Archiv für die Kategorie „Erzieher“

Das Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher“

Bis zu 190.000 ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher werden bundesweit bis zum Jahr 2025 fehlen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Dabei entscheidet nachweislich gerade die frühe Bildung maßgeblich darüber, wie gut die Weichen für den weiteren Bildungsweg von Kindern gestellt sind. Mit dem Ziel, den Nachwuchs im Erzieherinnen-Beruf zu sichern, hat das Bundesfamilienministerium daher am 26. März dieses Jahres das „Bundesprogramm ‚Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher‘“ gestartet.

An wen richtet sich das Programm?

Das Programm richtet sich an Träger von Kindertageseinrichtungen. Mit einer Förderung von 37.440 Euro sollen diese in die Lage versetzt werden, eine praxisintegrierte vergütete Ausbildung im Beruf Erzieher/Erzieherin anzubieten. Bedingung ist, dass sich die Ausbildungskapazität der Einrichtung durch Teilnahme an dem Programm erhöht. Die Ausbildung erfolgt in der Einrichtung sowie in einer kooperierenden Fachschule bzw. Fachakademie.

Neben der Förderung der praxisintegrierten vergüteten Ausbildung umfasst das Programm darüber hinaus noch zwei weitere Förderungsbereiche. Es sind dies

  • eine Förderung der Praxisanleitung (pro anzuleitender Fachschüler/-in erfolgt eine Bezuschussung in Höhe von 25 Euro pro Stunde, wobei die Anleitung mindestens zwei Anleitungsstunden pro Woche umfassen sollte).
  • ein Aufstiegsbonus für pädagogische Fachkräfte nach einer Weiterqualifikation, die eine Höhergruppierung mit sich bringt.

Antragsverfahren

Interessierte Einrichtungsträger bekunden zunächst ihr Interesse im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens.

Nach vorher definierten Kriterien werden in einem nächsten Schritt dann geeignete Einrichtungen zur Antragstellung aufgefordert. Die Auswahl wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter Einbeziehung der Länder getroffen.

Weiterführende Informationen:

Info-Seite des Bundesfamilienministeriums zum Bundesprogramm Fachkräfteoffensive

Kurz-Information zum Bundesprogramm Fachkräfteoffensive

Das Gute-Kita-Gesetz

Informationen zum Fachkräftebedarf in Kitas

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 6: Montessori-Schulen

Rund 1.000 Schulen und Kindertagesstätten in Deutschland arbeiten nach der reformpädagogischen Montessori-Lehre, davon etwa 600 Kitas, auch „Kinderhäuser“ genannt. Zu den 400 Montessori-Schulen (etwa 300 Primarschulen und 100 weiterführende Schulen) zählen sowohl Schulen in freier Trägerschaft, als auch staatliche Schulen mit Montessori-Zweigen. Bei den freien Trägerschaften handelt es sich in der Regel um kirchliche Trägerschaften oder um Elterninitiativen. Die Verteilung der weiterführenden Montessori-Schulen auf Schulformen stellt sich wie folgt dar: Gymnasien 40 %, Gesamtschulen 25 %, Hauptschulen 20 %, Realschulen 15 %. Zusammengefasst werden die Prinzipien der Montessori-Pädagogik in dem Satz: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Hiernach sollen Kinder und Jugendliche sich möglichst frei entfalten und für sich selbst die passenden Lernwege finden. Sie erhalten dabei zwar Unterstützung durch Erzieher bzw. Lehrkräfte, erfahren aber durch eigenständiges Erarbeiten eine Stärkung ihrer Persönlichkeit.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Pädagogen, die an Montessori-Schulen tätig werden möchten, benötigen eine dezidierte Montessori-Ausbildung, die in der Regel nach der staatlichen Lehramts- bzw. Erzieher-Ausbildung in Montessori-Ausbildungsorganisationen absolviert wird. Unabhängig von der Ausbildung sollten an Montessori-Schulen interessierte Lehrkräfte über fundierte Beobachtungs- und Problemlösungsfähigkeiten verfügen, da diese für den pädagogischen Alltag unverzichtbar sind. Eine wohlwollende Haltung gegenüber der Montessori-Pädagogik wird vorausgesetzt.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Da die Zahl der Montessori-Schulen in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist, stellen Montessori-Schulen immer mehr ein Betätigungsfeld mit Zukunft dar.

