Archiv für die Kategorie „Berufsbild Lehrer/in“

Arbeitswerkzeug Stimme

 

Der hohe Lärmpegel im Klassenraum ist für die meisten Lehrkräfte eine der größten täglichen Belastungen. Mit dem Lärm steigt auch die Anforderung, diesen mit stimmlicher Kraft zu regulieren bzw. einzudämmen. Doch wer seine Stimme täglich bis zur Belastungsgrenze beansprucht, verspürt nicht nur schnelle Erschöpfung, sondern riskiert auch langfristige Einschränkungen der stimmlichen Fähigkeiten.

Oft mangelt es auch an der richtigen Sprechtechnik. Das führt zu falschen Verhaltensmustern wie Atemfehlleistungen, zu hoher oder geringer Sprechspannung, Rückverlagerungen, Nuscheln. Viele Lehrkräfte sprechen zudem zu laut, zu hoch oder versuchen, ihre Schüler zu übertönen, wenn der Lärmpegel steigt. Eine Möglichkeit, derlei Störungen zu beheben, ist, die Sprechtechnik unter fachgerechter Anleitung zu trainieren.

Permanente stimmliche Beschwerden führen zwangsläufig zu Ausfallzeiten. Die Folge: Der Lehrstoff wird nicht bewältigt, die Lehrkraft gerät immer mehr unter Druck. Zusammengefasst: Wirkungsvolles Sprechen erleichtert das Verstehen, wirkt sich positiv auf die Lernatmosphäre aus und motiviert und aktiviert die Schüler.

 

Die eigene Stimme evaluieren

Eine gängige Methode, die Leistungsfähigkeit der eigenen Stimme zu bestimmen, ist die Ermittlung des sogenannten Voice Handicap Index (VHI). Dieser ordnet auf einer vierstufigen Skala den Schweregrad einer potenziellen Stimmstörung und das Handicap des Betroffenen ein. Ermittelt wird der VHI per Fragebogen. Jedoch ist es unbedingt ratsam, bei ernsthaften stimmlichen Problemen einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder einen Stimmarzt (Phoniater) zu konsultieren.

  • VHI-Bereich 0-14 – kein Handicap
  • VHI-Bereich 15-28 – geringes Handicap
  • VHI-Bereich 29-50 – mittelgradiges Handicap
  • VHI-Bereich 50-120 – hochgradiges Handicap

Tipps zum schonenden Umgang mit der Stimme

– Lärm im Klassenraum nicht zwangsläufig mit stimmlicher Kraft begegnen, sondern nonverbale Signale zum „Runterkühlen“ einführen.

– Bei der Unterrichtsplanung auch Ruhephasen einkalkulieren, in denen die Stimme Zeit zum Regenerieren hat.

– Vor Beginn eines Unterrichtstages (beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit) „einsprechen“. Das lässt die Stimme warmlaufen und vermeidet den stimmlichen „Kaltstart“.

– Aneignen von gezielten Atem- und Sprechtechniken, ggf. mit professioneller Hilfe von Sprachtherapeuten oder Gesangslehrern.

– Die Stimmlage generell nicht zu hoch ansetzen.

– Deutlich und klar artikuliert sprechen. Schnelles, undeutliches Sprechen führt zu erhöhter Stimmbelastung

– Den Klassenraum regelmäßig lüften.

– Regelmäßig und ausreichend trinken. Doch Vorsicht: Kaffee und Schwarzer Tee trocknen aus, Milch kann verschleimen.

– Nach Möglichkeit die Umgebungsgeräusche auf ein Minimum reduzieren.

 

Verbeamtete Lehrkräfte an Privatschulen: Rechtslage und Wissenswertes

Beamte behalten bei einer Tätigkeit an Privatschulen ihren Beamtenstatus bei, wenn sie der Privatschule zugewiesen wurden. Diese Regelung fußt auf § 20 des Beamtenstatusgesetzes (BeamtStG), einem Bundesgesetz, das die beamtenrechtliche Stellung der Beamten der Länder und Kommunen regelt.

 

Welche Rechtsquellen sind relevant?

Als Rechtsquellen relevant sind die jeweiligen Beamtenstatus-/Besoldungs- und Schulgesetze des betreffenden Bundeslandes:

  • Landesversorgungsgesetze bei Fragen zur Anerkennung bei der Pension
  • Landesbeamtengesetze bei Fragen zu Abordnungen und Beurlaubungen
  • Privatschulgesetze für privatschulspezifische Fragen

Für manche Privatschultypen (z.B. Katholische Schulen in freier Trägerschaft in NRW oder Baden-Württemberg) existieren spezifische Regelungen, zu erfragen bei den jeweiligen Trägern. Ebenso gibt es für Waldorfschulen zum Teil im Laufe der Jahre gewachsene Besonderheiten. Genaueres teilt der Bund der Freien Waldorfschulen mit.

 

Ist eine dauerhafte Zuweisung möglich?

Zwar ist eine dauerhafte Zuweisung nicht möglich, wohl aber die Verlängerung der Zuweisung.

 

Gibt es die Möglichkeit, unter Beibehaltung der Bezüge eine Planstelle an einer Privatschule zu besetzen?

Prinzipiell ist ein solches Vorgehen nicht vorgesehen. Jedoch existiert in den meisten Bundesländern ein Vertrag zwischen Kultusministerium und Privatschulen, in dem geregelt ist, dass das Geld weiter vom Land kommt, die Privatschulen aber die Besoldung, einen Teil des Ruhegehaltes und ggf. Sonderzahlungen an das Kultusministerium zahlen. Auf diese Weise behält der Beamte seine Bezüge, aber die Privatschule zahlt an den Staat.

 

Was geschieht mit bereits erworbenen Pensionsansprüchen?

