Archiv für August 2017

Teamarbeit unter Lehrkräften (Teil 2): Teams sinnvoll bilden

Teamarbeit im Kollegium kann viele Vorteile mit sich bringen: Neben kurzen Kommunikationswegen, Erfahrungsaustausch, Teilen von Informationen oder Materialien schont eine Arbeitsaufteilung die individuellen Ressourcen der Lehrkräfte. Zudem ermöglicht der direkte, ggf. fächerübergreifende Austausch, ein detaillierteres Bild über einzelne Schülerinnen und Schüler zu erhalten. Gerade im Zuge der individuellen Förderung ist ein solch differenzierter Blick wichtig.

 

Teams sinnvoll bilden

Entscheidend für die Effizienz eines schulischen Teams ist die Größe, die Arbeitsweise und die Zusammensetzung seiner Mitglieder. Einige Team-Konstellationen entstehen an Schulen quasi naturgegeben, etwa Fachteams, Stufen- oder Jahrgangszusammenschlüsse sowie Projektteams. Die Teilnahme an den Treffen dieser sich formell konstituierenden Teams ist zumeist obligatorisch – wenn auch nicht immer effizient und nicht immer beliebt. Darüber hinaus lohnt jedoch das Nachdenken über eher informell motivierte, fach-, stufen- und projektübergreifende Teams.

 

Besonderheit: multiprofessionelle Teams

Steht der Lehrerin bzw. dem Lehrer für bestimmte Fächer oder Unterrichtsabschnitte eine schulferne Fachkraft zur Seite, die ihr spezifisches Fachwissen einbringt und die Lehrkraft so entlastet, kann ein multiprofessionelles Team gebildet werden. Die Kombination Lehrkraft + sonderpädagogische Fachkraft ist im Rahmen der Inklusion bereits ein zahlreichen Schulen Realität. Darüber hinaus denkbar und je nach Schule sinnvoll sind beispielsweise Teambildungen mit IT-Fachkräften, Bibliothekaren, Vertretern technischer, medizinischer oder handwerklicher Berufe o.Ä.

 

Als Team finden – und binden

Kein Team kann auf Knopfdruck durchstarten, sondern bedarf zunächst einer kurzen Findungsphase. Zu klären ist dann unter anderem: Was ist unsere Aufgabe bzw. unser Ziel als Team? Wer gehört dazu? Wer bringt welche Fähigkeiten mit ein?

Eine bewährte Teambuilding-Methode ist das Verfassen eines Team-Vertrags. Dieser kann unter anderem folgende Fragestellungen beantworten:

  • Welche Maßnahmen sollen zum Erreichen des Ziels durchgeführt werden?
  • Wer arbeitet mit wem zusammen?
  • Gibt es feste Teamzeiten und einen festen Treffpunkt?
  • Wie kommuniziert das Team nach innen?
  • Wie verläuft die Kommunikation nach außen?
  • Wie kommuniziert das Team mit der Schulleitung?
  • Gibt es Meilensteine, die auf dem Weg hin zur Vollendung des Ziels erreicht werden sollen?
  • Wie sieht der zeitliche Rahmen für die Erlangung des Ziels aus?
  • Wann und auf welche Weise erfolgt die Zielkontrolle?

Teamarbeit unter Lehrkräften (Teil 1): Darum ist Kooperation wichtig

Auch wenn jede Lehrkraft im Klassenraum de facto ein „Einzelkämpfer“ ist, kann kollegiale Zusammenarbeit bzw. Teamarbeit sowohl den Unterricht als auch die Arbeitszufriedenheit positiv beeinflussen. Viele Schulen in Freier Trägerschaft zeichnen sich gerade durch Strukturen aus, die diese Kollegialität ermöglichen und fördern.

 

Kooperation höchst erwünscht

Rund 97 Prozent der Lehrkräfte halten es für wichtig, sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen und zu beraten. Immerhin 87 Prozent der Lehrkräfte erachten diesen Aufwand als lohnend. Allerdings beschränkt sich diese Kooperation oft auf die Weitergabe von Informationen oder die Empfehlung von Methoden und Materialien (77 Prozent der befragten Lehrkräfte). Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Lehrerkooperation in Deutschland“, durchgeführt 2016 von der Bertelsmann Stiftung nach einer repräsentativen Umfrage unter 1.015 Lehrkräften. Nur selten findet demnach eine komplexe Zusammenarbeit in Form von gemeinsamer Erarbeitung von Inhalten oder Methoden statt (25 Prozent). Dies liegt unter anderem auch darin begründet, dass dies zeitlich und organisatorisch nicht im Schulalltag verankert ist.

 

Als Voraussetzungen für funktionierende Teams identifiziert die Studie:

  1. Durch das Einräumen fester Team-Arbeitszeiten bekommt die Teamarbeit einen entsprechenden Stellenwert im Stunden- bzw. Arbeitsplan.
  2. Grundsätzlich kooperieren jene Lehrkräfte häufiger, bei denen eine gemeinsame Anwesenheit in der Schule auch außerhalb der Unterrichtszeiten gegeben ist.
  3. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten, kann auch die Schulleitung Einfluss auf das Maß der Kooperation der Lehrkräfte haben. Das Mittragen des Kooperationsgedankens durch die Schulleitung ist daher essentiell.
  4. Um Zuständigkeiten und Ansprechpartner zu kennen, bedarf es festgelegter Strukturen für jahrgangs- oder fachbezogene Abstimmungen.
  5. Nicht zuletzt: Auch ausreichende räumliche Kapazitäten für Team-Besprechungen sind von grundlegender Bedeutung.

 

In einigen Schulen in Freier Trägerschaft ist die kollegiale Kooperation fest im Schulprogramm verankert. Gelegentlich wird sie überdies gestützt durch institutionalisiertes gegenseitiges Hospitieren im Unterricht und/oder kollegiale Fallberatung.

 

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