 

Entstehung

Die Montessori-Pädagogik fußt auf dem Gedankengut der Ärztin und Reformpädagogin Maria Montessori (1870 – 1952), die ab Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Lehren in sogenannten Montessori-Ausbildungskursen weitergab. In Deutschland fanden diese großen Anklang und es entstanden schon vor 1920 mehrere Montessori-Kinderhäuser und -Schulen. 1925 wurde die Deutsche Montessori Gesellschaft gegründet.

Während des Zweiten Weltkriegs mussten alle Montessori-Einrichtungen geschlossen werden, erlebten aber nach 1945 eine rasche Renaissance. Seit den 1980er-Jahren erfreuen sich Montessori-Einrichtungen ungebrochen wachsender Beliebtheit. Gerade die Anzahl von Schulen in freier Trägerschaft ist in den letzten 20 Jahren rasant angestiegen. So waren beispielsweise im Montessori Landesverband Bayern bei seiner Gründung 1985 fünf Montessori-Schulträger organisiert, heute sind es 80.

 

Umsetzung in die Praxis

Ein entscheidendes Element der Montessori-Pädagogik ist die Freiarbeit, die neben dem Fachunterricht gleichberechtigter Teil des Stundenplans ist. Die Freiarbeit gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich denjenigen Lerninhalten zuzuwenden, für die sie sich am meisten interessieren. Auch beim Fachunterricht können die Kinder und Jugendlichen in gewissem Maße entsprechend ihrer Interessen wählen. Feste Lehrpläne, Noten oder Klausuren gibt es an Montessori-Schulen nicht. Die meisten Montessori-Schulen sind Ganztagsschulen, sodass überdies auch das gemeinsame Mittagessen und die Nachmittagsbetreuung fester Bestandteil des Tagesablaufs sind.

 

Status

Private Montessori-Grundschulen sind generell staatlich genehmigte Ersatzschulen. Bei den weiterführenden Montessori-Schulen ist der Status unterschiedlich: Teils sind es Ergänzungsschulen, an denen kein staatlich anerkannter Abschluss abgelegt werden kann. Neben diesen entstehen jedoch immer mehr Montessori-Oberschulen (MOS), an denen Schülerinnen und Schüler auch das Abitur ablegen können.

 

Finanzierung

Die Finanzierung des Besuchs einer Montessori-Schule hängt eng mit deren Status (s.o.) zusammen. Staatliche Schulen mit Montessori-Zweig sind anderen staatlichen Schulen gleichgestellt. Der Montessori-Fokus ist bei diesen lediglich ein pädagogischer, nicht aber ein konzeptioneller Schwerpunkt.

Montessori-Schulen mit dem Status „staatlich genehmigte Ersatzschule“ erhalten wie alle freien Schulen staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Weitere Informationen zum Status und zur Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft gibt eine entsprechende Broschüre des Verbands deutscher Privatschulverbände (VDP).

 

 

Weitere Informationen

Der Montessori-Dachverband Deutschland (MDD) informiert über Inhalte der Montessori-Pädagogik sowie über Montessori-Einrichtungen.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 2: Waldorfschulen

Die Anthroposophie, das Leitbild der Waldorfschulen, geht von der Dreigliedrigkeit des Menschen aus. Deshalb fördern Waldorfschulen die intellektuell-kognitiven („Denken“), die künstlerisch-kreativen („Fühlen“) und die handwerklich-praktischen („Wollen“) Fähigkeiten ihrer Schüler. Dazu bieten sie zahlreiche handwerklich-künstlerische Fächer an und der Unterricht enthält viele künstlerische Elemente. Rein optisch zeigt sich der anthroposophische Geist der Waldorfschulen in der Gestaltung der Schulgebäude. Hier herrschen Naturfarben und runde, geschwungene Formen vor und die architektonischen Elemente sind in besonderer Weise ausgerichtet.

