Xing oder Linked In.
  • Platz acht hält die Informationen via „Tag der offenen Tür“.
  • An neunter Stelle rangieren Berichte in Zeitungen und Magazinen
  • Den zehnten Platz nehmen Arbeitgeber-Bewertungsportale wie z.B. Kununu ein.

 

Employer Branding – Teil 2: Strategien für Privatschulen

Die Zahl der Privatschulen steigt kontinuierlich. Dies kurbelt den Wettbewerb untereinander an und fordert eine klare Profilierung seitens der Schulen. Zum einen, da Schulen in Freier Trägerschaft nur dann am Markt bestehen können, wenn sich genügend Schülerinnen und Schüler anmelden. Zweitens aber auch, um für Lehrkräfte ein attraktiver Arbeitgeber zu sein – und zu bleiben. Denn gerade in den momentanen Zeiten des akuten Lehrermangels sind Lehrkräfte in der für sie günstigen Situation, sich diejenige Schule suchen zu können, deren Konditionen am meisten überzeugen.

Sieben Maßnahmen für Privatschulen zur gelungenen Darstellung als Arbeitgeber

  • Bewerbungsverfahren transparent gestalten: Welche Form soll die Bewerbung haben? Gibt es einen Hospitationstag? Wie schnell erfolgt eine Entscheidung nach dem Vorstellungsgespräch?
  • Arbeitgeberleistungen hervorheben: Welche pekuniären und nicht-pekuniären Zuwendungen (z.B. vermögenswirksame Leistungen, Jobticket, Zuschüsse zu gesundheitserhaltenden Maßnahmen, Betriebskindergarten o.Ä.) erhalten die Mitarbeiter?
  • „Karriere“-Seite einrichten: Bewerbungskandidaten müssen auf der Website schnell und mit wenigen Klicks zu gebündelten Informationen für das Bewerbungsverfahren gelangen können.
  • Erwartungen formulieren: Die Karriere-Seite muss Auskunft geben über die fachlichen sowie in besonderem Maße auch die persönlichkeitsbezogenen Erwartungen, die die Schule an potenzielle Lehrkräfte hat.
  • Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen: Welche persönlichen und fachlichen Weiterentwicklungen sind an der Schule möglich?
  • Kollegium und Arbeitsplatz sichtbar machen: Bewerber möchten einen visuellen Eindruck vom Arbeitsalltag erhalten. Dies ist möglich durch Fotos/Videos auf der Homepage, die einen Einblick in das Schulleben geben. Auch Statements von Lehrkräften auf der Website („Für mich ist das Arbeiten an Schule xyz so erfüllend, weil…“) sind eine Möglichkeit.
  • Positionieren und beschreiben: Schulprogramm und Werte der Schule müssen stimmig sein und sich möglichst auf allen Kanälen der öffentlichen Darstellung wiederfinden. Nicht nur Website, Social-Media-Kanäle und Schulflyer sind Mittel der Außendarstellung: Jede Schülerin/jeder Schüler, das Schulgebäude, jede Lehrkraft, jede Veranstaltung mit öffentlicher Berichterstattung fungiert als Botschafter der Schule.

Weiterführende Informationen

Im deutschen Sprachraum befassen sich bislang nur sehr wenige Experten mit Employer Branding im Bildungssektor. Einer der Vorreiter ist Gunther Wolf vom Wolf Kompetenz Center für Mitarbeiterbindung. Er bietet auch ein spezielles Employer-Branding-Seminar für Privatschulen an. Im englischsprachigen Raum hingegen ist Employer Branding für Bildungseinrichtungen weitaus gängiger. Weiterführende Informationen hält beispielsweise der Artikel „15 Employer Branding Best Practices You Need to Know“ bereit. Ebenfalls einen Bezug zu Employer Branding für Schulen bietet der Artikel „How to improve your employer brand“.

 

Employer Branding – Teil 1: Der Arbeitgeber als Marke

Unter Employer Branding versteht man die gezielte, durch Marketing-Maßnahmen gesteuerte Darstellung eines Unternehmens als attraktiven Arbeitgeber, kurz: die Erschaffung einer Arbeitgebermarke. Beabsichtigt wird eine passgenauere Personalrekrutierung, eine stabile Positionierung am Markt und letztlich eine langfristige Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen.

Für Schulen in Freier Trägerschaft spielt das Employer Branding eine zunehmend wichtige Rolle, denn anders als etwa staatliche Schulen sind diese letztlich eigenständige Wirtschaftsunternehmen, die sich am Markt etablieren und behaupten müssen. Dafür benötigen Privatschulen nicht nur kompetente Fachkräfte, sondern überdies Angestellte, die zu den Werten der Schule passen.

