Archiv für die Kategorie „Berufsbild Lehrer/in“

Lehrergesundheit – 25 Programme und Projekte

Obwohl Lehrkräfte im Vergleich zur restlichen Bevölkerung ein insgesamt gesundheitsförderlicheres Verhalten aufweisen, treten einige gesundheitliche Beschwerden in dieser Berufsgruppe doch verstärkt auf, so das Fazit einer Untersuchung, veröffentlicht 2015 im Deutschen Ärzteblatt.

Zu den besonderen Belastungen von Lehrerinnen und Lehrern gehören demnach vor allem Erschöpfungszustände, Kopfschmerzen, erhöhte Reizbarkeit bis hin zu massiven psychischen Störungen, Burnout und Depressionen. Das Thema Lehrergesundheit rückt daher immer mehr in den Fokus des Interesses.

Die Kultusministerkonferenz hat bereits 2012 umfangreiche „Empfehlungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule“ herausgegeben.

Zudem gibt es diverse länderspezifische Programme – sowohl präventiver als auch therapeutischer Art. Nicht zuletzt haben sich auch einige kommerzielle Anbieter auf die Gesundheitserhaltung bzw. -wiederherstellung von Lehrkräften spezialisiert. Ein Überblick.

  • Baden-Württemberg: Informationsportal zum Arbeits- und Gesundheitsschutz für Lehrkräfte in Baden-Württemberg sowie Programm zur Lehrergesundheit des Bildungsservers Baden-Württemberg
  • Bremen: GeSA – Gesund am Arbeitsplatz Schule
  • Mecklenburg-Vorpommern: Lehrergesundheit – Betriebliches Gesundheitsmanagement an den öffentlichen Schulen in MV
  • Sachsen: ZAGS – Kompetenzzentrum für Lehrberufe

Trainings von kommerziellen Anbietern

Das Portal Lehrergesundheit.eu wird unterhalten von einem interdisziplinären Zusammenschluss mehrerer Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg, darunter Psycholog*innen, Sozialpädagog*innen und Lehrkräfte. Das Team bietet verschiedene Trainings, SchilFs, Workshops sowie Coaching an.

Die Raabe Akademie bietet schulinterne Lehrerfortbildungen (SchiLf) zu spezifischen Themen rund um die Lehrergesundheit, wie etwa Stressbewältigung, Konflikttraining, Mobbing-Prävention.

Das Portal Cornelsen scook versorgt Lehrkräfte mit Hintergrundinformationen, Literaturtipps, Achtsamkeitsübungen und Anregungen zur Bewältigung der täglichen Anforderungen.

AGIL ist ein Training zur Gesundheitsförderung für Lehrerinnen und Lehrer. Dabei steht „AGIL“ für „Arbeit und Gesundheit im Lehrerberuf“.

Lehrkräfte ins Ausland: Internationalisierung der Lehramtsausbildung

Interkulturelle Kompetenz, Auslandserfahrungen und Weltgewandtheit werden zunehmend von Bewerberinnen und Bewerbern gefordert und sollen möglichst bereits in der Ausbildung erworben werden. Dem entgegen steht jedoch die Tatsache, dass gerade Lehrkräfte hierzulande häufig in nur geringem Maße Auslandserfahrungen sammeln – erstrecht im Rahmen der Ausbildung. Dabei sind diese ein wichtiger Motor auch für die Persönlichkeitsentwicklung von Lehrkräften. Nicht zuletzt sind Auslandserfahrungen wichtige Voraussetzungen, um als Lehrkraft der zunehmenden kulturellen, religiösen und sprachlichen Diversität souverän zu begegnen und dies an Schülerinnen und Schüler weiterzugeben.

Neues Programm ebnet Wege ins Ausland

Auslandsaufenthalte sind in Deutschland bislang nicht Bestandteil der Curricula der Lehramtsausbildung. Um angehenden Lehrkräften die Möglichkeit für Auslandserfahrungen zu eröffnen, hat der DAAD das Programm Lehramt.International aufgesetzt. Es richtet sich sowohl an Lehramtsstudierende als auch an Absolventen vor dem Übergang zum Referendariat.