 

Entstehung

Die erste Waldorfschule entstand vor nunmehr fast einem Jahrhundert. Sie wurde 1919 in Stuttgart von dem Reformpädagogen Rudolf Steiner begründet. Leitbild ist die anthroposophische Geisteswissenschaft Steiners, die anthropologische und spirituelle Inhalte beinhaltet. Steiners Motivation für die Neugründung einer Schule war, das vorherrschende „Prinzip der Auslese“ durch eine „Pädagogik der Förderung“ zu ersetzen.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Neben der fachlichen und pädagogischen Qualifikation wird von Lehrkräften eine Identifizierung mit den Grundprinzipien von Waldorfschulen erwartet. Ein „klassisches“ Lehramts-Studium ist nicht zwingend notwendig, wohl aber eine fundierte Ausbildung in einem für Waldorfschulen relevanten Beruf. Dies kann z.B. auch eine künstlerische oder handwerkliche Ausbildung sein. Unabdingbar ist zudem eine spezielle waldorfpädagogische (Zusatz)-Ausbildung, die Interessierte in Deutschland an einem der elf Waldorfpädagogik-Seminare absolvieren können. Mehr zur Waldorf-Ausbildung können Interessierte in einer Broschüre des Bundes der Freien Waldorfschulen erfahren.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Im Rahmen der Waldorfpädagogik können Lehrkräfte ihren Unterricht sehr individuell gestalten und vor allem auch eigene Begabungen und Interessen einbringen. Die besondere Herausforderung: Lehrkräfte sind nicht an den staatlich vorgegebenen Lehrplan gebunden. Es liegt in ihrem Ermessen und innerhalb der Entscheidungsfreiheit jeder einzelnen Schule, wie stark sie anthroposophische Lehren in ihren Unterricht mit einbeziehen. Neben dem eigentlichen Lehrstoff sollen die Pädagogen den Kindern grundsätzlich alles beibringen, was für die Persönlichkeitsbildung wichtig ist. Klassenlehrer/-innen haben an Waldorfschulen eine besonders enge Bindung an ihre Klassen, da sie diese über viele Jahre begleiten.

 

Umsetzung in die Praxis

Waldorfschulen arbeiten nach dem Prinzip der rhythmischen Gliederung oder Ritualisierung von Unterrichts-, Tages-, Wochen- und Jahresverlauf. Dies ist ein wesentlicher Inhalt der anthroposophischen Lehre. Zudem sind sie geprägt durch den starken Klassenverband. Das soziale Miteinander hat einen großen Stellenwert, weshalb die Schülerinnen und Schüler vom ersten bis zum letzten Schuljahr in einer Klasse zusammenbleiben. Die Kinder sollen intellektuell, künstlerisch und handwerklich in gleichem Maß ausgebildet werden, deshalb finden sich praktische und kreative Elemente in nahezu allen Unterrichtsfächern. Sitzenbleiben ist nicht möglich, denn alle Schüler sollen im Unterricht mitkommen und auf die Schwächeren wird große Rücksicht genommen bzw. sie werden bei Bedarf besonders intensiv gefördert. Noten werden lediglich in der Phase vor der Erlangung der Abschlüsse vergeben.

 

Status

In Deutschland sind Waldorfschulen staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft. Abschlüsse an Waldorfschulen sind in der Regel staatlich anerkannt. Jedoch müssen die Kinder die Schule jeweils rund ein Jahr länger besuchen: So erreichen sie den Hauptschulabschluss erst nach zehn Jahren, die mittlere Reife (abhängig von Schule und Bundesland) nach elf oder zwölf Jahren und das Abitur nach 13 Jahren.