Erster Schritt: die Innenschau

Bevor ein Unternehmen sich auf den Weg begibt, sich mit den Werkzeugen des Marketing nach außen als Marke dazustellen, muss ein ausführlicher Blick nach innen erfolgen: Was sind die Stärken (und Schwächen) des Unternehmens? Was schätzen oder kritisieren die Mitarbeiter? Was ist ihnen wichtig? Wie sieht die Unternehmensgeschichte aus? Wie wurden eventuelle Krisen oder Flauten gemeistert? Wie verläuft der Rekrutierungsprozess und ist dieser stimmig mit den Unternehmenszielen?

Zweiter Schritt: die öffentliche Wahrnehmung

Ist das „Innenleben“ des Unternehmens erforscht, gilt es, dessen Erscheinen in der Öffentlichkeit zu analysieren – und zwar auf zwei Ebenen:
a) Wie stellt sich das Unternehmen selbst in der Öffentlichkeit dar?
b) Was sagen andere über das Unternehmen und welches Image ergibt sich daraus?
Herangezogen werden sollten dabei für eine Analyse sämtliche Kanäle der öffentlichen Darstellung, von der klassischen Pressearbeit über Website, Social-Media-Auftritt, Corporate Design, Kommunikation. Um ein Bild dessen zu erhalten, was andere über das eigene Unternehmen sagen und denken, ist beispielsweise das Verfolgen der Kommentare auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen hilfreich. Auch die Auswertung von Unterhaltungen beispielsweise in Facebook-Gruppen ist unerlässlich.

Dritter Schritt: die Zielgruppe

Wie müssen potenzielle Mitarbeiter gestrickt sein, um erstens ins Unternehmen zu passen und zweitens die Unternehmensziele zu verkörpern bzw. umzusetzen? Dazu gehört auch die Frage, ob potenzielle Mitarbeiter stets alle Kriterien erfüllen müssen, oder ob das Hauptaugenmerk auf die Zusammensetzung eines hoch leistungsfähigen Teams gelegt werden sollte.

Vierter Schritt: die Strategie

Jetzt ist Transferdenken gefragt: Was muss wie getan werden, um die anvisierten Ziele und Werte zu kommunizieren und so die gesuchten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erreichen? Und ganz wichtig: Wie kann auf diesem Wege die Mitarbeiterzufriedenheit gewährleistet werden, um bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur zu halten, sondern möglichst auch zu ihrer Entwicklung beizutragen?

Weiterführende Links

Ein internationaler Treffpunkt mit Veranstaltungen rund ums Employer Branding ist der World Employer Branding Day 2018 (25. – 27.4.2018, Prag):
Der Blog „Employer Branding Now“ sowie der gleichnamige You Tube Channel (jeweils geführt von der Consus Marketing GmbH, einem Beratungsunternehmen für strategische Unternehmenskommunikation) informiert über neue Trends und strategische Ansätze im Employer Branding.
Eine weitere Anlaufstelle ist der Bundesverband Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting e.V. (Queb)

 

Foto: Pixabay

Aufräumen mit Mythen über Privatschulen

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die in Deutschland Privatschulen besuchen, wächst seit einigen Jahren stetig. Der Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) geht von einer Zunahme der Schülerzahlen von 17 % in den letzten zehn Jahren aus. Zudem zeigt die Statistik: In den letzten 20 Jahren ist in Deutschland die Zahl der allgemeinbildenden privaten Schulen um rund 76 % gestiegen. Doch diese Entwicklung wird teils sehr kontrovers diskutiert. Gleichwohl ranken sich um das Thema „Privatschulen“ zahlreiche Mythen. Hier die sieben häufigsten Vorbehalte – und entsprechenden Fakten.

 

Mythos 1: Den Besuch von Privatschulen können sich nur Kinder aus einkommensstarken Familien leisten.

Privatschulen sind nicht automatisch Elite-Einrichtungen oder -Internate. Zwar finanzieren sich Schulen in Freier Trägerschaft zu einem erheblichen Teil auch über das Schulgeld, jedoch sind die monatlichen Elternbeiträge oft einkommensabhängig. Zudem gibt es Schüler-BaFöG, Stipendien oder auch Fördervereine, die einkommensschwächere Familien finanziell unterstützen können. In sehr vielen Privatschulen betragen die monatlichen Schulgebühren zwischen 120 und 200 Euro – für den Ganztagsbetrieb.

 

Mythos 2: Privatschulen spalten das Bildungssystem und führen zu einer Zwei-Klassen-Beschulung.

