Archiv für April 2017

Sabbatjahr für Lehrkräfte

Genau wie andere Berufsgruppen, können auch Lehrerinnen und Lehrer eine berufliche Auszeit, ein Sabbatjahr nehmen. Neben dem Wunsch nach Regeneration bzw. Burnout-Prävention oder einer langen Reise sind die Triebfedern dabei häufig auch konkrete Weiterbildungsmaßnahmen oder die Verwirklichung persönlicher Vorhaben, wie etwa einer intensiven Familienphase, ehrenamtlichem Engagement oder einem Hausbau.

 

Frühe Planung – das A & O

Details einer beruflichen Auszeit sind für Lehrkräfte – ob angestellt oder verbeamtet – länderspezifisch geregelt. Prinzipiell funktioniert ein Sabbatjahr jedoch meist nach einem einfachen Modell: Während der sogenannten Anspar- oder Arbeitsphase, deren Dauer individuell geregelt wird, verzichtet die auszeitwillige Person auf einen Teil des Einkommens und geht im Anschluss dann in die Freistellungsphase, während der sie die gleichen Bezüge weiter erhält.

Da sich die Ansparphase je nach Bundesland auf einen Zeitraum von zwei bis sieben Jahren erstrecken kann, ist eine frühe Planung und Verhandlung mit dem Dienstherrn bzw. Arbeitgeber unerlässlich. Dieser zeitlich begrenzte Lohnverzicht ist das gängigste Modell und in einigen Bundesländern für Lehrer zugleich das einzig mögliche. Folgende Sabbatjahr-Modelle sind darüber hinaus in manchen Ländern bzw. Beschäftigungsverhältnissen möglich:

 

Teilzeit

Arbeitnehmer und Lehrer schließen einen Teilzeitvertrag mit entsprechend reduziertem Gehalt. Die Lehrkraft arbeitet jedoch Vollzeit weiter und sammelt so Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto. In der Freistellungsphase arbeitet die Lehrkraft dann nicht mehr, erhält aber weiter die gleichen Bezüge.

 

Fondsparmodell

Dieses Modell ist nur für Angestellte möglich. Sie sammeln auf einem Arbeitszeitkonto Urlaub, Überstunden und/oder Teile des Gehalts an. Das angesparte Geld wird vom Arbeitgeber in Fonds angelegt, aus denen die Lehrkraft während der Freistellungsphase dann ihre Bezüge erhält.

 

Vorgezogener Ruhestand

Hier nutzt die Lehrkraft das angesparte Zeitguthaben dazu, kurz vor dem Ruhestand entweder Stunden zu reduzieren oder gänzlich vorzeitig in den Ruhestand zu wechseln.

 

Unbezahltes Sabbatjahr

Nach Absprache mit dem Arbeitgeber ist es auch möglich, einen längeren unbezahlten Urlaub zu nehmen, um anschließend in den Unterricht zurückzukehren.

 

 

Umfassende Recherche wichtig

Die Regelungen zum Sabbatjahr befinden sich in den einzelnen Ländern teils in ständigem Wandel. Es empfiehlt sich, die entsprechenden Vorschriften zeitnah zum eigenen Vorhaben zu recherchieren. Da jedoch generell die Beliebtheit von Sabbatjahren steigt, ist damit zu rechnen, dass Regelungen zunehmend einfacher zugänglich werden.

Sind die wesentlichen Recherchen abgeschlossen, sollten Auszeitwillige sich mit der vertraglichen Regelung auseinandersetzen. Diese muss enthalten:

  • Zeitraum der Anspar- und der Freistellungsphase bzw. eventuelle Befristung einer Arbeitszeitreduzierung
  • Regelung zur Rückkehr und zum Wiedereinstieg
  • Krankheitsregelungen
  • Kündigungsregelungen

 

Zum Weiterlesen

 

 

„Hate Speech“: verbale Entgleisungen und was Lehrkräfte dazu wissen müssen (Teil 2)

Vor allem im Zusammenhang mit politisch brisanten Themen tritt – vornehmlich in Online-Medien – das Phänomen Hate Speech auf. Diese verbal geäußerte Hetze hat das Ziel, bestimmte Personen oder Personengruppen herabzusetzen oder/und zu verunglimpfen. Mitunter erfüllt sie gar den Tatbestand der Beleidigung, Verleumdung, üblen Nachrede oder Volksverhetzung. Zur Zielscheibe werden nicht nur Menschen bestimmter Nationalitäten, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder sexuellen Orientierung, sondern genauso auch diejenigen Menschen, die sich für eine Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung einsetzen.

 

Stellung beziehen und handeln

Grundsätzlich gilt: Jeder und jede kann etwas gegen Hate Speech tun – nämlich widersprechen, gut argumentieren, Falschaussagen mit Fakten entkräften und selbst einen respektvollen Umgangston im Netz pflegen. Hierfür sind verschiedenste Kompetenzen notwendig, die allesamt einen Platz im Unterricht finden können:

Kommunikative Kompetenz: Argumentieren lernen, sachlich bleiben, sich nicht provozieren lassen, „hohle“ Phrasen enttarnen.

Medienkompetenz: Schüler für die Themen Datenschutz und Sicherheit im Netz sensibilisieren und einen verantwortungsvollen Umgang mit Persönlichkeits- und Urheberrechten schulen. Dazu gehört auch das kritische Überprüfen des eigenen Medienkonsums.

Politisch-gesellschaftliches Grundwissen: Wer selbst uninformiert ist, lässt sich schnell von Falschaussagen aufs Glatteis führen. Wichtig ist daher die Vermittlung von politisch-gesellschaftlichem Grundwissen beispielsweise zu aktuellen, kontroversen Themen sowie den Fähigkeiten, sich fehlendes Wissen durch eigene Recherche selbst anzueignen.

Soziale Kompetenzen: Respekt, Empathie, Umgang mit Wut, Äußerung von Wertschätzung trainieren. Gleichzeitig jedoch auch: Eigene Grenzen kennen und berücksichtigen.

 

Weitere Informationen

Für tiefergehende Literatur zum Thema oder konkrete Hilfestellungen zum Umgang mit Hate Speech sind folgende Quellen empfehlenswert:

Hintergrundinformationen und Anregungen:

Broschüren zum Umgang mit Hate Speech:

Sammlung von Materialien zum Einsatz gegen Rechtsextremismus:

 

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