 

Finanzierung

Waldorfschulen erheben Schulgebühren, die sich unter anderem aus dem Einkommen der Eltern errechnen. Allerdings gilt das Grundprinzip, kein Kind aufgrund der finanziellen Lage seiner Eltern vom Besuch einer Waldorfschule auszuschließen. Wie andere freie Schulen auch, erhalten Waldorfschulen staatliche Zuschüsse, die jedoch je nach Bundesland und politischen Mehrheitsverhältnissen variieren.

 

Weitere Informationen

Der Bund der Freien Waldorfschulen informiert über das pädagogische Prinzip, die Organisation und den Status von Waldorfschulen. Weiterhin schildert er ausführlich, wie die Ausbildung zum Waldorf-Lehrer verläuft. Für konkrete Informationen zu einzelnen Waldorfschulen empfiehlt sich der Blick auf deren Homepage.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 1: Demokratische Schulen/Sudbury-Schulen

Aus der demokratischen Grundidee, der „Herrschaft des Volkes“, machen Demokratische Schulen eine „Herrschaft der Schülerinnen und Schüler“. Denn die Kinder und Jugendlichen haben hier die gleichen Rechte wie die Lehrkräfte. Dies beinhaltet auch ein gleichberechtigtes Stimmrecht. Da naturgemäß die Zahl der Schülerinnen und Schüler gegenüber den Lehrkräften überwiegt, können die Schützlinge so grundlegende Entscheidungen mit treffen. Dazu gehören auch Neueinstellungen von Lehrkräften, die Aufnahme neuer Schulmitglieder sowie andere grundsätzliche Fragen zum Schulbetrieb. Hauptanliegen Demokratischer Schulen ist die Erziehung zur Eigenständigkeit und Verantwortungsübernahme. Hierbei baut die Schule auf den natürlichen Entdeckungs- und Gestaltungstrieb von Kindern und Jugendlichen. Weiterhin will die Schule Kindern eine weitestgehend freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit und ihrer Fähigkeiten ermöglichen.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Einen größeren Stellenwert als anerkannte pädagogische bzw. Lehramts-Abschlüsse hat für eine Tätigkeit an Demokratischen Schulen eine entsprechende pädagogische Grundeinstellung. Verpflichtend für potenzielle Lehrkräfte ist ein nicht-direktiver Zugang zu Erziehung und Pädagogik sowie eine Identifizierung mit den Grundprinzipien Demokratischer Schulen. Lehrkräften, die sich für das Prinzip Demokratische Schule interessieren, wird empfohlen, sich direkt mit einer Schule in Verbindung zu setzen und die Anforderungen zu erfragen.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Demokratische Schulen lassen Lehrkräften innerhalb der demokratischen Grundhaltung größtmöglichen Handlungsspielraum. Durch die weitgehende Loslösung von Lehrplänen können sie so individuell auf jede Schülerin/jeden Schüler eingehen. Darüber hinaus ermöglichen Demokratische Schulen den Lehrkräften ein maximales Einbringen eigener Talente, seien es musische, technische, kommunikative oder anderweitige Begabungen. Nicht zuletzt sind die Strukturen Demokratischer Schulen so angelegt, dass Lehrkräfte über die Weiterentwicklung der Schule mitbestimmen und diese mitgestalten können.

 

Entstehung

In ihren Grundzügen geht die reformpädagogische Idee der Demokratischen Schulen zurück auf die britische Summerhill Schule, 1921 gegründet vom Pädagogen A.S. Neill. Entscheidende Prägungen kamen 1968 durch die Sudbury Valley School in Massachusetts/USA auf, weswegen sich zahlreiche der heute existierenden Demokratischen Schulen auch Sudbury-Schulen nennen.