Bleibt der Beamtenstatus über eine Beurlaubungslösung gewahrt, gilt dies auch für die Versorgungsansprüche. Falls für den Privatschuldienst ein Ausscheiden aus dem Beamtendienst erfolgt oder erforderlich wird, findet eine Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung statt. Hierbei werden dann Beträge zur gesetzlichen Rentenversicherung nachgezahlt und zwar in der Form, als sei der Versicherte schon seit jeher Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung gewesen. Weitere Auskünfte hierzu erteilt u. a. die Deutsche Rentenversicherung.

 

Was geschieht mit der Beihilfe zur Krankenkasse?

Beihilfe zu einer Krankenkasse kann nicht gewährt werden, denn Beihilfe ist immer an beamtenrechtliche Dienstbezüge gekoppelt, also: Beamtenstatus = Beihilfe. Im Angestelltenverhältnis gibt es ggf. einen Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung, abhängig von der Einkommenshöhe. Unter Umständen sind Krankenkostenübernahmen bzw. -zuschüsse auch für Angestellte möglich. Dies fällt dann jedoch unter privatrechtliche Vereinbarungen und hat nichts mit Beamtenrecht zu tun.

 

Wie kommt eine Lehrkraft bzw. ein Schulleiter wieder zurück in die öffentliche Schule?

Sie muss sich bei einer öffentlichen Schule wieder bewerben bzw. die Zuweisung auslaufen lassen.

 

Wer erteilt weiterführende Informationen?

Auskunft geben die landesspezifischen Schulämter oder Kultusministerien. Gewerkschaftsmitglieder können sich an die Landesverbände ihrer jeweiligen Fachgewerkschaft wenden.

 

Die hier erwähnten juristischen Hinweise sind allgemeiner Art, nach bestem Wissen und Gewissen verfasst, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Rechtsberatung dar. Konsultieren Sie für rechtssichere Informationen bitte einen Fachanwalt.

Lehrmöglichkeiten an deutschen Schulen im Ausland

Die Möglichkeit, an einer deutschen Schule, Hochschule oder sonstigen Bildungseinrichtung im Ausland zu unterrichten ist für viele Lehrkräfte eine wertvolle und unersetzliche Bereicherung  persönlicher als auch fachlicher Art. Die Chancen auf eine Stelle im Ausland hängen stark von persönlichen Faktoren der Bewerber ab. Dazu gehören neben der Qualifikation vor allem auch die Fächerkombination, der Status und zu einem entscheidenden Teil die persönliche Flexibilität. Nicht zuletzt spielen auch finanzielle Aspekte eine wichtige Rolle. Denn das Gehalt kann je nach Art des Einsatzes erheblich variieren.

 

Viele Wege führen ins Ausland

Grundsätzlich haben Lehrkräfte mit Zweitem Staatsexamen und bereits absolvierter Lehrerfahrung gute Chancen bei der Bewerbung um eine Stelle im Ausland. Prinzipiell steht jedoch nicht nur examinierten Lehrerinnen und Lehrern eine Anstellung an Auslandschulen offen. Die Art der zu besetzenden Stelle wird jeweils in der Stellenausschreibung genannt. Sollte dies nicht der Fall sein, empfiehlt sich eine kurze Nachfrage bei der ausschreibenden Schule.

Unterschieden werden generell folgende Lehrmöglichkeiten:

  • Auslandsdienstlehrkraft (ADLK): Diese Lehrkräfte müssen im innerdeutschen Schuldienst fest verbeamtet oder unbefristet angestellt sein und mindestens zwei Jahre Lehrerfahrung nachweisen. Wie auch in Deutschland sind im Ausland derzeit besonders die MINT-Fächer nachgefragt. Auch Lehrkräfte, die Fachunterricht in einer Fremdsprache (beispielsweise englischsprachiger Erdkundeunterricht) unterrichten, haben gute Karten bei Auslandsbewerbungen. Generell zählt überdies die Zusatzausbildung Deutsch als Fremdsprache (DaF) als gute Voraussetzung für eine Auslandstätigkeit. Die Bewerbung erfolgt auf dem Dienstweg.
  • Landesprogrammlehrkraft (LPLK): Wer als LPLK eine Auslandsstelle antreten will, ist normalerweise im Landesschuldienst angestellt oder verbeamtet und wird für die Auslandstätigkeit freigestellt. Die Anzahl der LPLK-Stellen ist jedoch weitaus geringer als die der BPLK- und ADLK-Stellen.
  • Bundesprogrammlehrkraft (BPLK): Voraussetzung ist ein erfolgreich abgelegtes 2. Staatsexamen oder ein gleichwertiger Abschluss, bei verbeamteten und unbefristet angestellten Lehrkräften Gewährleistungs- bzw. Freistellungszusage des Dienstherrn bzw. Arbeitgebers. Im Gegensatz zu ADLK ist hier keine aktuelle Anstellung nötig. Bewerber können daher beispielsweise auch schon direkt nach dem Referendariat eine Stelle als BPLK antreten. Die Bewerbung erfolgt auf dem Dienstweg.
  • Ortslehrkraft oder Ortskraft (OLK oder OK): Prinzipiell können sich alle Lehrerinnen und Lehrer als OLK bewerben, das Zweite Staatsexamen wird aber nicht immer zwingend vorausgesetzt. OLK werden nach Landesrecht angestellt – und zwar entweder als Lehrkräfte oder als Erzieher/-innen, Sozialpädagog/-innen bzw. Mitarbeiter/-innen für den außerschulischen Bereich. Entsprechende Bewerber schließen also direkt mit der ausländischen Schule einen Arbeitsvertrag ab und verhandeln auch das Gehalt selbst. Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) veröffentlicht auf ihrer Website Stellenangebote auch für OLK/OK, übernimmt jedoch nicht die Vermittlung. Auch LehrCare veröffentlicht regelmäßig Stellenangebote deutscher Schulen im Ausland.

 

Weiterführende Informationen erhalten interessierte Lehrkräfte, Referendare und sonstige pädagogische Fachkräfte bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) sowie auf den Seiten der Arbeitsgruppe Auslandslehrerinnen und -lehrer (AGAL).

Eine sehr hilfreiche Anlaufstelle ist auch der Verband Deutscher Lehrer im Ausland (VDLIA). Er verfügt über umfangreiche Informationen zum Auslandsaufenthalt und zu rechtlichen sowie organisatorischen Fragen und unterhält mehrere Regionalgruppen, in denen Mitglieder Unterstützung erfahren und sich austauschen können.

Weiterbildungen für Lehrkräfte

Die Möglichkeiten zur Weiterbildung für Lehrkräfte sind sehr vielfältig und reichen von methodischen oder unterrichtsbezogenen Inhalten über rein pädagogische Bildungsangebote bis hin zu Aufbaustudiengängen, die für schulische Führungspositionen qualifizieren. Überdies unterhalten die Träger mancher Privatschulen eigene Weiterbildungsprogramme, wie beispielsweise der Bund der Freien Waldorfschulen.

Gerade für Lehrkräfte an Privatschulen ist es wichtig, sich in Sachen Weiterbildung auf dem Laufenden zu halten und sowohl Anbieter als auch Maßnahmen zu kennen. Denn zum einen schärfen Fortbildungen das Profil von Lehrkräften und qualifizieren sie für verschiedenste Stellen und Tätigkeiten. Zum anderen können bereits absolvierte oder aber für die Zukunft gewünschte Fortbildungen ein entscheidender Punkt bei einem Bewerbungsgespräch sein.

 

 

Wo finde ich die passende Fortbildung?

Auf der Suche nach der geeigneten Fortbildung empfiehlt sich als erstes ein Blick auf die Fortbildungsangebote der Länder bzw. der zugehörigen Landesinstitute für Lehrerbildung. Manche Bundesländer unterhalten mittlerweile Suchmaschinen, um das Auffinden von einzelnen Angeboten zu vereinfachen. Es lohnt sich, sich zunächst intensiv mit den relevanten Seiten der Länder zu beschäftigen, da sie wiederum auf zahlreiche weiterführende Seiten verweisen.

Auch Stiftungen mit Schwerpunkt Bildung und Bildungsförderung bieten empfehlenswerte Fortbildungen für Lehrkräfte an. Bei der Suche nach Stiftungen hilft eine Online-Datenbank mit mehr als 10.000 Stiftungseinträgen. Noch ausführlicher ist das Verzeichnis Deutscher Stiftungen, das über 20.000 Stiftungen listet (überarbeitete Auflage erscheint im Herbst 2014).

Wer sich in Sachen schulische Führungspositionen, Schulmanagement und Schulentwicklung weiterbilden möchte oder gezielt eine Fortbildung zur Tätigkeit als Schulleitung anstrebt, findet entsprechende Fortbildungsangebote unter anderem auch an Universitäten oder Fach(hoch)schulen.

 

 

Neue Möglichkeiten dank digitaler Medien

Eine gut handhabbare Weiterbildungsmethode sind Online-Weiterbildungen bzw. Maßnahmen auf E-Learning-Basis. Denn hierbei sind die Teilnehmer flexibel in der zeitlichen Planung und können die Maßnahme im eigenen Tempo – und damit gut auch neben der Berufstätigkeit – absolvieren.

 

 

Entscheidungshilfe in Sachen Fortbildung

Doch welche Fortbildungsmaßnahmen sind nachhaltig sinnvoll? Welche neuen Trends sind in den nächsten Jahren zu erwarten? Und wo können Lehrkräfte sich eingehender in Sachen Lehrerfortbildungen informieren? Ein wichtiger Wegweiser ist der Deutsche Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung (DVLfB). Als länderübergreifende Instanz ermöglicht er zum einen die Kooperation der verschiedensten Fortbildungsanbieter und behält deren Professionalisierung im Auge. Darüber hinaus identifiziert er künftig relevante Fortbildungsbereiche, setzt sich mit neuen medialen Möglichkeiten auseinander und kommuniziert mit Behörden. Überdies unterhält der DVLfB eine umfassende Datenbank mit Links zu Fortbildungsanbietern  und gibt die Zeitschrift forum Lehrerfortbildung heraus, die über Innovationen im Fortbildungssektor informiert.

Bewerben an Privatschulen: Vorbereiten und Informieren (Teil 1)

Anschreiben, Lebenslauf, Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse sind obligatorische Bestandteile einer Bewerbung. Doch bis diese optimal verfasst, gestaltet und auf den potenziellen Arbeitgeber in spe zugeschnitten sind, bedarf es einiger vorbereitender Schritte und Entscheidungen. Dazu gehört neben einem exakten Interpretieren der Stellenausschreibung vor allem auch die Informationsbeschaffung über die potenzielle Arbeitsstätte.

 

Voraussetzungen für die Arbeit an Privatschulen

Generell gilt: Lehrkräfte können sich an Schulen in freier Trägerschaft bewerben, wenn sie über eine fachliche und pädagogische Eignung verfügen. Eine volle staatliche Lehrerausbildung ist nicht verpflichtend, jedoch gern gesehen. Denn nach Artikel 7 Absatz 4 des Grundgesetzes darf die wissenschaftliche Ausbildung der Lehrkräfte an Privatschulen nicht hinter denen an öffentlichen Schulen zurückstehen. Je nach Art der Schule in freier Trägerschaft benötigen potenzielle Lehrkräfte jedoch bestimmte Zusatzausbildungen, wie beispielsweise eine Waldorflehrer-Ausbildung. Daher ist es in einem ersten Schritt unerlässlich, sich genau über die Anforderungen der Schule zu informieren.