Wie der Bildungsbericht 2016 (S. 3) belegt, gibt es derzeit keine signifikanten Unterschiede zwischen den Bildungserfolgen an staatlichen und an Privatschulen. Dass Privatschulen hierzulande oft noch das Attribut „elitär“ oder „Schule für Kinder von Besserverdienenden“ anhaftet, ist ein Fakt. An der Zahl der Neugründungen von Privatschulen lässt sich jedoch ablesen, dass Schulen in Freier Trägerschaft einen immer selbstverständlicheren Platz in der deutschen Schullandschaft einnehmen. Ein Prestige-Gefälle zwischen freien und staatlichen Schulen wird daher in Zukunft immer mehr aufgeweicht werden.

 

Mythos 3: Die wachsende Beliebtheit von Privatschulen ist ein rein deutsches Phänomen.

Nein, Deutschland hinkt im europäischen Vergleich nahezu hinterher. In Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Spanien oder Dänemark besuchen deutlich mehr Schüler allgemeinbildende Schulen in freier Trägerschaft.

 

Mythos 4: Privatschulen können ohne Bindung an staatliche Vorgaben agieren.

Genau wie alle staatlichen Schulen unterliegen auch private Schulen staatlicher Aufsicht. So wird an ihnen nach den Rahmenlehrplänen der jeweiligen Bundesländer unterrichtet und die Abschlüsse, die insbesondere an den sogenannten Ersatzschulen erworben werden, sind dieselben, die Schülerinnen und Schüler an staatlichen Schulen ablegen. Unter Ersatzschulen versteht man diejenigen Privatschulen, die nach ihrem Gesamtzweck auf dieselben Schulabschlüsse hinführen wie die entsprechenden staatlichen.

 

Mythos 5: Schulen in freier Trägerschaft sind der letzte Ausweg für leistungsschwache Schüler.

Zwar gibt es an vielen Privatschulen bessere Lernbedingungen (kleinere Klassen, individuelle Förderung etc.), jedoch garantiert allein der Besuch einer Privatschule keine besseren Leistungen oder das unbedingte Erreichen des angestrebten Bildungsabschlusses. Auch diejenigen Privatschulen, die auf Notengebung verzichten und an denen ein „Sitzenbleiben“ nicht vorgesehen ist, verschenken keine Leistungen. Denn die zu erreichenden Schulabschlüsse unterliegen an Privatschulen den gleichen Kriterien wie an staatlichen Schulen (s.o.).

 

Mythos 6: Privatschulen bereiten Kinder und Jugendliche nicht genügend auf die harten Anforderungen im späteren Arbeitsleben vor.

Doch, denn gerade die individuelle Förderung, die ein Merkmal von Privatschulen ist, trägt dazu bei, dass Jugendliche schon in der Schule ihre Talente entdecken und fördern können und zum Zeitpunkt des Schulabschlusses oft viel eher wissen, wo ihre Stärken liegen. Zudem ist die Stärkung der Persönlichkeit ein großes Anliegen von Privatschulen – und gleichzeitig eine der besten Vorbereitungen, um späteren (beruflichen) Herausforderungen souverän begegnen zu können.

 

Mythos 7: Unterricht ohne Notengebung, wie kann das funktionieren?

Das Thema Notengebung handhaben Privatschulen unterschiedlich. Während Waldorfschulen und zahlreiche Montessori-Schulen in der Unter- und Mittelstufe statt Noten ausführliche individuelle Beurteilungen verfassen, kommen Privatschulen mit stark reformpädagogischem bzw. alternativem Ansatz tatsächlich ganz ohne Noten aus. Der Vorteil: Sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Eltern bekommen durch eine ausformulierte Einschätzung einen besseren Eindruck von der tatsächlichen Lernentwicklung. Nachteil: Leistungen lassen sich schlechter vergleichen.

 

Verbeamtete Lehrkräfte an Privatschulen: Rechtslage und Wissenswertes

Beamte behalten bei einer Tätigkeit an Privatschulen ihren Beamtenstatus bei, wenn sie der Privatschule zugewiesen wurden. Diese Regelung fußt auf § 20 des Beamtenstatusgesetzes (BeamtStG), einem Bundesgesetz, das die beamtenrechtliche Stellung der Beamten der Länder und Kommunen regelt.

 

Welche Rechtsquellen sind relevant?

Als Rechtsquellen relevant sind die jeweiligen Beamtenstatus-/Besoldungs- und Schulgesetze des betreffenden Bundeslandes:

  • Landesversorgungsgesetze bei Fragen zur Anerkennung bei der Pension
  • Landesbeamtengesetze bei Fragen zu Abordnungen und Beurlaubungen
  • Privatschulgesetze für privatschulspezifische Fragen

Für manche Privatschultypen (z.B. Katholische Schulen in freier Trägerschaft in NRW oder Baden-Württemberg) existieren spezifische Regelungen, zu erfragen bei den jeweiligen Trägern. Ebenso gibt es für Waldorfschulen zum Teil im Laufe der Jahre gewachsene Besonderheiten. Genaueres teilt der Bund der Freien Waldorfschulen mit.