Programm für Lehramtsstudierende

Bewerben können sich an deutschen Hochschulen Studierende aller Fächerkombinationen und aller Schulformen ab dem 1. Fachsemester eines Lehramtsstudiengangs (Bachelor, Staatsexamen) sowie Studierende im Masterstudiengang. Die Teilnehmenden am Programm erhalten ein Stipendium für selbstorganisierte Praktika an schulischen und Hochschuleinrichtungen im Ausland. Die Dauer der Förderung beträgt 1 bis 6 Monate. Das Stipendium umfasst:

  • Monatliche Stipendienrate (Höhe je nach Gastland)
  • Reisekostenzuschuss
  • Leistungen zur Kranken-, Unfall- und Privathaftpflichtversicherung

Programm für Absolventen vor dem Übergang zum Referendariat

Bewerben können sich Absolventinnen und Absolventen von Lehramtsstudiengängen (Master oder Staatsexamen) aller Fächerkombinationen und aller Schulformen, die vor dem Referendariat bzw. zwischen dem ersten und zweiten Staatsexamen stehen. Die Dauer der Förderung beträgt 6 bis 12 Monate. Das Stipendium umfasst:

  • Monatliche Stipendienrate (Höhe je nach Gastland)
  • Reisekostenzuschuss
  • Leistungen zur Kranken-, Unfall- und Privathaftpflichtversicherung

Als Lehrkraft an einer deutschen Auslandsschule arbeiten

Auch für bereits erfahrene Lehrkräfte kann eine Tätigkeit im Ausland äußerst bereichernd sein. Weiterführende Informationen zum Thema liefern die Artikel „Lehrmöglichkeiten an deutschen Schulen im Ausland“ sowie „Bewerbung und Vorbereitung: Als deutsche Lehrkraft ins Ausland“.

Hier finden Sie überdies aktuelle LehrCare-Stellenausschreibungen im Ausland.

15 Blogs von und für Lehrkräfte (Stand 2018)

Dass viele Lehrkräfte für ihren Beruf brennen, sich engagieren – und einiges mit sehr viel Humor nehmen, beweisen die zahlreichen deutschsprachigen Lehrerblogs. Folgende Blogs sind derzeit aktuell und erfreuen sich großer Beliebtheit – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Tipp: Für weitere Blog-Empfehlungen die Blogrolls der hier erwähnten Blogs besuchen.

 

Aus dem Schulalltag

Halbtagsblog: Schon seit zehn Jahren bloggt der Lehrer Martin Klinge über Begebenheiten aus seinem „Halbtagsjob“. Dabei blickt er immer wieder über den Tellerrand der Schule – insbesondere in Richtung Technik, Digitalisierung, Medien. 2017 wurde der Blogger mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet.

 

Herrn Rau’s Lehrerzimmer: Der Lehrerblog von Thomas Rau bietet einen Einblick in den Alltag eines Lehrers der Unterricht macht, in Konferenzen sitzt und mit seinen Schülerinnen und Schülern ins Theater geht. In den Kommentaren werden oft schul- und bildungsrelevante Themen diskutiert.

 

Jochen Lüders – Englisch & Sport am Gymnasium: Jochen Lüders ist seit 30 Jahren Englisch- und Sportlehrer an einem Münchner Gymnasium. 2009 wurde sein Blog zu einem der drei besten deutschsprachigen Blogs ernannt. Humorvoll, scharfzüngig und wohltuend bissig berichtet er über den Schul- und Lehreralltag.

 

„Dem Herrn Weese sein Blog“ ist nach eigenem Bekunden ein „Blog eines Deutschlehrers an einem fränkischen Gymnasium.“ Neben dem humorvollen Auseinanderpflücken von Phänomenen der deutschen Sprache gibt es hier allerhand persönliche Ein- und Ansichten.

 

Herr Larbig: Diesen Blog betreibt Torsten Larbig, Lehrer für die Fächer Deutsch und katholische Religion. Es gibt viele Fotos, Videos, Ausführungen über Bildungsthemen und Lernen mit Web 2.0 – und zwischendurch auch mal die Interpretation eines mittelhochdeutschen Gedichts.

 

Kreide fressen: Dieser scharfzüngige Blog mit dem Untertitel „Momentaufnahmen eines Lehrers aus Bielefeld“ entstand schon zu den Studienzeiten des Betreibers und geht auch ausführlich auf das Referendariat und die Lehrerausbildung mit all ihren Kurven ein.

 

riecken.de: Intelligenter und reflektierter Blog aus dem Schul- und Unterrichtsalltag eines Lehrers für Deutsch und Chemie. Untertitel: „Gedanken zu Bildung, Lehre und Schule“. Es geht um Unterrichtsinhalte, Methoden, Bildungspolitik, Web 2.0 – und vieles mehr. Eine Fundgrube.