 

Umsetzung in die Praxis

Demokratische oder Sudbury-Schulen sind zumeist als Gemeinschaftsschulen angelegt und werden daher von Schülerinnen und Schülern zwischen 5 und 18 Jahren besucht. Allerdings ist beim Lernen eine Altersdurchmischung beabsichtigt. Es gibt weder feste Stundenpläne noch Klassenverbände oder fest zugeordnete Räume. Stattdessen entscheiden die Kinder und Jugendlichen täglich, an welchem Lernangebot sie teilnehmen – losgelöst vom Lehrplan. Dies kann durch Lesen, Kommunizieren, künstlerisches Betätigen, Experimentieren, Bewegen oder Organisieren eines Projekts geschehen. Lehrkräfte bieten an, Sachverhalte zu erklären oder bei Projekten zu unterstützen, die Teilnahme ist jedoch freiwillig. Auch Prüfungen und (schriftliche) Bewertungen der Schülerleistungen finden auf freiwilliger Basis statt, Noten werden generell nicht vergeben. In wöchentlichen Schulversammlungen wird basisdemokratisch über anstehende schulische Entscheidungen abgestimmt. Eine jährliche Vollversammlung legt die übergeordneten Regeln für die Schule fest. Hier haben dann auch Eltern Stimmrecht.

 

Status

In Deutschland sind Demokratische bzw. Sudbury-Schulen staatlich genehmigt, die Abschlüsse aber nicht anerkannt. Diese müssen extern an einer anderen Lehranstalt erworben werden. Es gibt eine wachsende Zahl von Initiativen zur Neugründung von Demokratischen Schulen. Sie sind meist als offene Ganztagsschulen, mitunter mit Hortbetrieb angelegt.

 

Finanzierung

Das Schulgeld hängt stark vom Alter des Kindes/Jugendlichen und vom Einkommen der Eltern ab und kann sich, je nachdem ob eine Hortbetreuung hinzukommt, zwischen monatlich 100 und 550 Euro bewegen. Manche Schulen erheben zusätzlich eine Aufnahmegebühr sowie Essensgeld. Da jede Lehranstalt in der Ausgestaltung ihrer Organisationsstruktur frei ist, empfiehlt sich der Blick auf die Websites der einzelnen Schulen.

 

Weitere Informationen

Hintergrundinformationen zu Demokratischen Schulen/Sudbury Schulen liefert die Seite Sudbury Schulen in Deutschland. Auf europäischer Ebene engagiert sich auch die European Democratic Education Community (Eudec) für die Etablierung demokratischer Bildung.

Das Edukanat – Professionalisierung der Ausbildung von Internatserziehern/-innen

Die Ausbildung von Erziehern/-innen und Sozialpädagogen/-innen verändert sich zur Zeit stark. Immer weitere Ausbildungsinhalte kommen an Hochschulen, Fachhochschulen und Fachschulen dazu und viele neue Fort- und Weiterbildungen werden angeboten. In diesem Beitrag wollen wir uns mit der Professionalisierung der Ausbildung von Internatserziehern/-innen beschäftigen. Viele Schulen in freier Trägerschaft sind gleichzeitig Internatsschulen oder kooperieren mit Internaten. Pädagogen/-innen und Erzieher/-innen, die in Internaten arbeiten und teilweise leben, stehen vor besonderen Herausforderungen und benötigen dazu spezielle Kompetenzen. Ausführlich können Sie das im Artikel „Was gute Internatserzieher ausmacht“ von Herrn Prof. Dr. Volker Ladenthin nachlesen. Die Interessen von Erziehern/-innen in Internaten werden von verschiedensten Internatsverbänden vertreten. Einer der größten Verbände ist der Verband der Katholischen Internate und Tagesinternate (V.K.I.T.). Er hat das Programm „Edukanat“ ins Leben gerufen. Dieses möchten wir Ihnen in diesem Magazinbeitrag näher vorstellen.

Das Edukanat – Professionalisierung der Internatserziehung

Spezifische Ausbildungslehrgänge zum/-r Internatserzieher/-in, die auf die speziellen Herausforderungen der Internatserziehung eingehen und Internats- und Tagesinternatspädagogik als eigenständiges pädagogisches Wirkungs- und Handlungsfeld verstehen, gibt es nach wie vor nicht. Auch sind Besonderheiten der Internatserziehung selten Inhalte der allgemeinen Erzieher/-innenausbildung oder des Sozialpädagogikstudiums.

Mit dem Edukanat ist dem V.K.I.T. somit etwas gelungen, was es so in der bildungs- und berufspolitischen Internate-Landschaft noch nicht gab. Analog zum Referendariat der Lehrer/-innenausbildung will das Edukanat für die pädagogischen Mitarbeiter/-innen eine verbesserte Qualifizierung erreichen und die Verortung der Internatspädagogik im wissenschaftlichen Diskurs ermöglichen. Damit trägt das Edukanat zur Professionalisierung der Internatserziehung bei. Das (berufsbegleitende) Edukanat erstreckt sich über ein Jahr und beinhaltet eine 2-wöchige Hospitation, ein 5-tägiges Blockseminar, 6 Wochenendveranstaltungen und einer Abschlussarbeit. Im Moment läuft bereits der dritte Durchgang, zwei Durchgänge des Kurses konten bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Das neue Edukanat-Kursprogramm für den Durchgang 2013/2014 ist bereits online einsehbar.

Das Edukanat will den „Blick des Erziehers für die Praxis schärfen und Modelle zur Erklärung und Gestaltung von pädagogischer Praxis im Internat vorstellen. Es will die Erfahrungen, die die Erzieher bei ihrer bisherigen
Tätigkeit im Internat gewonnnen haben, als Anlass zum Nachdenken über Erziehung nehmen. Diesem doppelten Ziel, von Theorie auf Praxis und von Praxis auf Theorie zu blicken, dienen die unterschiedlichen Veranstaltungen und Kurse. Das Edukanat soll die pädagogische Urteilskraft verbessern. Es richtet sich an Teilnehmer, die ihre Erfahrungen in der Berufstätigkeit reflektieren, sich mit wissenschaftlichen Ergebnissen auseinandersetzen wollen und Interesse an einer vertieften Betrachtung ihrer Berufsaufgaben haben. Das Edukanat bietet Raum für den Austausch von Erfahrungen und berufsbezogenen Gesprächen, praxisnahes Lernen in kleinen Gruppen und für Diskussionen mit Experten aus der Internatspädagogik und anderen Fachgebieten.
Die Teilnahme steht inzwischen auch Interessenten offen, die an einer den (Tages-)Internaten des V.K.I.T. vergleichbaren Einrichtung arbeiten („Nichtmitglieder“).

Hauptreferenten des Edukanates sind der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Volker Ladenthin, der Psychologe Prof. Michael Ley und P. Paulus Koci OSB. Weitere Referenten aus dem Bereich Kinder- und Jugendpastoral, Psychologie, Rechts- und Verwaltungswissenschaft, Erziehungswissenschaft und anderer Bereiche unterstützen den Lehrgang. Der Wissenschaftliche Beirat des V.K.I.T. begleitet das Edukanat und trägt Mit-Verantwortung  für die konzeptionelle Weiterentwicklung.

Neue Partner von LehrCare: Stiftung „Haus der kleinen Forscher“

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich mit einer bundesweiten Initiative für die Bildung von Kindern im Kita- und Grundschulalter in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Technik.

Kinder wollen jeden Tag die Welt entdecken und im wahrsten Sinn des Wortes begreifen. Sie stellen immer neue spannende Fragen: Wo kommt der Wind her? Warum leuchten Glühbirnen?

Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ möchte pädagogische Fachkräfte dabei unterstützen, gemeinsam mit den Kindern auf die Suche nach Antworten zu gehen und ihren Forscherdrang zu begleiten. Dafür bietet sie regelmäßig Workshops, kostenlose Materialien und immer neue Ideen an. Mit dem „Haus der kleinen Forscher“ können sich pädagogische Fachkräfte kontinuierlich fortbilden, um dieses natürliche Interesse der Kinder entwicklungsangemessen zu begleiten. Die pädagogisch-didaktische Grundlage basiert dabei auf den Erkenntnissen des Projekts „Natur-Wissen schaffen“ der Deutsche Telekom Stiftung, welches von Wassilios E. Fthenakis, Professor für Entwicklungspsychologie und Anthropologie, geleitet wird. Auf den Webseiten des „Hauses der kleinen Forscher“ können sich interessierte Grundschullehrer/innen und Erzieher/innen über das pädagogische Profil, Themenbroschüren und Praxisideen und Experimente informieren.