 

Ist eine dauerhafte Zuweisung möglich?

Zwar ist eine dauerhafte Zuweisung nicht möglich, wohl aber die Verlängerung der Zuweisung.

 

Gibt es die Möglichkeit, unter Beibehaltung der Bezüge eine Planstelle an einer Privatschule zu besetzen?

Prinzipiell ist ein solches Vorgehen nicht vorgesehen. Jedoch existiert in den meisten Bundesländern ein Vertrag zwischen Kultusministerium und Privatschulen, in dem geregelt ist, dass das Geld weiter vom Land kommt, die Privatschulen aber die Besoldung, einen Teil des Ruhegehaltes und ggf. Sonderzahlungen an das Kultusministerium zahlen. Auf diese Weise behält der Beamte seine Bezüge, aber die Privatschule zahlt an den Staat.

 

Was geschieht mit bereits erworbenen Pensionsansprüchen?

Bleibt der Beamtenstatus über eine Beurlaubungslösung gewahrt, gilt dies auch für die Versorgungsansprüche. Falls für den Privatschuldienst ein Ausscheiden aus dem Beamtendienst erfolgt oder erforderlich wird, findet eine Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung statt. Hierbei werden dann Beträge zur gesetzlichen Rentenversicherung nachgezahlt und zwar in der Form, als sei der Versicherte schon seit jeher Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung gewesen. Weitere Auskünfte hierzu erteilt u. a. die Deutsche Rentenversicherung.

 

Was geschieht mit der Beihilfe zur Krankenkasse?

Beihilfe zu einer Krankenkasse kann nicht gewährt werden, denn Beihilfe ist immer an beamtenrechtliche Dienstbezüge gekoppelt, also: Beamtenstatus = Beihilfe. Im Angestelltenverhältnis gibt es ggf. einen Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung, abhängig von der Einkommenshöhe. Unter Umständen sind Krankenkostenübernahmen bzw. -zuschüsse auch für Angestellte möglich. Dies fällt dann jedoch unter privatrechtliche Vereinbarungen und hat nichts mit Beamtenrecht zu tun.

 

Wie kommt eine Lehrkraft bzw. ein Schulleiter wieder zurück in die öffentliche Schule?

Sie muss sich bei einer öffentlichen Schule wieder bewerben bzw. die Zuweisung auslaufen lassen.

 

Wer erteilt weiterführende Informationen?

Auskunft geben die landesspezifischen Schulämter oder Kultusministerien. Gewerkschaftsmitglieder können sich an die Landesverbände ihrer jeweiligen Fachgewerkschaft wenden.

 

Die hier erwähnten juristischen Hinweise sind allgemeiner Art, nach bestem Wissen und Gewissen verfasst, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Rechtsberatung dar. Konsultieren Sie für rechtssichere Informationen bitte einen Fachanwalt.

PRIVATSCHULEN: EINBLICKE – AUSBLICKE: „Alternativschulen bieten Lehrkräften einen großen Gestaltungsspielraum“

Wer sind die Akteure in und um Schulen in freier Trägerschaft? Welches sind ihre Aufgaben? Wo liegt ihre Motivation – wo ihre Ideale? Unsere Interview-Reihe “PRIVATSCHULEN: EINBLICKE – AUSBLICKE” fragt nach und stellt vor.

Diese Woche: Tilman Kern, Geschäftsführer des Bundesverbands der Freien Alternativschulen e.V. (BFAS)

Tilmann Kern


 

Herr Kern, eine der Aufgaben Ihres Verbandes ist es, Schulgründungsinitiativen zu unterstützen. Welche Ratschläge und konkreten Hilfestellungen geben Sie den Gründungsgruppen mit auf den Weg?

Wir haben unseren Erfahrungsschatz in einer Gründungsmappe gebündelt und bieten damit einen ersten Einstieg zur Orientierung, welche Aufgaben auf SchulgründerInnen zukommen. Wir empfehlen allen AlternativschulgründerInnen, sich unbedingt Zeit zu nehmen für die Hospitation an arbeitenden Alternativschulen. Wichtig ist aus unserer Sicht auch die Findung einer engagierten Gruppe von GründerInnen, denn jede Schulgründung bedarf unterschiedlicher Mitstreiter, die sich in Sachen Pädagogik, aber auch bei Belangen wie Finanzen, Gebäudesuche etc. einbringen.

 

Ende September findet in Stuttgart das Bundestreffen des BFAS statt. Welche Themen werden dort auf der Agenda stehen?

Zum Bundestreffen erwarten wir wieder um die 200 Menschen aus Alternativschulen oder mit Interesse am „Anderen Lernen“. Thematisch werden wir uns den Ursprüngen der Alternativschulen widmen: Welche waren das in den unterschiedlichen Zeiten? Wie gehen wir heute damit um? Darüber hinaus gibt es jede Menge weitere Angebote, wie Gründungsberatung, Workshops zu Evaluationsverfahren uvm.