 

Materialien Grundschule

Kuschelpädagogik: Dieser humorvolle (und bissige) Blog wird betrieben von Frau Weh, einer „Grundschullehrerin aus Freude”. Sie schildert ihre persönlichen Erfahrungen im und um den Lebensraum Schule und teilt allerhand „Lehrkram“.

 

Ideenreise: Kreative Materialien für den Grundschulunterricht mit sehr großem Archiv.

 

Zaubereinmaleins: Großer Fundus an Grundschul-Unterrichtsmaterialien, zusammengestellt von einer Grundschullehrerin.

 

Referendariat/Berufseinstieg

Frau Ella wird Lehrerin: In diesem Blog erhalten Leser sehr ehrliche, teils humorvolle Einblicke in den Arbeitsalltag von Referendaren – auch wenn die Betreiberin mittlerweile schon einige Zeit aus dem Referendariat raus ist.

 

Einestageslehrerin: Dieser Blog (inzwischen beendet, aber noch immer lesenswert) spannt einen Bogen vom Berufswunsch Lehrerin zu Lehramtsstudium und Schulpraktika – mit allen Höhen und Tiefen, die der Berufswunsch mit sich bringt. Vor allem jedoch aber mit viel Idealismus und positiver Energie.

 

 

Computer/Internet/Technik/Neue Medien

Lehrerrundmail: Dieser sehr breit gefächerte und fundierte Blog versorgt Lehrkräfte mit „Tipps & Infos rund um Unterricht mit Computer & Internet“.

 

Matthias Heil: Der Blogger Matthias Heil, Lehrer für Katholische Religion und Englisch, bemüht sich um die Integration technischer Neuerungen in seinen Unterricht: Ob Blogs, Podcasts, OER oder mobile Geräte: die didaktisch und pädagogisch sinnvolle Einbindung in Lehr- und Lernprozesse interessiert ihn nach eigenen Angaben besonders

 

Der Appendix-Blog, betrieben von Lehrer, Dozent, Redakteur und Germanist Richard Heinen, widmet sich in den Kategorien „Schulwelt“, „Hochschulwelt“, „Netzwelt“ und „Bilderwelt“ aktuellen Themen aus der Bildungspolitik.

 

Eine Art „Best of“ aktueller Blog-Beiträge rund um den Mikrokosmos Schule liefert die Seite LehrerLinks.

 

Teamarbeit unter Lehrkräften (Teil 2): Teams sinnvoll bilden

Teamarbeit im Kollegium kann viele Vorteile mit sich bringen: Neben kurzen Kommunikationswegen, Erfahrungsaustausch, Teilen von Informationen oder Materialien schont eine Arbeitsaufteilung die individuellen Ressourcen der Lehrkräfte. Zudem ermöglicht der direkte, ggf. fächerübergreifende Austausch, ein detaillierteres Bild über einzelne Schülerinnen und Schüler zu erhalten. Gerade im Zuge der individuellen Förderung ist ein solch differenzierter Blick wichtig.

 

Teams sinnvoll bilden

Entscheidend für die Effizienz eines schulischen Teams ist die Größe, die Arbeitsweise und die Zusammensetzung seiner Mitglieder. Einige Team-Konstellationen entstehen an Schulen quasi naturgegeben, etwa Fachteams, Stufen- oder Jahrgangszusammenschlüsse sowie Projektteams. Die Teilnahme an den Treffen dieser sich formell konstituierenden Teams ist zumeist obligatorisch – wenn auch nicht immer effizient und nicht immer beliebt. Darüber hinaus lohnt jedoch das Nachdenken über eher informell motivierte, fach-, stufen- und projektübergreifende Teams.

 

Besonderheit: multiprofessionelle Teams

Steht der Lehrerin bzw. dem Lehrer für bestimmte Fächer oder Unterrichtsabschnitte eine schulferne Fachkraft zur Seite, die ihr spezifisches Fachwissen einbringt und die Lehrkraft so entlastet, kann ein multiprofessionelles Team gebildet werden. Die Kombination Lehrkraft + sonderpädagogische Fachkraft ist im Rahmen der Inklusion bereits ein zahlreichen Schulen Realität. Darüber hinaus denkbar und je nach Schule sinnvoll sind beispielsweise Teambildungen mit IT-Fachkräften, Bibliothekaren, Vertretern technischer, medizinischer oder handwerklicher Berufe o.Ä.