 

Die Stellenausschreibung

Entscheidende Informationen über die Anforderungen an potenzielle Bewerber sollte zunächst bereits die Stellenausschreibung enthalten. Diese ist daher genau zu lesen und mit den eigenen Qualifikationen abzugleichen. Umgekehrt müssen auch die vom potenziellen Arbeitgeber genannten Angebote kritisch hinterfragt werden: „Ist es wirklich das, was ich suche und leisten kann?“

 

Informieren über den möglichen Arbeitgeber

Selbstverständlich gehört zur Vorbereitung einer Bewerbung das Studieren der Homepage der entsprechenden Schule. Ist die Schule in einem Verband oder einer Trägervereinigung organisiert, sollten Bewerber auch deren Websites intensiv betrachten und sich innerhalb des pädagogischen Konzepts selbst „verorten“: „Welche Bestandteile des Konzeptes passen besonders/gar nicht zu mir?“ und „Verfüge ich in dieser speziellen pädagogischen Richtung schon über Erfahrungen?“ Sehr wertvoll sind, sofern verfügbar, auch Meinungen und Erfahrungen Dritter.

 

Allgemeine Informationen über Vorteile und Eigenschaften von Privatschulen gibt auch der Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. (VDP). Da gerade Schulen in freier Trägerschaft über ein fundiertes Schulprogramm verfügen und oft bestens vernetzt sind, ist es ratsam, sich auch über die Region und eventuelle Kooperationen zu informieren. Wichtig: Wie alle Arbeitgeber möchten auch Schulen gerne hören, warum man gerade bei ihnen arbeiten möchte. Es ist daher wichtig, hierfür Argumente zu finden. Und nicht zuletzt: Spätestens beim Vorstellungsgespräch wird das Thema Gehalt thematisiert werden. Es kann nur von Vorteil sein, sich hiermit bereits in der Bewerbungsphase auseinanderzusetzen.

 

Das Telefonat vorab

Eine Möglichkeit, sich zusätzlich vorzubereiten bzw. sich bei dem potenziellen Arbeitgeber bereits „einen Namen zu machen“, ist ein Telefonat vorab. Ziel eines solchen Gespräches ist, etwas zu erfahren, das man als Bewerber im späteren Anschreiben verwerten kann, z. B. indem man über ein Telefonat den konkreten Ansprechpartner herausfindet, oder erfährt, worauf dieser in punkto Qualifikation besonderen Wert legt. Gelingt dies, hebt man sich als Bewerber in jedem Fall positiv von Mitbewerbern ab.

Digitales Lehren und Lernen: „Quo vadis, Schulbuch?“

Online-Medien, E-Books, Apps, Wikis und andere digitale Lösungen halten immer mehr Einzug in den Schüler- und Lehrer-Alltag. Doch können sie gedruckte Schulbücher eines Tages ersetzen? Was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile gedruckter und digitaler Medien? Welche elektronischen Angebote sind beispielsweise für die Unterrichtsvorbereitung hilfreich? Und welche Lösungen wären in Zukunft wünschenswert? Um diesen und verwandten Fragen nachzugehen, hat die Universität Augsburg 2013 im Rahmen des Forschungsprojektes „Bildungsmedien online“ eine bundesweite Umfrage unter rund 900 Lehrkräften durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen: Mehr als die Hälfte der befragten Lehrkräfte nutzt Online-Inhalte, um das in gedruckten Schulbüchern enthaltene Wissen um aktuelle Fakten, Zahlen, Grafiken, Abbildungen oder Videos zu ergänzen. Schulbücher sind zwar nach wie vor hoch anerkannt und werden gegenüber Online-Materialien als höherwertig angesehen. Doch dienen sie mittlerweile vielen Lehrkräften eher als ein roter Faden durch die Vorgaben des Lehrplans als ein Medium, das alle Unterrichtsinhalte abdeckt.

 

Bücher liefern „geprüfte Qualität“

Die Suche im Internet hat ihre Tücken: Eine Recherche nach für den Unterricht verwertbaren Online-Inhalten geschieht bislang zumeist nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Anders gesagt: Von einer systematischen Nutzung kann noch keine Rede sein. Dies liegt zum einen daran, dass es eine schier unübersehbare Fülle an geeigneten Materialien gibt, die jedoch permanent neu entstehen – und wieder verschwinden können. Zudem existiert kein zentrales Portal, das fach- und jahrgangsübergreifend Materialien für Lehrkräfte bündelt. Auch ein Austausch der Pädagogen untereinander kann so nicht stattfinden.

Zwischen dem Endverbraucher-Wunsch nach aktuellen, den Unterricht bereichernden Materialien und der Realität in punkto Online-Lernmedien klafft somit eine große Lücke. Dies belegen auch die Bildungszahlen 2014, herausgegeben vom Verband Bildungsmedien: 2011 wünschten sich demnach 70 % der Deutschen die schnelle Einführung digitaler Schulbücher. Im Jahr 2013 jedoch hatten sich nur 0,06 % der Deutschen einen (kostenlosen und anonymen) Account zum Ausprobieren digitaler Schulbücher zugelegt.

Dies zeigt: Auch wenn Online-Bildungsmedien zahlreiche Vorteile haben, ist die Schwellenangst offenbar hoch. Ein Grund mag die Undurchschaubarkeit der Anbieter sein. Endverbraucher denken hier – verständlicherweise – noch in alten Kategorien: Lerninhalte die in Buchform erscheinen, haben einen langen Entstehungsprozess durchlaufen, denn sie sind mindestens durch Autoren- und Verlagsredaktionshände gegangen. Renommierte Verlagsnamen tun ihr Übriges, Büchern zu Seriosität und Glaubwürdigkeit zu verhelfen. Anders ist es jedoch bei online publizierten Inhalten. Hier gibt es nicht automatisch eine „Kontrollinstanz“ und in vielen Fällen auch keinen Verlag, der mit seinem Namen für die Qualität der Inhalte bürgt.