 

Lehrkräfte an Schulen in freier Trägerschaft sind Angestellte und profitieren somit nicht von einigen Annehmlichkeiten verbeamteter Kolleginnen und Kollegen. Was spricht für eine Lehrtätigkeit an freien Schulen?

Alternativschulen bieten ihren PädagogInnen einen großen Gestaltungsspielraum. Notenfreies Arbeiten, die konsequente Teamarbeit und die Umsetzung pädagogischer Konzepte, in deren Mittelpunkt Selbstbestimmung, demokratisches Miteinander und gegenseitiger Respekt stehen, finden viele PädagogInnen attraktiv.

 

Was ist beruflich Ihre größte Motivation?

Menschen bei der Gründung und Gestaltung von Schulen, in denen die Selbstbestimmung, demokratisches Miteinander und gegenseitiger Respekt im Mittelpunkt stehen, unterstützen zu können.

 

Wie blicken Sie auf Ihre eigene Schulzeit? Gibt es prägende Erlebnisse, die in Ihre heutige Tätigkeit hineinwirken?

Die ersten fünf Schuljahre noch in der DDR, kam der Aufbruch nach 1989 gerade rechtzeitig. Prägend waren sicher die LehrerInnen, welche sich für ihre Sache engagierten. Die Auseinandersetzung mit einer Schülermitbestimmung, die sich nur im sehr geringen Maße im Schulalltag wiederfand, war ein Antrieb, sich für Kinderrechte einzusetzen. In Freien Alternativschulen ist dies ein zentraler Punkt und wichtige Motivation für meine Tätigkeit beim BFAS.

 

Auf welche berufliche Frage hätten Sie gerne eine Antwort?

Wie 16 landesrechtliche Regelungen für Schulen in Freier Trägerschaft in eine Übersicht von wenigen Seiten zu pressen sind. 🙂

 

Was macht für Sie eine gute Lehrerin/einen guten Lehrer aus?

Professionelle Beziehungskompetenz, fachliche Begeisterung, hohe Reflexionskompetenz, eine gute Brise Humor und keine Scheu vor produktiven Auseinandersetzungen sind sicher keine schlechten Voraussetzungen.

 

PRIVATSCHULEN: EINBLICKE – AUSBLICKE: „Privatschulen bieten Verlässlichkeit in allen Fragen der Schulwahl“

Wer sind die Akteure in und um Schulen in freier Trägerschaft? Welches sind ihre Aufgaben? Wo liegt ihre Motivation – wo ihre Ideale? Unsere Interview-Reihe „PRIVATSCHULEN: EINBLICKE – AUSBLICKE“ fragt nach und stellt vor.

Diese Woche: Kirsten Käss, Juristin und Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Privatschulen (VDP) Hessen e.V.

 


 

Frau Käss, vor wenigen Tagen erreichten die Anmeldezahlen an hessischen Privatschulen einen Höchststand. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Schulen in freier Trägerschaft in Hessen bieten den Eltern einen entscheidenden Faktor: Verlässlichkeit in allen Fragen der Schulwahl; daneben besetzen Schulen in freier Trägerschaft oft Nischen. Eine so vielfältige Wahlmöglichkeit im Schulbereich stärkt das Elternwahlrecht.

 

Die großen Bildungsthemen unserer Zeit (Inklusion, PISA, Ganztag, digitale Medien) einmal außen vor gelassen: Was sind für Sie die Themen der Zukunft?

  • Demografischer Wandel
  • Bildungsfinanzierung (Bund/Länder/Gemeinden)
  • Einführung von Bildungsgutscheinen (wie in den Niederlanden z.B.):Stichwort: Chancengerechtigkeit
  • Gestaltung von Übergängen
  • Stärkung der beruflichen Bildung
  • Beschulung von Flüchtlingen etc.

 

Lehrkräfte an Privatschulen sind Angestellte und profitieren somit nicht von einigen Annehmlichkeiten verbeamteter Kolleginnen und Kollegen. Was spricht für eine Lehrtätigkeit an Privatschulen?

  • Gestaltungsfreiheit und Profilvielfalt durch Unterrichtsschwerpunkte, AGs und außerschulische Partner.
  • Arbeit im Team: Das Lehrerkollegium arbeitet in guter Atmosphäre und teamorientiert zusammen.
  • Lehrerfortbildung mit echten Mehrwerten wird an Privatschulen groß geschrieben.
  • Beste Lehr-/Lernbedingungen: Kleine Klassen und zeitgemäße Ausstattung.
  • Jede Privatschule hat ihr individuelles Profil, das ständig fortentwickelt wird.
  • Eigeninitiative und Kreativität werden gefördert und gefordert: LehrerInnen sind für den Erfolg des Unternehmens Schule mitverantwortlich.