 

Als Team finden – und binden

Kein Team kann auf Knopfdruck durchstarten, sondern bedarf zunächst einer kurzen Findungsphase. Zu klären ist dann unter anderem: Was ist unsere Aufgabe bzw. unser Ziel als Team? Wer gehört dazu? Wer bringt welche Fähigkeiten mit ein?

Eine bewährte Teambuilding-Methode ist das Verfassen eines Team-Vertrags. Dieser kann unter anderem folgende Fragestellungen beantworten:

  • Welche Maßnahmen sollen zum Erreichen des Ziels durchgeführt werden?
  • Wer arbeitet mit wem zusammen?
  • Gibt es feste Teamzeiten und einen festen Treffpunkt?
  • Wie kommuniziert das Team nach innen?
  • Wie verläuft die Kommunikation nach außen?
  • Wie kommuniziert das Team mit der Schulleitung?
  • Gibt es Meilensteine, die auf dem Weg hin zur Vollendung des Ziels erreicht werden sollen?
  • Wie sieht der zeitliche Rahmen für die Erlangung des Ziels aus?
  • Wann und auf welche Weise erfolgt die Zielkontrolle?

Teamarbeit unter Lehrkräften (Teil 1): Darum ist Kooperation wichtig

Auch wenn jede Lehrkraft im Klassenraum de facto ein „Einzelkämpfer“ ist, kann kollegiale Zusammenarbeit bzw. Teamarbeit sowohl den Unterricht als auch die Arbeitszufriedenheit positiv beeinflussen. Viele Schulen in Freier Trägerschaft zeichnen sich gerade durch Strukturen aus, die diese Kollegialität ermöglichen und fördern.

 

Kooperation höchst erwünscht

Rund 97 Prozent der Lehrkräfte halten es für wichtig, sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen und zu beraten. Immerhin 87 Prozent der Lehrkräfte erachten diesen Aufwand als lohnend. Allerdings beschränkt sich diese Kooperation oft auf die Weitergabe von Informationen oder die Empfehlung von Methoden und Materialien (77 Prozent der befragten Lehrkräfte). Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Lehrerkooperation in Deutschland“, durchgeführt 2016 von der Bertelsmann Stiftung nach einer repräsentativen Umfrage unter 1.015 Lehrkräften. Nur selten findet demnach eine komplexe Zusammenarbeit in Form von gemeinsamer Erarbeitung von Inhalten oder Methoden statt (25 Prozent). Dies liegt unter anderem auch darin begründet, dass dies zeitlich und organisatorisch nicht im Schulalltag verankert ist.

 

Als Voraussetzungen für funktionierende Teams identifiziert die Studie:

  1. Durch das Einräumen fester Team-Arbeitszeiten bekommt die Teamarbeit einen entsprechenden Stellenwert im Stunden- bzw. Arbeitsplan.
  2. Grundsätzlich kooperieren jene Lehrkräfte häufiger, bei denen eine gemeinsame Anwesenheit in der Schule auch außerhalb der Unterrichtszeiten gegeben ist.
  3. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten, kann auch die Schulleitung Einfluss auf das Maß der Kooperation der Lehrkräfte haben. Das Mittragen des Kooperationsgedankens durch die Schulleitung ist daher essentiell.
  4. Um Zuständigkeiten und Ansprechpartner zu kennen, bedarf es festgelegter Strukturen für jahrgangs- oder fachbezogene Abstimmungen.
  5. Nicht zuletzt: Auch ausreichende räumliche Kapazitäten für Team-Besprechungen sind von grundlegender Bedeutung.

 

In einigen Schulen in Freier Trägerschaft ist die kollegiale Kooperation fest im Schulprogramm verankert. Gelegentlich wird sie überdies gestützt durch institutionalisiertes gegenseitiges Hospitieren im Unterricht und/oder kollegiale Fallberatung.

 

Als Honorarkraft im Schuldienst

In Deutschland arbeiten zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer als freiberufliche, also nicht angestellte Lehrkräfte. Betätigungsfelder für sie sind jedoch nicht nur Volkshochschulen, Sprach- oder Musikschulen, Integrationsmaßnahmen, Berufsbildungseinrichtungen, Hochschulen oder Nachhilfeinstitute. Auch allgemeinbildende Schulen – darunter auch Ersatzschulen in freier Trägerschaft – stocken ihr Kollegium mitunter durch freie Kräfte auf. Sie können so flexibel auf Personalengpässe reagieren, Fächer mit geringer Unterrichtsverpflichtung anbieten oder aber Unterrichtsangebote abdecken, die über den Rahmenlehrplan hinausgehen.