Werden auch Sie Teil von Deutschlands größter frühkindlicher Bildungsinitiative und fördern Sie bei den Mädchen und Jungen die Begeisterung für Naturwissenschaften, Mathematik und Technik. Machen Sie Ihre Kita, Ihren Hort oder Ihre Grundschule zu einem „Haus der kleinen Forscher“! 

Modellprogamm „MEHR Männer in Kitas“ – Zum Quereinstieg in den Beruf des Erziehers

Mit der Initiierung des ESF-Modellprogramms ,MEHR Männer in Kitas’ will das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in den nächsten drei Jahren die Entwicklung und Implementierung von Strategien zur Steigerung des Anteils männlicher Fachkräfte in Kindertagesstätten voranbringen. Ziel ist es, das Interesse von Jungen und Männern am Beruf des Erziehers zu wecken, Männer bei der Entscheidung zu unterstützen, den Erzieherberuf zu wählen und die Perspektiven für Männer (und Frauen) im Arbeitsfeld Kindertageseinrichtungen zu verbessern.

Die Einrichtung des Modellprogramms ist Folge der Ergebnisse der Studie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Studie „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten“. Diese  stellt fest, dass Männern die Türen der Kindertageseinrichtungen weit offen stehen. Trotzdem, so die Untersuchung, liegt der Männeranteil an den pädagogischen Fachkräften in Kitas bei gerade einmal 2,4 Prozent.

Die Koordinierungsstelle „Männer in Kitas“

Betreut wird das Programm von der Koordinierungsstelle „Männer in Kitas“. Seit 2010 arbeitet diese mit verschiedenen Partnern zusammen und wird in ihrem Vorhaben von vielen Erzieher/innen, Eltern, Träger-Verantwortlichen, Kita-Leitungen, Politiker/innen und Wissenschaftler/ innen unterstützt. Die Koordinationsstelle ist an die Katholische Hochschule für Sozialwesen angegliedert und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Die Aufgaben der Koordinierungsstelle sind sehr vielfältig: Hauptaufgabe ist die Information über Wege in den Beruf und über die Situation in der Praxis. Dazu stellt die Koordinierungsstelle die Ergebnisse der Studie vor, präsentieren den nationalen und internationalen Forschungsstand und informieren über „best practice“- Beispiele und aktuelle Entwicklungen aus den Regionen. Die Koordinierungsstelle berät politisch Verantwortliche, Träger-Verantwortliche und Netzwerke strategisch, um gemeinsam mit ihnen langfristige Vorgehensweisen zu entwickeln, mit denen mehr männliche Fachkräfte für eine Arbeit in Kindertageseinrichtungen gewonnen werden können. Mit Tagungen, Konferenzen und Experten- und Expertinnenrunden informiert sie über aktuelle Entwicklungen und stellt praktische Ansätze vor. Außerdem unterstützt sie dabei bestehende und initiieren neue Netzwerke, um nachhaltige Strukturen für den fachlichen Austausch zu schaffen.