 

Was ist beruflich Ihre größte Motivation?

Zu wissen, dass ich in meinem Beruf viele Dinge mitgestalten darf. Das spornt an und hilft mir dabei „beweglich“ zu bleiben. Außerdem treffe ich viele tolle Menschen.

 

Wie blicken Sie auf Ihre eigene Schulzeit? Gibt es prägende Erlebnisse, die in Ihre heutige Tätigkeit hineinwirken?

Ich bin im Großen und Ganzen immer sehr gern zur Schule gegangen. Da gäbe es bestimmt viele. In erster Linie aber war mir schon als Kind bewusst dass wenn ich eine Lehrkraft vor mit hatte, die nur „ihr Programm“ abspult, sich meine Aufmerksamkeit / Begeisterung für den Stoff entsprechend in Grenzen hielt. Heute wird von den Lehrkräften viel mehr verlangt. Gerade auch an Schulen in freier Trägerschaft.

 

Auf welche berufliche Frage hätten Sie gerne eine Antwort?

Wo stehen Schulen in freier Trägerschaft in 5 Jahren?

 

Was macht für Sie eine gute Lehrerin/einen guten Lehrer aus?

Jemand der es versteht den Spagat zwischen Wissensvermittlung und Freude am Lernen so zu gestalten, dass die Neugier erhalten bleibt. Eine hohe Kunst.

 

Statusfeststellungsverfahren für Honorarkräfte an Privatschulen

Generell ermittelt ein sogenanntes Statusfeststellungsverfahren, ob eine erwerbstätige Person, deren Art der Erwerbstätigkeit nicht genau klassifiziert werden kann, selbstständig tätig oder abhängig beschäftigt ist. Des Weiteren wird daraus gefolgert, ob aufgrund der Beschäftigungsart Sozialversicherungspflicht besteht und ob dadurch Beitrags(nach)forderungen der Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung existieren. Durchgeführt wird die Statusfeststellung von der Deutschen Rentenversicherung mithilfe eines Statusfeststellungsantrags.

 

Warum eine Statusprüfung?

Wenn man sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist und einen Antrag auf Leistung an die Sozialversicherungsträger stellt (z.B. Arbeitslosengeld, Erwerbsminderungsrente), kommt es nicht selten vor, dass diese ihre Leistungen verweigern, da sie der Meinung sind, dass kein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis vorliegt bzw. vorlag.

 

Statusabgrenzung bei Lehrkräften

Für Lehrkräfte gibt es mehrere mögliche Arten der Beschäftigung. Neben einem regulären Anstellungsverhältnis existieren befristete Verträge als auch Beschäftigungen auf Honorarbasis.

 

Kriterien zur Abgrenzung der Beschäftigungsarten

Merkmale, die für die Annahme einer Angestelltentätigkeit sprechen (Auswahl):

  • Kontrolle bzw. Einflussnahme durch den Schulträger auf Unterrichtsinhalte und -gestaltung
  • Durchführung von Klassenarbeiten und anderen Leistungsüberprüfungen
  • Recht des Schulträgers, die Lehrkraft zu außerunterrichtlichen Arbeiten (z.B. Teilnahme an Konferenzen, Abhalten von Sprechstunden, Pausenaufsicht) zu verpflichten
  • Verbindliche und für einen längeren Zeitraum festgelegte Stundenpläne
  • Urlaubszeiten bzw. freie Tage sind an die Schulferien gebunden
  • Verpflichtung der Lehrkraft, eigene Verhinderungen der Schulleitung zu melden
  • Verpflichtung der Lehrkraft, ausgefallene Lehrkräfte zu vertreten
  • Arbeitsplatz im Lehrerzimmer unterscheidet sich nicht von dem der anderen angestellten Lehrkräfte

Merkmale, die gegen die Annahme einer Angestelltentätigkeit sprechen (Auswahl):

  • Der Unterricht zielt nicht auf die Erlangung eines bestimmten Abschlusses bzw. einer konkreten Bildungsreife ab.
  • Bei der Unterrichtserteilung müssen weder Gesetze, noch Verordnungen oder sonstige staatliche Vorschriften beachtet werden.
  • Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen regeln nicht im Einzelnen die Unterrichtsinhalte.
  • Die Lehrkraft unterliegt keiner Weisung hinsichtlich Methodik oder Didaktik.
  • Es besteht keine Pflicht zu Leistungskontrollen, wie etwa Klassenarbeiten oder Tests.
  • Die Lehrkraft übernimmt keine Erziehungsaufgaben.
  • Die Lehrkraft kann nicht zum Abhalten von Vertretungsstunden herangezogen werden.
  • Die Teilnahme der Lehrkraft an Konferenzen erfolgt gegen Zahlung eines zusätzlichen Honorars.

 

Konsequenzen bei Beschäftigung unter „falschem“ Status

Wird eine Lehrkraft an einer Lehranstalt als Honorarkraft geführt, obwohl per o.a. Definitionen ein Anstellungsverhältnis vorliegt, hat die Schule bzw. die Lehranstalt die entsprechenden Konsequenzen zu tragen:

Im Falle eines (auch stillschweigend gegründeten) Arbeitsverhältnisses

  • greift das Arbeitsrecht mit all seinen Schutzgesetzen (Kündigungsschutz, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall)
  • sind vom Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen

Die hier erwähnten juristischen Hinweise sind allgemeiner Art, nach bestem Wissen und Gewissen verfasst, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Rechtsberatung dar. Konsultieren Sie für rechtssichere Informationen bitte einen Fachanwalt.

 

Bewerben an Privatschulen (Teil 4): Hintergrundwissen zur Personalentwicklung an Privatschulen

Im Gegensatz zu staatlichen Schulen sind Schulen in freier Trägerschaft Arbeitgeber mit der Verpflichtung, sich selbst um die Personalentwicklung zu kümmern. Gleichwohl sind Privatschulen nur teilweise vergleichbar mit „normalen“ Wirtschaftsunternehmen, denn auch wenn sie dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb unterstehen und Budgetverantwortung haben, stehen sie doch in einem besonderen Bezug zu den staatlichen bzw. landesspezifischen Vorgaben der Bildungsministerien. Damit bewegen sich Privatschulen in einem besonderen Spannungsfeld zwischen Autonomie und Gebundenheit.

 

Personalentwicklung ist Qualitätsentwicklung

Personellen Entwicklungsprozessen kommt gerade an Privatschulen eine besondere Bedeutung zu, denn noch mehr als in staatlichen Einrichtungen sind dort Lehrpersonen dazu aufgerufen, sich mitsamt ihrer gesamten Persönlichkeit in das Schulleben einzubringen. Dazu können besondere (außerschulische) Fertigkeiten ebenso gehören wie spezifische pädagogische Ansätze oder aber ethische und/oder religiöse Grundeinstellungen. Und mehr noch: Wie aktuelle Erkenntnisse der Bildungsforschung, beispielsweise die Hattie-Studie, zeigen, sind in erster Linie die Lehrkräfte für Lernerfolge der Schüler – und damit für ein entscheidendes Qualitätsmerkmal der Schule – verantwortlich. Um jedoch als Lehrkraft optimale Arbeit leisten zu können, ist eine intakte, gut organisierte Arbeitsumgebung zwingend notwendig. Folglich gibt es an Schulen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Personal- und Qualitätsentwicklung.

 

Instrumente der Personalentwicklung

Wer sich in einem Bewerbungsverfahren für eine Stelle an einer Privatschule befindet (oder dies plant), sollte sich als Vorbereitung auf die Bewerbung einen Überblick über die Personalentwicklung an der jeweiligen Schule verschaffen. Auch im Vorstellungsgespräch zeugt es von Interesse und Kompetenz, in punkto Personalplanung konkrete Fragen zu stellen.

 

  • Eng zusammen mit der personellen Entwicklung einer Schule hängt die Schulentwicklungsplanung, der „Fahrplan“ für die nächsten Jahre: Welche Schülerzahlen sind zu erwarten? Will sich die Schule vergrößern? Ist eine Verlagerung/Vertiefung von Schwerpunkten vorgesehen? Und vor allem: Welche bildungspolitischen Entwicklungen erfordern personelle Konsequenzen (z.B. Ganztag, Inklusion)?

 

  • Eine weitere entscheidende Rolle spielt in der schulischen Personalentwicklung das Schulprogramm. Stehen strukturelle Veränderungen an, muss die Schule hierfür in punkto Personal rechtzeitig die Weichen stellen.

 

  • Auch die Fortbildungsplanung ist eng verknüpft mit personellen Fragen, sowohl inhaltlich („Welche Fortbildungsmaßnahmen sind nötig?“) als auch zeitlich („Wann muss welche Fortbildung abgeschlossen sein, um mit dem neu erworbenen Wissen arbeiten zu können?“).

 

Die Frage der Befristung

Eine Vielzahl der Anstellungen in Privatschulen beginnen zunächst als befristete Arbeitsverhältnisse – mit der Option, die Befristung in eine Entfristung umzuwandeln. Im Bewerbungsgespräch sollten Bewerberinnen und Bewerber das Thema Befristung offen ansprechen und sich nach den Aussichten für eine Entfristung erkundigen. Nicht zu vergessen: Ein Grund für befristete Arbeitsverhältnisse ist auf Arbeitgeberseite oft der Wunsch, dadurch eine „verlängerte Probezeit“ zu erlangen. Von einer solchen ausgedehnten Erprobungsphase profitieren nicht zuletzt auch beide Seiten.

Digitale Agenda der Bundesregierung: Was bedeutet das für Schulen?

Was bedeutet die Digitalisierung für die Zukunft von Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft? Wie werden sich Arbeitsplätze verändern? Welche Kompetenzen benötigen Menschen hierzulande, um den Anforderungen jetzt und künftig gewachsen zu sein?

Vor dem Hintergrund dieser Fragen verpflichtete sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode, sich durch die Erarbeitung einer Digitalen Agenda umfassend mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Das Ziel ist hoch gesteckt: Deutschland soll zum digitalen Wachstumsland Nr. 1 in Europa werden. Die knapp 40 Seiten starke „Digitale Agenda 2014 – 2017“  wurde am 20. August 2014 in Berlin vorgestellt. Ein korrespondierendes Online-Portal visualisiert die Kernpunkte des Strategiepapiers.

Unterteilt ist die Initiative in insgesamt sieben Handlungsfelder:

–          Digitale Infrastrukturen

–          Digitale Wirtschaft und digitales Arbeiten

–          Innovativer Staat

–          Digitale Lebenswelten in der Gesellschaft gestalten

–          Bildung, Forschung, Wissenschaft, Kultur und Medien

–          Sicherheit, Schutz und Vertrauen für Gesellschaft und Wirtschaft

–          Europäische und internationale Dimension der digitalen Agenda

 

Stellenwert von Bildungsthemen in der Digitalen Agenda

Neben Strategien zur digitalen Wirtschaft, digitalem Arbeiten und zu Sicherheitsaspekten der „digitalen Revolution“ enthält das Papier auch Ansätze und Ausblicke zu digitalen Nutzungsmöglichkeiten im Bildungsbereich. Zentrales Anliegen der Agenda ist es, das Bildungssystem in einer Weise zu gestalten, dass es Menschen bestmöglich auf Anforderungen und Möglichkeiten einer digitalen Gesellschaft vorbereitet. Dies schließt neben Forschung und beruflicher Bildung auch und vor allem die schulische Bildung mit ein. Konkrete Maßnahmen soll eine Strategie „Digitales Lernen“ liefern, die sich aus Bund, Ländern und relevanter Akteure aus dem Bildungsbereich zusammensetzt. Zentraler Bestandteil wird hierbei die planmäßige Stärkung der Medienkompetenz z.B. in Schulen sein.

 

Was bedeutet das für Schulen?

Digitale Kompetenzen sind zu einer elementaren Anforderung für das Bestehen in unserer Wissensgesellschaft geworden. Vor diesem Hintergrund ist es für Schulen von entscheidender Bedeutung, diese Kompetenzen zu lehren. Dazu gehören

–          Heranführung und Nutzung digitaler Medien im Unterricht

–          Vermitteln von Zugängen zu bildungsrelevanten Online-Inhalten

–          Heranführen an IT-Themen und Hinführen talentierter junger Menschen zu diesbezüglichen Berufsfeldern bzw. Studienfächern

Des Weiteren will sich die Bundesregierung für Kostenfreiheit von digitalen Online-Lernmitteln einsetzen und somit den freien Zugang zu bildungsrelevanten Inhalten (Stichwort: OpenEducational Resources) im Internet gewährleisten.

 

Reaktionen auf die Digitale Agenda

Einer der größten Kritikpunkte an der Digitalen Agenda ist der Mangel an konkreten Vorschlägen. Insbesondere im Handlungsfeld Bildung lässt das Papier verbindliche Zusagen für die Umsetzung vermissen.  Eine informative Übersicht über Standpunkte und Forderungen seitens der Privatschulen gibt das aktuelle Positionspapier des Verbands Deutscher Privatschulen (VDP) .

 

Die zentralen Forderungen des VDP:

Qualifizierungsoffensive für Lehrkräfte: Die Vermittlung medienpädagogischer Inhalte muss stärker in den Ausbildungscurricula für Lehrkräfte verankert werden.

Förderung der Infrastrukturentwicklung: Staatliche und freie Schulen müssen gleichermaßen mit digitalen Geräten und entsprechender Software ausgestattet werden.

Urheberrecht digitaler Lernmedien: Die Nutzung zahlreicher Online-Inhalte im Unterricht bewegt sich noch zu oft in einer rechtlichen Grauzone. Nötig ist hier eine klare Rechtslage und die Förderung von sogenannten Open Educational Resources (OER).

Profilschulen „IT/Digital“: Begrüßt wird die Schaffung sogenannter Profilschulen IT/Digital.

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