Auch wenn LehrCare seit zehn Jahren zu über 90 % in feste Anstellungsverhältnisse vermittelt – die restlichen 10 % sind Vertretungen, z.B. in Krankheitsfällen – bevorzugen einige Lehrerinnen oder Lehrer in einzelnen Lebensphasen durchaus die Freiberuflichkeit. Im Folgenden einige relevante Infos.

 

Status muss deutlich sein

Kommt es zu einer längerfristigen und kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen einer Bildungseinrichtung und einer freiberuflichen Lehrkraft, kann das Beschäftigungsverhältnis schnell Züge einer angestellten Tätigkeit annehmen, allerdings ohne Sozialversicherungsabgaben seitens des Arbeitgebers. Um einer solchen – mutwilligen oder fahrlässigen – Umgehung von Sozialversicherungsabgaben vorzubeugen, führen Sozialversicherungsträger ein Statusfeststellungsverfahren durch.

 

Selbstständigkeit als Sprungbrett

Deutlich mehr noch als angestellte Lehrkräfte müssen sich freiberufliche Lehrerinnen und Lehrer über ihre Ziele im Klaren sein und diese konsequent verfolgen. Statt in der lähmenden Warteschleife auf die Festanstellung zu verharren, können sich Kandidatinnen und Kandidaten folgende Fragen stellen: Strebe ich derzeit eine Festanstellung an? Oder gibt es Möglichkeiten, mich (vorübergehend) auch freiberuflich weiterzuentwickeln? Welche Lehreinrichtungen kommen für mein Profil in Frage? In welche Richtung möchte ich mich fachlich weiterentwickeln und wie ist dies mit dem Arbeitsmarkt vereinbar? Wo kann ich Erfahrungen sammeln, die mich in meiner beruflichen Entwicklung weiterbringen? Welche in der Freiberuflichkeit entwickelten Soft Skills kann ich vorweisen (Organisationsvermögen, Stressresistenz, Networking)?

Denn es gilt im Hinterkopf zu behalten: Ein wesentlicher Trumpf in der Hand von freiberuflichen Lehrkräften kann ihre breite Praxiserfahrung sein, sofern diese Erfahrungen klug gesammelt und präsentiert werden.

 

Weiterführende Informationen:

Broschüre „Richtig selbstständig? Ratgeber für freie Lehrkräfte“. Kostenlos zum Download.

 

 

Sabbatjahr für Lehrkräfte

Genau wie andere Berufsgruppen, können auch Lehrerinnen und Lehrer eine berufliche Auszeit, ein Sabbatjahr nehmen. Neben dem Wunsch nach Regeneration bzw. Burnout-Prävention oder einer langen Reise sind die Triebfedern dabei häufig auch konkrete Weiterbildungsmaßnahmen oder die Verwirklichung persönlicher Vorhaben, wie etwa einer intensiven Familienphase, ehrenamtlichem Engagement oder einem Hausbau.

 

Frühe Planung – das A & O

Details einer beruflichen Auszeit sind für Lehrkräfte – ob angestellt oder verbeamtet – länderspezifisch geregelt. Prinzipiell funktioniert ein Sabbatjahr jedoch meist nach einem einfachen Modell: Während der sogenannten Anspar- oder Arbeitsphase, deren Dauer individuell geregelt wird, verzichtet die auszeitwillige Person auf einen Teil des Einkommens und geht im Anschluss dann in die Freistellungsphase, während der sie die gleichen Bezüge weiter erhält.

Da sich die Ansparphase je nach Bundesland auf einen Zeitraum von zwei bis sieben Jahren erstrecken kann, ist eine frühe Planung und Verhandlung mit dem Dienstherrn bzw. Arbeitgeber unerlässlich. Dieser zeitlich begrenzte Lohnverzicht ist das gängigste Modell und in einigen Bundesländern für Lehrer zugleich das einzig mögliche. Folgende Sabbatjahr-Modelle sind darüber hinaus in manchen Ländern bzw. Beschäftigungsverhältnissen möglich:

 

Teilzeit

Arbeitnehmer und Lehrer schließen einen Teilzeitvertrag mit entsprechend reduziertem Gehalt. Die Lehrkraft arbeitet jedoch Vollzeit weiter und sammelt so Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto. In der Freistellungsphase arbeitet die Lehrkraft dann nicht mehr, erhält aber weiter die gleichen Bezüge.

 

Fondsparmodell

Dieses Modell ist nur für Angestellte möglich. Sie sammeln auf einem Arbeitszeitkonto Urlaub, Überstunden und/oder Teile des Gehalts an. Das angesparte Geld wird vom Arbeitgeber in Fonds angelegt, aus denen die Lehrkraft während der Freistellungsphase dann ihre Bezüge erhält.

 

Vorgezogener Ruhestand

Hier nutzt die Lehrkraft das angesparte Zeitguthaben dazu, kurz vor dem Ruhestand entweder Stunden zu reduzieren oder gänzlich vorzeitig in den Ruhestand zu wechseln.

 

Unbezahltes Sabbatjahr

Nach Absprache mit dem Arbeitgeber ist es auch möglich, einen längeren unbezahlten Urlaub zu nehmen, um anschließend in den Unterricht zurückzukehren.

 

 

Umfassende Recherche wichtig

Die Regelungen zum Sabbatjahr befinden sich in den einzelnen Ländern teils in ständigem Wandel. Es empfiehlt sich, die entsprechenden Vorschriften zeitnah zum eigenen Vorhaben zu recherchieren. Da jedoch generell die Beliebtheit von Sabbatjahren steigt, ist damit zu rechnen, dass Regelungen zunehmend einfacher zugänglich werden.

Sind die wesentlichen Recherchen abgeschlossen, sollten Auszeitwillige sich mit der vertraglichen Regelung auseinandersetzen. Diese muss enthalten:

  • Zeitraum der Anspar- und der Freistellungsphase bzw. eventuelle Befristung einer Arbeitszeitreduzierung
  • Regelung zur Rückkehr und zum Wiedereinstieg
  • Krankheitsregelungen
  • Kündigungsregelungen

 

Zum Weiterlesen

 

 

Praktikum – so holen Sie das Beste raus

Egal ob vor, während oder nach dem Studium: Sinn und Zweck eines Praktikums ist es, einen repräsentativen Einblick in den Alltag einer Arbeitsumgebung zu bekommen. Im günstigen Fall ergänzt das Praktikum das bereits theoretisch erworbene Wissen.

Besonders bei angehenden Lehrkräften sind Praxiseinheiten wichtig, tragen sie doch dazu bei, den viel zitierten Praxisschock zu minimieren. Auch kann ein Praktikum durchaus dazu dienen, sich kritisch zu hinterfragen: Ist die Berufswahl Lehrer/Lehrerin für mich wirklich die Richtige?

Um von einem Praktikum an einer Schule tatsächlich zu profitieren, sollten Praktikanten selbst Initiative ergreifen und das Beste aus der Praxiserfahrung herausholen. Beispielsweise durch gezielte und qualifizierte Fragen.

 

Fragen rund ums Praktikum

  • Was erwarten Sie von einem guten Praktikanten – und konkret: Was erwarten Sie von mir?
  • Wer sind meine Ansprechpartner während des Praktikums?
  • Welche Aufgaben darf ich übernehmen?
  • Womit kann ich Ihre Schule entlasten, während ich bei Ihnen tätig bin?
  • Welche Tätigkeitsbereiche der Schule/des Unternehmens sollte ich Ihrer Meinung nach kennenlernen?

Fragen zum Angestelltenverhältnis im Praktikumsbetrieb

  • Welches sind entscheidende Kriterien, um bei Ihnen angestellt tätig zu sein?
  • Welche Qualitäten sollten Angestellte bei Ihnen vorweisen?
  • Wie schätzen Sie Ihren Personalbedarf in den nächsten Jahren ein?
  • Welche Werte vertritt die Schule?
  • Wie ist der Ablauf des Bewerbungs- bzw. Einstellungsverfahrens?
  • Wie ist die Haltung der Schule zum Thema Weiterbildung?
  • Wie sehen Sie die Chancen einer Einstellung nach dem Studium?

Fragen zum beruflichen Werdegang des Ansprechpartners

  • Seit wann sind Sie im Unternehmen/in der Schule tätig und wie ist Ihr Werdegang?
  • Warum haben Sie sich für diesen Arbeitgeber entschieden?
  • Bei welchem vorhergehenden Arbeitsverhältnis waren Sie unzufrieden?
  • Welche Schwerpunkte haben Sie in punkto Weiterbildung?
  • Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?

 

Die Berufseingangsphase bei Lehrkräften: Begleitende Programme und Wegweiser

Nach geregelter Betreuung im Referendariat und Durchlaufen der starren Regularien des 2. Staatsexamens sind junge Lehrkräfte in der Berufseingangsphase (BEP), also den ersten beiden Jahren im Schuldienst, erstmals auf sich gestellt. Wie gestaltet sich diese erste Zeit im Beruf? Welche besonderen Anforderungen treten während dieser Phase auf? Und welche Unterstützungen gibt es in den einzelnen Bundesländern?

 

Baden-Württemberg: Es existiert eine Fortbildungsreihe mit dem Titel „Begleitung in der Berufseingangsphase – Erfolgreich und gesund starten in den Lehrerberuf“. Die Teilnahme an der Maßnahme ist freiwillig. Sie wird durchgeführt von der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen.

 

Bayern: In Bayern sind derzeit keine begleitenden Maßnahmen für Lehrkräfte in der Berufseingangsphase vorgesehen. Auf dem Online-Auftritt des Bayerischen Kultusministeriums können sich frisch ausgebildete Lehrkräfte über allgemeine Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte informieren.

 

Berlin: Berlin bietet Neu-Lehrkräften ein einjähriges begleitendes Programm an, bei dem Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich in moderierten Kleingruppen zu Themen wie Selbstmanagement, Stressbewältigung, Kommunikation mit Eltern und Kollegen oder auch unterrichtsrelevanten Fragen austauschen können.

 

Brandenburg: Brandenburg sieht eine Begleitung junger Lehrkräfte durch eigens geschulte BEP-Beraterinnen und -Berater vor. Eine Informationsveranstaltung informiert die frisch examinierten Lehrkräfte über das begleitende Angebot, das u.a. kollegiale Fallberatung, Fortbildungen, Austausch in Gruppen und ggf. Supervision/Coaching umfasst.

 

Bremen: Unter dem Sammelbegriff „Startsprung“ bietet das Bremer Landesinstitut für Schule frisch examinierten Lehrkräften diverse Auftakt- und Einführungsveranstaltungen für die Berufseingangsphase an.

 

Hamburg: Neben einer verpflichtenden Begrüßungsveranstaltung nehmen neue Lehrkräfte in Hamburg optional an sogenannten BEP-Gruppen teil. Für die Teilnahme an dem halb- oder einjährigen Programm erhalten die Lehrkräfte entsprechende Entlastungsstunden an den Schulen. Zuständig ist das Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung.

 

Hessen: Das Land Hessen bietet derzeit keine begleitenden Maßnahmen für Lehrkräfte in der Berufseingangsphase an. Über allgemeine Fortbildungen informieren die Hessische Lehrkräfteakademie sowie der Hessische Bildungsserver auf seiner Fortbildungsdatenbank.

 

Mecklenburg-Vorpommern: Das Land Mecklenburg-Vorpommern bietet derzeit keine begleitenden Maßnahmen für Lehrkräfte in der Berufseingangsphase an. Weiterführende Informationen für angehende Lehrkräfte hält der Bildungsserver Mecklenburg-Vorpommern bereit.

 

Niedersachsen: Ansprechpartner für die BEP sind in Niedersachsen in den ersten drei Berufsjahren die Kompetenzzentren für regionale Lehrerfortbildung. Sie bieten verschiedene Maßnahmen für die BEP an.

 

Nordrhein-Westfalen: In NRW gibt es derzeit keine landesweit einheitlichen begleitenden Maßnahmen für Lehrkräfte in der BEP. Jedoch bieten einzelne Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung durchaus entsprechende Maßnahmen an. Eine weitere Anlaufstelle für Lehrkräfte in der BEP ist in NRW das Portal Career Counseling for Teachers (CCT).

 

Rheinland-Pfalz: Die strukturierte Einarbeitung und Begleitung von Lehrkräften in der BEP ist seit Ende November 2015 im „Landesgesetz zur Stärkung der inklusiven Kompetenz und der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften“ verankert. Über die konkrete Umsetzung macht das Gesetz keine Angaben.

 

Saarland: 2009 startete (zunächst als Pilotprojekt) die „Begleitete Berufseingangsphase an Grundschulen“. Über weitere Bildungsmaßnahmen für Lehrkräfte am Beginn ihrer Schullaufbahn informiert das Landesinstitut für Pädagogik und Medien Saarland.

 

Sachsen: In Sachsen begleitet das Programm „Begleitete Berufseinstiegsphase“ (bBEPh)  junge Lehrkräfte in den ersten beiden Berufsjahren. Neben den Themen Selbst- und Zeitmanagement thematisiert das Programm klassische Herausforderungen im Unterrichtsalltag.

 

Sachsen-Anhalt: Für Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt hält das Portal des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) weiterführende Informationen bereit. Einen umfassenden Überblick über aktuelle Fortbildungsveranstaltungen für Berufseinsteiger im Lehramt gibt der Bildungsserver Sachsen-Anhalt.

 

Schleswig-Holstein: Das Land Schleswig-Holstein bietet derzeit keine begleitenden Maßnahmen für Lehrkräfte in der Berufseingangsphase an. Weiterführende Auskünfte erhalten junge Lehrkräfte auf den Info-Seiten des Portals „Lehrer in Schleswig Holstein“.

 

Thüringen: In Thüringen ist die BEP als dritte Ausbildungsphase fester Bestandteil der Lehrerbildung. Weiterführende Informationen über begleitende Maßnahmen während der BEP gibt das Thüringer Schulportal.

 

Arbeitswerkzeug Stimme

 

Der hohe Lärmpegel im Klassenraum ist für die meisten Lehrkräfte eine der größten täglichen Belastungen. Mit dem Lärm steigt auch die Anforderung, diesen mit stimmlicher Kraft zu regulieren bzw. einzudämmen. Doch wer seine Stimme täglich bis zur Belastungsgrenze beansprucht, verspürt nicht nur schnelle Erschöpfung, sondern riskiert auch langfristige Einschränkungen der stimmlichen Fähigkeiten.

Oft mangelt es auch an der richtigen Sprechtechnik. Das führt zu falschen Verhaltensmustern wie Atemfehlleistungen, zu hoher oder geringer Sprechspannung, Rückverlagerungen, Nuscheln. Viele Lehrkräfte sprechen zudem zu laut, zu hoch oder versuchen, ihre Schüler zu übertönen, wenn der Lärmpegel steigt. Eine Möglichkeit, derlei Störungen zu beheben, ist, die Sprechtechnik unter fachgerechter Anleitung zu trainieren.

Permanente stimmliche Beschwerden führen zwangsläufig zu Ausfallzeiten. Die Folge: Der Lehrstoff wird nicht bewältigt, die Lehrkraft gerät immer mehr unter Druck. Zusammengefasst: Wirkungsvolles Sprechen erleichtert das Verstehen, wirkt sich positiv auf die Lernatmosphäre aus und motiviert und aktiviert die Schüler.

 

Die eigene Stimme evaluieren

Eine gängige Methode, die Leistungsfähigkeit der eigenen Stimme zu bestimmen, ist die Ermittlung des sogenannten Voice Handicap Index (VHI). Dieser ordnet auf einer vierstufigen Skala den Schweregrad einer potenziellen Stimmstörung und das Handicap des Betroffenen ein. Ermittelt wird der VHI per Fragebogen. Jedoch ist es unbedingt ratsam, bei ernsthaften stimmlichen Problemen einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder einen Stimmarzt (Phoniater) zu konsultieren.

  • VHI-Bereich 0-14 – kein Handicap
  • VHI-Bereich 15-28 – geringes Handicap
  • VHI-Bereich 29-50 – mittelgradiges Handicap
  • VHI-Bereich 50-120 – hochgradiges Handicap

Tipps zum schonenden Umgang mit der Stimme

– Lärm im Klassenraum nicht zwangsläufig mit stimmlicher Kraft begegnen, sondern nonverbale Signale zum „Runterkühlen“ einführen.

– Bei der Unterrichtsplanung auch Ruhephasen einkalkulieren, in denen die Stimme Zeit zum Regenerieren hat.

– Vor Beginn eines Unterrichtstages (beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit) „einsprechen“. Das lässt die Stimme warmlaufen und vermeidet den stimmlichen „Kaltstart“.

– Aneignen von gezielten Atem- und Sprechtechniken, ggf. mit professioneller Hilfe von Sprachtherapeuten oder Gesangslehrern.

– Die Stimmlage generell nicht zu hoch ansetzen.

– Deutlich und klar artikuliert sprechen. Schnelles, undeutliches Sprechen führt zu erhöhter Stimmbelastung

– Den Klassenraum regelmäßig lüften.

– Regelmäßig und ausreichend trinken. Doch Vorsicht: Kaffee und Schwarzer Tee trocknen aus, Milch kann verschleimen.

– Nach Möglichkeit die Umgebungsgeräusche auf ein Minimum reduzieren.

 

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