Der Quereinstieg in den Erzieherberuf

Ein wichtiges Ausgabengebiet der Koordinierungsstelle ist die Information und Beratung über den Quereinstieg in den Erzieherberuf. Auf den informativen und aktuellen Seiten der Koordinierungsstelle finden sich Informationen über die Möglichkeiten für arbeitslose und wechselinteressierte Männer für die jeweiligen Bundesländer. Die Vorgaben zu den Aufnahmevoraussetzungen und der Dauer der Ausbildung zum Erzieher sind laut Auskunft der Koordinierungsstelle in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Es gibt, je nach Bundesland, unterschiedliche Wege, die jeweils den landesrechtlichen Bedingungen gerecht werden. In einigen Bundesländern ist der Quereinstieg zurzeit noch nicht möglich. Ob und wie in Ihrem Bundesland ein Quereinstieg möglich ist, erfahren Sie ebenfalls über die Infoseite zum Quereinstieg. Sie finden dort eine Deutschlandkarte, auf der Sie das gewünschte Bundesland auswählen können und dann weitere Informationen zu den Themen Umschulung, berufsbegleitende Ausbildung/Studium, Externenprüfung, Finanzierung, Aufnahmevoraussetzungen, Ausbildungsstätten und Ansprechpartner/innen im jeweiligen Bundesland erhalten. Wenn Sie berufserfahren sind und Erzieher werden möchten, können Sie sich in diesen Verteiler für Quereinstiegs-Interessierte eintragen. Ihre Daten werden an das BMFSFJ weitergeleitet und ausschließlich dafür genutzt, Sie über besondere allgemeine oder regionale Neuigkeiten zu informieren.

Interessierte können sich außerdem beim Newsletter-Magazin „ImFokus: Mehr Männer in Kitas“ anmelden um im Hinblick auf das Programm auf dem Laufenden zu bleiben.

Deutsche Kindergärten sind nur „mittelmäßig“ – “Professionalisierung” des Personals gefordert!

Die Kindergärten in Deutschland sind nach Einschätzung des Aktionsrats Bildung pädagogisch nur mittelmäßig. Die Wissenschaftler mahnen deswegen in ihrem neuen Jahresgutachten dringend eine gemeinsame Anstrengung von Bund und Ländern an, um die Ausbildung und die Bezahlung des Personals zu verbessern.

Der Aktionsrat Bildung ist ein Gremium renommierter Bildungsforscher, das von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft 2005 gegründet wurde.

Die Forderungen des Aktionsrates im Überblick:

  • Bis 2020 sollte an jeder Kindertageseinrichtung mindestens eine Fachkraft mit Hochschulstudium tätig sein;
  • Dazu wäre eine mindestens eineVerdopplung der bestehenden Ausbildungskapazitäten nötig;
  • Außerdem solle die Bezahlung studierter Frühpädagogen auf das Niveau vergleichbarer Studienabschlüsse angehoben werden;
  • Der momentane Ausbau der Kinderbetreuung müsste mit Maßnahmen „zur Sicherstellung und Verbesserung der Qualität“ einhergehen;
  • Bundesweites Programm zur „Professionalisierung“ des Fachpersonals notwendig – Familien- und Kultusministerkonferenz sollten schon in diesem und im nächsten Jahr ein gemeinsames Gesamtkonzept zur Aus-, Weiter und Fortbildung entwickeln;
  • Fort- und Weiterbildung soll zur Pflicht für das Personal werden;
  • Hochschulstudiengänge sollen im Bereich Frühpädagogik deutschlandweit vereinheitlicht werden;
  • Für bereits im Beruf tätige Erzieherinnen und Erzieher sollten berufsbegleitende Studiengänge ausgebaut werden;
  • Ab 2017 sollte auf die Neuanstellung niedriger qualifizierter Kinderpflegerinnen und Sozialassistentinnen in Kindergärten und Kindertagesstätten verzichtet werden;
  • Schaffung neuer Professorenstellen für Frühpädagogik ist notwendig.

Das Fazit des Aktionsrats ist, dass ein „Quantensprung“ in der Qualifizierung des Personals dringend benötigt werde. „Die öffentlichen Ausgaben sind in den frühen Bildungsbereichen in Deutschland viel zu gering. So investieren z.B. England, Italien und USA bis zu 30 Prozent mehr in der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen.“

Das vollständige Gutachten des Aktionsrates Bildung kann man hier einsehen und auch runterladen:

http://www.aktionsrat-bildung.de/fileadmin/Dokumente/Gutachten_Professionalisierung_in_der_Fruehpaedagogik.pdf

Kategorien