 

„Selbst ist der Lehrer“

Wie sehr sich viele Lehrkräfte an der zeitaufwendigen Suche nach Materialien im Internet stören, zeigt eine Initiative zweier Pädagogen in Berlin. Frustriert von der immer wieder notwendigen Suche nach aktuellen Materialien für den Biologieunterricht kamen sie auf die Idee, eine lehrplankonforme zentrale Plattform, ein „digitales Schulbuch“ für Unterrichtsmaterialien zu gründen. Nach dem Vorbild der Online-Enzyklopädie Wikipedia sollte es frei zugänglich, umsonst und für jeden nutzbar sein. Die beiden Lehrer sammelten also Materialien im Netz, schrieben einige Artikel selbst, vernetzten und machten auf ihr Projekt aufmerksam. Das Ergebnis war bahnbrechend: Als der „Schulbuch-O-Mat“ online ging, konnte er bereits in der ersten Woche über 1.300 Downloads verzeichnen. Auf die Frage, was der Nachteil von Schulbüchern im Vergleich zu digitalem Lehr- und Lernmaterial sei, antworten die beiden Pädagogen im ZEIT-Interview: „Da werden die alten Strukturen überhaupt nicht losgelassen, es ist der immer gleiche Saft, immer wieder aufgefrischt.“ Zudem seien die Herstellungskosten für Bücher hoch und ressourcenintensiv – bei einer relativ kurzen Halbwertszeit des gedruckten Buches. Der Schulbuch-O-Mat hingegen lebt von der Interaktion vieler Nutzer, die die Inhalte selbst auch editieren, ergänzen oder aktualisieren können.

 

Quo vadis?

Bleibt die Frage nach der Zukunft des Schulbuchs: Wie die Augsburger Studie zeigt, ist der Wunsch nach digitalen Medien und Inhalten ohne Zweifel vorhanden. Dennoch ist der Schritt zu einem rein digitalen Schulbuch bei einem Großteil der Lehrerschaft mit Schwellenängsten behaftet. Zum Teil ist dies sicher auch einer Hemmung vor technischen Innovationen geschuldet. Eine der diesbezüglich spannendsten Fragen der nächsten Jahre wird daher sein, ob es den renommierten Schulbuchverlagen gelingt, ihre gute Reputation dazu zu nutzen, auch bei Online-Inhalten zu überzeugen.

 

Lehrkräfte-Nachwuchs: Es geht um die Attraktivität eines Berufes

Es ist eines der kniffligsten Ergebnisse der internationalen Bildungsrankings und bestätigt einen Zusammenhang, der – darin sind sich Bildungsforscher einig – in Deutschland bislang zu wenig Beachtung fand: In all jenen Ländern, die in PISA & Co. Spitzenplätze belegen, genießt der Lehrerberuf höchstes Ansehen. In Deutschland hingegen ist seine Reputation in den letzten Jahrzehnten beträchtlich gesunken. Meldungen von Überforderung, Burnout und stressbedingten Krankheiten unter Lehrkräften tun ein Übriges. Dabei zeigen Analysen, zuletzt die viel beachtete Hattie-Studie, dass den Lehrkräften bei der Vermittlung von Wissen die entscheidende Rolle zukommt. Viel mehr noch als schulische Rahmenbedingungen zu ändern und das System durch ständige Reformen zu destabilisieren, sollte alle Energie darin investiert werden, gute angehende Lehrkräfte zu finden und auszubilden. Dieses Engagement setzt bereits in einem sehr frühen Stadium ein, nämlich bei der Zulassung potenzieller Kandidaten zum Lehramtsstudium.

 

Beratung statt Praxisschock

Wer kommt für den Lehrberuf in Frage? Welche Kriterien müssen geeignete Kandidaten erfüllen? Und wie können sie gefunden werden? Diese drei zentralen Fragen stellt die Studie „Strategisches Recruitment von zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern – sinnvoll und machbar?!“. Veröffentlicht wurde diese nun auf dem Portal www.monitor-lehrerbildung.de, einer Kooperation von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Das Fazit in knappen Worten: Eine systematische Anwerbung, Beratung und Begleitung von geeigneten Kandidaten für den Lehramtsberuf ist in Deutschland bislang fast nicht existent, weder auf Universitäts- noch auf Länderebene. Dabei ist es wichtiger denn je, genügend angehende Lehrkräfte auszubilden. Denn der Bedarf an Nachwuchs ist hoch und die Überforderung vieler Junglehrer im Alltagseinsatz groß.

Eine elementare Voraussetzung, erfolgreich Kandidaten für einen Beruf anzuwerben, so ein weiteres Ergebnis der Studie, ist dessen Attraktivität. Dass der Lehrerberuf hierzulande nicht das beste Image hat, wird sich nicht ad hoc ändern lassen. Wohl aber die Wertschätzung, die Lehramtskandidaten entgegengebracht wird. Hierfür sollten Hochschulen Lehramts-Studierende willkommen heißen und ihnen ein klar strukturiertes Studienangebot mit zahlreichen Beratungsmöglichkeiten bieten. Darüber hinaus wäre auch innerhalb des Studiums eine gewisse Flexibilität wünschenswert. Beispielsweise sollte es Lehramts-Studierenden möglich sein, hinsichtlich der angestrebten Schulform zu wechseln, oder aber auch, falls sich eine entsprechende Entwicklung abzeichnet, sich für einen anderen Berufsweg zu entscheiden.

 

Die Realität an deutschen Hochschulen

Vier Maßnahmen hat die auf Monitor Lehrerbildung veröffentlichte Studie als wirksam für ein strategisches Recruiting von Lehrkräften identifiziert:

– Projekte/Programme zur Rekrutierung von Lehramtsstudierenden

– Beratungsgespräche als Zulassungsvoraussetzung

– verpflichtende Eignungspraktika

– Eignungstests als Zulassungsvoraussetzung

Die Befragung von insgesamt 65 lehrerbildenden Hochschulen in Deutschland ergab: Keine Bildungseinrichtung führt alle vier Maßnahmen durch. Nur 17 von 65 Hochschulen (26 %) praktizieren mindestens drei der vier genannten Maßnahmen. Lediglich die Hälfte der befragten Einrichtungen verlangt vor Studienbeginn einen obligatorischen Eignungstest und nur 3 % der Hochschulen sehen ein verpflichtendes Eignungspraktikum vor. Lehramtsspezifische Auswahlgespräche oder Assessment-Center hingegen sind bislang kaum zu finden.

