Archiv für März 2015

Bewerben an Privatschulen (Teil 4): Hintergrundwissen zur Personalentwicklung an Privatschulen

Im Gegensatz zu staatlichen Schulen sind Schulen in freier Trägerschaft Arbeitgeber mit der Verpflichtung, sich selbst um die Personalentwicklung zu kümmern. Gleichwohl sind Privatschulen nur teilweise vergleichbar mit „normalen“ Wirtschaftsunternehmen, denn auch wenn sie dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb unterstehen und Budgetverantwortung haben, stehen sie doch in einem besonderen Bezug zu den staatlichen bzw. landesspezifischen Vorgaben der Bildungsministerien. Damit bewegen sich Privatschulen in einem besonderen Spannungsfeld zwischen Autonomie und Gebundenheit.

 

Personalentwicklung ist Qualitätsentwicklung

Personellen Entwicklungsprozessen kommt gerade an Privatschulen eine besondere Bedeutung zu, denn noch mehr als in staatlichen Einrichtungen sind dort Lehrpersonen dazu aufgerufen, sich mitsamt ihrer gesamten Persönlichkeit in das Schulleben einzubringen. Dazu können besondere (außerschulische) Fertigkeiten ebenso gehören wie spezifische pädagogische Ansätze oder aber ethische und/oder religiöse Grundeinstellungen. Und mehr noch: Wie aktuelle Erkenntnisse der Bildungsforschung, beispielsweise die Hattie-Studie, zeigen, sind in erster Linie die Lehrkräfte für Lernerfolge der Schüler – und damit für ein entscheidendes Qualitätsmerkmal der Schule – verantwortlich. Um jedoch als Lehrkraft optimale Arbeit leisten zu können, ist eine intakte, gut organisierte Arbeitsumgebung zwingend notwendig. Folglich gibt es an Schulen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Personal- und Qualitätsentwicklung.

 

Instrumente der Personalentwicklung

Wer sich in einem Bewerbungsverfahren für eine Stelle an einer Privatschule befindet (oder dies plant), sollte sich als Vorbereitung auf die Bewerbung einen Überblick über die Personalentwicklung an der jeweiligen Schule verschaffen. Auch im Vorstellungsgespräch zeugt es von Interesse und Kompetenz, in punkto Personalplanung konkrete Fragen zu stellen.

 

  • Eng zusammen mit der personellen Entwicklung einer Schule hängt die Schulentwicklungsplanung, der „Fahrplan“ für die nächsten Jahre: Welche Schülerzahlen sind zu erwarten? Will sich die Schule vergrößern? Ist eine Verlagerung/Vertiefung von Schwerpunkten vorgesehen? Und vor allem: Welche bildungspolitischen Entwicklungen erfordern personelle Konsequenzen (z.B. Ganztag, Inklusion)?

 

  • Eine weitere entscheidende Rolle spielt in der schulischen Personalentwicklung das Schulprogramm. Stehen strukturelle Veränderungen an, muss die Schule hierfür in punkto Personal rechtzeitig die Weichen stellen.

 

  • Auch die Fortbildungsplanung ist eng verknüpft mit personellen Fragen, sowohl inhaltlich („Welche Fortbildungsmaßnahmen sind nötig?“) als auch zeitlich („Wann muss welche Fortbildung abgeschlossen sein, um mit dem neu erworbenen Wissen arbeiten zu können?“).

 

Die Frage der Befristung

Eine Vielzahl der Anstellungen in Privatschulen beginnen zunächst als befristete Arbeitsverhältnisse – mit der Option, die Befristung in eine Entfristung umzuwandeln. Im Bewerbungsgespräch sollten Bewerberinnen und Bewerber das Thema Befristung offen ansprechen und sich nach den Aussichten für eine Entfristung erkundigen. Nicht zu vergessen: Ein Grund für befristete Arbeitsverhältnisse ist auf Arbeitgeberseite oft der Wunsch, dadurch eine „verlängerte Probezeit“ zu erlangen. Von einer solchen ausgedehnten Erprobungsphase profitieren nicht zuletzt auch beide Seiten.

Kopieren, Einscannen, Weiterverbreiten: Urheberrecht im Schulalltag

In welchem Umfang ist Lehrkräften das Fotokopieren aus Druckwerken wie z.B. Lehr- oder Sachbüchern erlaubt? Wie sieht die Rechtslage bei der Erstellung von Scans und/oder digitalen Kopien aus? Welche Medien dürfen gespeichert oder auch weitergereicht werden? Ein Überblick über die aktuellen Regelungen, basierend auf der zum 1. Januar 2013 eingeführten Gesetzesregelung.

 

Fotokopien

Generell gilt für die Anfertigung von Fotokopien der Grundsatz, dass Kopien nicht den größten Teil der im Unterricht verwendeten Materialien ausmachen sollen. Doch verständlicherweise gehört das Fotokopieren einzelner Seiten aus einem Schulbuch oder anderen Print-Werk zur einfachsten – und daher weit verbreiteten – Art, Schülern Materialien zugängig zu machen.

Kommen Fotokopien im Unterricht zum Einsatz, gelten folgende Regeln:

  • Der Umfang von aus gedruckten Publikationen (z. B. Schulbücher, Sachbücher, Arbeitshefte, