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Privatschulen vs staatliche Schulen: Wo liegen die Vorteile?

Privatschulen erfreuen sich bundesweit zunehmender Beliebtheit. So gab es im Schuljahr 2012/13 insgesamt 5.651 allgemeinbildende und berufliche Privatschulen in Deutschland. Dies ist laut Statistischem Bundesamt eine Steigerung von 74,8 % im Vergleich zum Schuljahr 1992/93. Der Anteil der Privatschulen an allen Schulen beträgt somit aktuell 11,1 %. Bundesweit besuchte 2012 jeder elfte Schüler eine Privatschule. Der starke Zulauf liegt in verschiedenen Qualitätsmerkmalen begründet:

 

Hohes Innovationspotenzial: Viele Privatschulen – insbesondere diejenigen mit reformpädagogischem Ansatz  – galten in der Bildungswelt lange als Exoten. In den letzten Jahren jedoch haben manche von Privatschulen erdachte Konzepte sogar Einzug in das staatliche Schulwesen gehalten. Hierzu gehören beispielsweise die Ganztagsschule oder Unterrichtsformen wir Frei- und Projektarbeit. Auch weitere originär von Privatschulen stammende Ideen, wie etwa die Abschaffung des Sitzenbleibens und der Verzicht auf Noten, werden mittlerweile öffentlich diskutiert.

 

Hohe Identifikation mit der Schule: Privatschulen zeichnen sich durch ausgefeilte Profile und Schulprogramme aus, die teils auch über den Unterricht hinausgehen. Dies führt aufseiten der Schülerinnen und Schüler zu einem hohen Maß an Identifikation mit der Schule. Überdies binden die meisten Privatschulen Eltern stärker mit ins Schulgeschehen ein und erleichtern so auch die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Erziehungsberechtigten.

 

Größere Gestaltungsfreiheit: Sowohl die Schulen selbst, als auch die Lehrkräfte an Privatschulen haben mehr Freiräume. Zwar sind auch Schulen in freier Trägerschaft an den Lehrplan gebunden, doch dient er ihnen eher als ein roter Faden. Denn in den Methoden, die letztlich zum Schulabschluss führen, sind Schulen in freier Trägerschaft im Vergleich zu staatlichen Schulen frei.

 

Fokus auf Persönlichkeitsentwicklung: Viele Privatschulen (z.B. Waldorfschulen, Montessori-Schulen, Jenaplan-Schulen) erachten die Entfaltung der Persönlichkeit als ebenso wichtig wie das Erlangen von Wissen und kognitiven Fähigkeiten.Diese Wertschätzung der Persönlichkeit stellt einen Gegenentwurf zu den primär auf Leistung ausgerichteten staatlichen Schulen dar, den immer mehr Eltern als wohltuend und angemessen empfinden.

 

Individuelles Lernen: Je nach pädagogischer Ausrichtung der Privatschule ist die individuelle Förderung jeder Schülerin bzw. jedes Schülers eines der Hauptanliegen des Lehrkonzepts. Dies gilt beispielsweise für Montessori-Schulen. Auf Schülerinnen und Schüler, die an staatlichen Schulen schlechte Leistungen erbringen, kann an Privatschulen ganz anders eingegangen werden – ohne stigmatisierende Förderbedarf-Attestierung. Umgekehrt haben auch Hochbegabte durch den individuellen Zugang an Privatschulen beste Entfaltungsmöglichkeiten, wenn sie nicht gar dezidierte Hochbegabtenschulen in freier Trägerschaft besuchen.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte: Gerade junge, hochmotivierte Lehrkräfte mit starkem Verwirklichungsdrang scheitern an staatlichen Schulen oft an starren Verordnungen. Privatschulen hingegen lassen Lehrkräften mehr Möglichkeiten zur Umsetzung von Ideen und Überzeugungen oder aber von ethischen oder theologischen Überzeugungen. Dieses höhere Maß an Gestaltungsfreiheit sorgt für Zufriedenheit im Beruf.

 

Angenehmes Arbeitsklima: Nicht nur in pädagogischer, auch in organisatorischer Hinsicht bieten Privatschulen für Lehrkräfte gute Arbeitsbedingungen. So verfügen die Schulen meist über einen guten bis sehr guten Personalschlüssel, sowohl des Lehrerkollegiums, als auch des Verwaltungs- und Betreuungspersonals sowie externer Fachkräfte, wie etwa Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen etc. Dies entlastet Lehrkräfte spürbar.

 

Eine Übersicht über verschiedene Arten von Privatschulen bzw. unterschiedliche pädagogische Schwerpunkte finden Sie hier.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 3: Jenaplan-Schulen

Jenaplan-Schulen basieren auf den Gedanken und Überzeugungen des Reformpädagogen Peter Petersen. Sie setzen „normalen“ Schulen, in denen oft Frontalunterricht die Regel ist, ein harmonisches, gemeinschaftliches Lernklima entgegen. Nicht nur Inhalte sollen die Schüler pauken, sondern auch „Soft skills“ entwickeln. Unterricht in der althergebrachten Form gibt es hier nicht, ebensowenig Zensuren. Die Ausgestaltung von Jenaplan-Schulen fußt auf den Basisprinzipien der Jenaplan-Pädagogik.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Für Lehrkräfte an Jenaplan-Schulen gibt es kein einheitliches Anforderungsprofil. Für Interessierte an einer Tätigkeit im Jenaplan-Konzept ist zunächst die Identifizierung mit den Prinzipien von Jenaplan-Schulen eine Grundvoraussetzung. Des Weiteren sollten potenzielle Bewerber eine ausgeprägte Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Schülern und Eltern auf „Augenhöhe“ haben. Für die explizite fachliche und pädagogische Qualifikation empfiehlt sich der Blick auf eine konkrete Stellenausschreibung.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Im Rahmen des Jenaplan-Konzepts haben Lehrkräfte große pädagogische Freiheiten. Sie können jedes Kind individuell fördern, wozu sie besonders durch die enge Zusammenarbeit mit den Eltern in der Lage sind. Allerdings setzt die fehlende Möglichkeit, Leistungen zu zensieren, eine große pädagogische Überzeugungskraft voraus. Denn durch Druck lassen sich die Kinder hier nicht motivieren.

 

Entstehung

Peter Petersen (1884 – 1952) war Professor für Erziehungswissenschaften in Jena. Schon 1927 gründete er eine erste, nach seinen Ideen gestaltete Schule. Er sah sie als Gegenentwurf zu den staatlichen Lehranstalten, in denen der Gebrauch des Rohrstocks gängig war. Leitgedanke war die Schaffung eines harmonischen Lernklimas, in dem die Kinder gemäß ihrer individuellen Neigungen und Stärken gedeihen konnten. Nach der Machtübernahme der Nazis konnte Petersen sein Konzept zunächst nicht weiter verfolgen, die entsprechenden Schulen wurden geschlossen. Erst nach Kriegsende ging es deshalb mit den nach ihrem Entstehungsort Jena genannten Lehranstalten weiter.

 

Umsetzung in die Praxis

Im Jenaplan-Konzept verstehen sich die Lehrer als Bindeglied zwischen Schülern und Eltern. Gemeinschaftlich planen sie mit ihnen die Wissensvermittlung, alle Entscheidungsprozesse sind basisdemokratisch angelegt. Statt altersdifferenzierten Klassen gibt es jahrgangsübergreifende Lerngruppen, genannt „Stammgruppen“. Klassenräume heißen „Schulwohnstuben“, denn die Schüler gestalten die Räume selbst, damit sie sich wohlfühlen und dort gerne ihre Zeit verbringen. Die Schüler lernen in sogenannten „rhythmischen Wochenplänen“, gestaltet nach den „vier Formen der Bildung – Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier“. Ihr Wissen erarbeiten sie sich fast ausschließlich in Gruppen, anhand von oft interdisziplinär angelegten Projekten. Individuelle Förderung erhalten die Kinder in zusätzlichen Fachunterrichtseinheiten, für die jeweils passende Gruppen zusammengestellt werden. Feste Klassen sind im Petersen-Konzept nicht vorgesehen. Statt eines Zeugnisses mit Noten gibt es einen ausführlichen Arbeits- und Leistungsbericht.

 

Status

Abschlüsse können nur in einem externen Verfahren, das heißt an öffentlichen Schulen, abgelegt werden. Die Vorbereitungen hierzu finden außerhalb des normalen Schulbetriebs statt. Da es an Jenaplan-Schulen keine Zensuren gibt, müssen die Schüler beim Wechsel auf eine öffentliche weiterführende Schule unabhängig von der Jahrgangsstufe erfolgreich eine Aufnahmeprüfung ablegen.

 

Finanzierung

Als staatlich genehmigte Ersatzschulen erhalten Jenaplan-Schulen staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Weitere Informationen zum Status und zur Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft gibt eine entsprechende Broschüre des Verbands deutscher Privatschulverbände (VDP).

 

Weitere Informationen

Die Gesellschaft für Jenaplan-Pädagogik informiert über alle Fragen rund um Jenaplan-Schulen. Einen Einblick in den Alltag von Jenaplan-Schulen gibt der Artikel „Jenaplan-Erfüllung“, ZEIT-Online, 1998.

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