 

Vorreiter in Sachen Studienbegleitung

Als eine der wenigen deutschen Unis lässt beispielsweise die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität interessierte Bewerber nicht „ohne Weiteres“ auf Lehramt studieren. Stattdessen bietet sie vor und während des Studiums wiederkehrende Beratungen und Überprüfungen an. Einige von ihnen sind obligatorisch. Jedem Lehramtsstudium ist zunächst ein Orientierungsmodul vorgeschaltet, das den angehenden Studierenden erste Infos zum Studium gibt. Im Anschluss empfiehlt die Uni, das Seminar „Lehrer werden – was kommt auf mich zu?“ zu belegen. Hier werden die persönlichen Beweggründe für die Studienwahl noch einmal unter die Lupe genommen. Im Laufe des Studiums können Studierende schließlich weitere Seminare zum Thema „Eignung für den Lehrerberuf“ sowie verschiedene Studien- und Eignungsberatungen in Anspruch nehmen. Zentraler Tenor hierbei: „Sind Sie sich im Klaren darüber, welche Belastungen und Anforderungen der Lehrerberuf mit sich bringt?“.

 

Was zählt?

Doch welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sind schlussendlich entscheidend für Erfolg in Sachen Lehramtsstudium? Müssen sich Schulabgänger, die sich für den Lehramtsberuf interessieren, vor harten Auswahlmaßnahmen fürchten? Und wie sehen die Kriterien aus? Manfred Prenzel, Dekan der Lehrerbildungsfakultät der Technischen Universität München drückt es im Interview mit dem didacta magazin so aus: „Grundsätzlich wollen wir jedem die Chance geben, sich im Studium zu erproben.“ Er räumt ein, dass nur in sehr seltenen Fällen Empfehlungen für eine andere Studien- und Berufswahl ausgesprochen werden. Vielmehr helfen die universitären Beratungsgespräche den Studierenden dabei, sich über die Arbeitsmodalitäten an Schulen klarzuwerden und den einen oder anderen Aspekt der Lehramts-Ausbildung zu vertiefen. Dies können kommunikative Fähigkeiten ebenso sein wie Zeitmanagement, ein selbstsicheres Auftreten oder Selbstmotivation. Auch an den immer wieder nötigen intensiven Blick in die Praxis, beispielsweise durch studienbegleitende Praktika, erinnern die Berater. Denn nur so lässt sich dauerhaft der Praxisschock vermeiden.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 7: Konfessionelle Schulen (evangelisch)

Konfessionelle Schulen zeichnen sich durch ihre enge Anlehnung an eine Glaubensrichtung aus – in Deutschland also hauptsächlich an die katholische oder die evangelische Konfession. 2011 besuchten hierzulande etwa 442.000 Schülerinnen und Schüler eine konfessionelle Schule, von Grundschulen über Haupt- und Realschulen bis zu Gymnasien. Auf evangelische Schulen entfielen hierbei rund 115.000, auf katholische circa 327.000 Schülerinnen und Schüler. Größter und bedeutendster Träger der evangelischen Schulen in Deutschland sind die Landeskirchen, gefolgt von Trägerstiftungen/Trägergemeinschaften, Schulverbänden und Förderstiftungen.

Evangelische Schulen sind jedoch nicht zu verwechseln mit den sogenannten Bekenntnisschulen. Hinter diesem Begriff verbergen sich evangelikal orientierte Schulen. Sie sind organisiert im Verband Evangelischer Bekenntnisschulen e.V.  (VEBS). Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen informiert in einem Statement über deren Ziele und Weltanschauungen und distanziert sich explizit von Bekenntnisschulen.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Neben der fachlichen und pädagogischen Qualifikation ist für eine Tätigkeit an einer evangelischen Schule die Identifizierung mit der konfessionellen Ausrichtung unabdingbar. Generell sind Lehrkräfte an freien konfessionellen Schulen auch als „Persönlichkeitserzieher“ gefragt, die ihren Schülern den christlichen Wertekanon vermitteln sollen. Eine deutliche Nähe zum christlichen Weltbild bzw. Erfahrung in der christlich geprägten Kinder- und Jugendarbeit sind daher Voraussetzung. Jedoch variiert die Rolle der Konfession – und damit auch die Anforderungen an potenzielle Lehrkräfte – von Schule zu Schule.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Da sich freie konfessionelle Schulen eng am staatlich vorgegebenen Lehrplan orientieren, bewegen sich die Möglichkeiten der inhaltlichen Unterrichtsgestaltung größtenteils innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens. Jedoch gibt es für Lehrkräfte umso mehr Möglichkeiten, sich pädagogisch bzw. gestalterisch einzubringen. Viele freie evangelische Schulen verfügen darüber hinaus über ein dezidiertes Schulprofil, für dessen Erarbeitung bzw. Umsetzung sich Lehrkräfte engagieren können.

 

Entstehung

Etwa anderthalb Jahrtausende lang waren in Mitteleuropa Kirchen und andere Religionsgemeinschaften die einzigen Träger von Bildungseinrichtungen. Erst in den letzten Jahrhunderten verbreiteten sich staatliche Schulen in größerem Maße. Heute sind in Deutschland konfessionelle Schulen gegenüber staatlichen Schulen in der Minderzahl. 2007 waren insgesamt 115.000 Schüler an evangelischen und 2009 rund 325.000 Schüler an katholischen Schulen eingeschrieben. Eine Ausnahmeregelung gibt es in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Dort sind konfessionelle Schulen als staatliche Schulen in der Trägerschaft von politischen Gemeinden.

 

Umsetzung in die Praxis

In heutigen evangelischen freien Schulen bleibt der vermittelte Stoff von den konfessionellen Lehrinhalten meist unangetastet. So wird im Biologieunterricht natürlich die Evolutionstheorie und nicht die Schöpfungsgeschichte gelehrt. Eines der Hauptziele evangelischer Schulen ist es, die Persönlichkeit der Kinder ausbilden zu helfen und Gemeinschaftsgeist zu entwickeln – nach den Leitbildern der konfessionellen Ausrichtung. Zudem ermöglichen sie Kindern, sich mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Zum Schulalltag gehören neben morgendlichen Gebeten auch regelmäßige Schulgottesdienste. Der Besuch des Religionsunterrichts ist obligatorisch. Darüber hinaus engagieren sich die Schülerinnen und Schüler oft auch in karitativen Einrichtungen oder helfen schwächeren Mitschülern. Meistens gehören die Kinder der Konfession an, die den Schwerpunkt der pädagogischen Einrichtung bildet, dies ist in evangelischen freien Schulen jedoch nicht Pflicht.

 

Status

Evangelische konfessionelle Schulen sind staatlich anerkannte Ersatzschulen und vermitteln als solche die Inhalte der Bildungspläne der öffentlichen Schulen. Sie ermöglichen ihren Schülerinnen und Schülern staatlich anerkannte Abschlüsse, sofern nicht ein besonderer pädagogischer Schwerpunkt besteht, der dies einschränkt.

 

Finanzierung

Wie alle Schulen in freier Trägerschaft erhalten evangelische konfessionelle Schulen staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Bei den Elternbeiträgen achten konfessionelle Schulen in besonderem Maße auf die finanziellen Möglichkeiten der Eltern. So gibt es an vielen Schulen reduzierte Schulgelder. Eine zusätzliche Finanzierung erfolgt durch Spenden.

 

Weitere Informationen

Das Portal Evangelische Schulen in Deutschland gibt Auskunft über Organisation und Struktur evangelischer Schulen in freier Trägerschaft. Unterhalten wird es vom Arbeitskreis Evangelische Schule und von der Wissenschaftlichen Arbeitsstelle Evangelische Schule.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 6: Montessori-Schulen

Rund 1.000 Schulen und Kindertagesstätten in Deutschland arbeiten nach der reformpädagogischen Montessori-Lehre, davon etwa 600 Kitas, auch „Kinderhäuser“ genannt. Zu den 400 Montessori-Schulen (etwa 300 Primarschulen und 100 weiterführende Schulen) zählen sowohl Schulen in freier Trägerschaft, als auch staatliche Schulen mit Montessori-Zweigen. Bei den freien Trägerschaften handelt es sich in der Regel um kirchliche Trägerschaften oder um Elterninitiativen. Die Verteilung der weiterführenden Montessori-Schulen auf Schulformen stellt sich wie folgt dar: Gymnasien 40 %, Gesamtschulen 25 %, Hauptschulen 20 %, Realschulen 15 %. Zusammengefasst werden die Prinzipien der Montessori-Pädagogik in dem Satz: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Hiernach sollen Kinder und Jugendliche sich möglichst frei entfalten und für sich selbst die passenden Lernwege finden. Sie erhalten dabei zwar Unterstützung durch Erzieher bzw. Lehrkräfte, erfahren aber durch eigenständiges Erarbeiten eine Stärkung ihrer Persönlichkeit.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Pädagogen, die an Montessori-Schulen tätig werden möchten, benötigen eine dezidierte Montessori-Ausbildung, die in der Regel nach der staatlichen Lehramts- bzw. Erzieher-Ausbildung in Montessori-Ausbildungsorganisationen absolviert wird. Unabhängig von der Ausbildung sollten an Montessori-Schulen interessierte Lehrkräfte über fundierte Beobachtungs- und Problemlösungsfähigkeiten verfügen, da diese für den pädagogischen Alltag unverzichtbar sind. Eine wohlwollende Haltung gegenüber der Montessori-Pädagogik wird vorausgesetzt.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Da die Zahl der Montessori-Schulen in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist, stellen Montessori-Schulen immer mehr ein Betätigungsfeld mit Zukunft dar.

 

Entstehung

Die Montessori-Pädagogik fußt auf dem Gedankengut der Ärztin und Reformpädagogin Maria Montessori (1870 – 1952), die ab Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Lehren in sogenannten Montessori-Ausbildungskursen weitergab. In Deutschland fanden diese großen Anklang und es entstanden schon vor 1920 mehrere Montessori-Kinderhäuser und -Schulen. 1925 wurde die Deutsche Montessori Gesellschaft gegründet.

Während des Zweiten Weltkriegs mussten alle Montessori-Einrichtungen geschlossen werden, erlebten aber nach 1945 eine rasche Renaissance. Seit den 1980er-Jahren erfreuen sich Montessori-Einrichtungen ungebrochen wachsender Beliebtheit. Gerade die Anzahl von Schulen in freier Trägerschaft ist in den letzten 20 Jahren rasant angestiegen. So waren beispielsweise im Montessori Landesverband Bayern bei seiner Gründung 1985 fünf Montessori-Schulträger organisiert, heute sind es 80.

 

Umsetzung in die Praxis

Ein entscheidendes Element der Montessori-Pädagogik ist die Freiarbeit, die neben dem Fachunterricht gleichberechtigter Teil des Stundenplans ist. Die Freiarbeit gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich denjenigen Lerninhalten zuzuwenden, für die sie sich am meisten interessieren. Auch beim Fachunterricht können die Kinder und Jugendlichen in gewissem Maße entsprechend ihrer Interessen wählen. Feste Lehrpläne, Noten oder Klausuren gibt es an Montessori-Schulen nicht. Die meisten Montessori-Schulen sind Ganztagsschulen, sodass überdies auch das gemeinsame Mittagessen und die Nachmittagsbetreuung fester Bestandteil des Tagesablaufs sind.

 

Status

Private Montessori-Grundschulen sind generell staatlich genehmigte Ersatzschulen. Bei den weiterführenden Montessori-Schulen ist der Status unterschiedlich: Teils sind es Ergänzungsschulen, an denen kein staatlich anerkannter Abschluss abgelegt werden kann. Neben diesen entstehen jedoch immer mehr Montessori-Oberschulen (MOS), an denen Schülerinnen und Schüler auch das Abitur ablegen können.

 

Finanzierung

Die Finanzierung des Besuchs einer Montessori-Schule hängt eng mit deren Status (s.o.) zusammen. Staatliche Schulen mit Montessori-Zweig sind anderen staatlichen Schulen gleichgestellt. Der Montessori-Fokus ist bei diesen lediglich ein pädagogischer, nicht aber ein konzeptioneller Schwerpunkt.

Montessori-Schulen mit dem Status „staatlich genehmigte Ersatzschule“ erhalten wie alle freien Schulen staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Weitere Informationen zum Status und zur Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft gibt eine entsprechende Broschüre des Verbands deutscher Privatschulverbände (VDP).

 

 

Weitere Informationen

Der Montessori-Dachverband Deutschland (MDD) informiert über Inhalte der Montessori-Pädagogik sowie über Montessori-Einrichtungen.

Privatschulen mit besonderen pädagogischen Schwerpunkten Teil 5: Schulen für Hochbegabte

Als hochbegabt gilt, wer über einen Intelligenzquotienten von 130 oder höher verfügt. Zum Vergleich: Einen IQ von 100 erreichen ca. 50 % der Bevölkerung, ein IQ von 115 attestiert bereits die Fähigkeit zu Bestleistungen. In Deutschland geht man von ca. 360.000 hochbegabten Kindern aus. De facto können Schülerinnen und Schüler mit besonderer Begabung ihre Fähigkeiten jedoch nur dann voll entfalten, wenn sie gezielt gefördert werden. In „normalen“ Schulen fallen Hochbegabte daher nicht zwangsläufig durch herausragende Leistungen auf – im Gegenteil: Oft führt die Unterforderung im Unterricht zu innerer Abkehr oder gar zur Auflehnung gegen die Schule. Nicht selten sind hochbegabte Kinder daher auch verhaltensauffällig. Um Kinder mit Hochbegabung ganzheitlich fördern zu können, sind in den letzten Jahrzehnten in Deutschland mehrere private Schulen für Hochbegabte entstanden.

 

Anforderungen an Lehrkräfte

Hochbegabte Kinder entwickeln ihre herausragenden Fähigkeiten in den unterschiedlichsten Feldern, wie beispielsweise im logisch-mathematischen, kreativ-künstlerischen, sprachlichen, musikalischen, sportlichen oder sozialen Bereich. Lehrkräfte an Privatschulen für Hochbegabte benötigen daher ein besonders fundiertes Wissen in ihrem Fachbereich und die Bereitschaft, sich kontinuierlich intensiv weiterzubilden. Darüber hinaus sind Einfühlungsvermögen, Geduld und Empathie unerlässlich.

 

Entfaltungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

Lehrkräften, die sich zur intensiven Betreuung und Förderung Begabter berufen fühlen, bieten sich besonders an privaten Schulen für Hochbegabte zahlreiche Entfaltungsmöglichkeiten. Von Vorteil ist einschlägige Erfahrung in der Arbeit mit Begabten und/oder eine entsprechende Weiterbildung. Am Internationalen Centrum für Begabungsforschung Münster (ICBF) können Lehrkräfte unter anderem das Weiterbildungsstudium „Specialist in gifted Education“ absolvieren. Dieses schließt mit dem sogenannten ECHA-Diplom ab (European Council for High Ability). Das Studium liefert zum einen Hintergrundwissen zu den Themen Intelligenz, Motivation, Kreativität und individuelle Förderung und führt Lehrkräfte zum anderen praktisch in die optimale Begleitung von Hochbegabten ein. Ein weiterer Fokus liegt auf der Diagnostik von Hochbegabung. Neben dem ECHA-Diplom können Lehrkräfte am ICBF auch Abschlüsse zum ECHA-Coach sowie zum Beratungslehrer absolvieren.

 

Entstehung

Die Förderung Hochbegabter steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Von einer systematischen, gezielten Förderung kann erst seit den frühen 1980er-Jahren die Rede sein. Da staatliche Schulen auf die Bedürfnisse von Kindern mit besonderer Begabung nur sehr eingeschränkt eingehen können, haben sich in Deutschland einige Privatschulen dieser Aufgabe verschrieben.

 

Umsetzung in die Praxis

Privatschulen für Hochbegabte existieren in zwei unterschiedlichen Modellen: Einige Schulen nehmen ausschließlich hochbegabte Schülerinnen und Schüler auf und unterrichten diese in relativ kleinen Klassen. An anderen Privatschulen lernen sowohl „normal“ begabte als auch hochbegabte Kinder und Jugendliche. Allerdings werden dort für Hochbegabte eigene Klassen und/oder Fördergruppen unterhalten. Generell gehen Schulen für Hochbegabte über die regulären Lehrpläne hinaus und fördern ihre Schülerinnen und Schüler so individuell wie möglich. Wie dies im Einzelnen in die Praxis umgesetzt wird, variiert von Schule zu Schule.

 

Status

Die Abschlüsse von privaten Schulen für Hochbegabte sind in Deutschland anerkannt, sofern nicht ein besonderer pädagogischer Schwerpunkt besteht, der dies einschränkt.

 

Finanzierung

Als staatlich genehmigte Ersatzschulen erhalten private Schulen für Hochbegabte staatliche Zuschüsse, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Sie decken zwischen 50 und 60 % der schulbetrieblichen Kosten. Der restliche Kostenteil stammt aus Elternbeiträgen und Eigenmitteln. Weitere Informationen zum Status und zur Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft gibt eine entsprechende Broschüre des Verbands deutscher Privatschulverbände (VDP).

 

Weitere Informationen

Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. (DGhK) informiert über Hintergründe zur Hochbegabung sowie über regionale und überregionale Beratungsmöglichkeiten. Informationen zu Weiterbildungen für Lehrkräfte liefert das Internationale Centrum für Begabungsforschung Münster (ICBF).

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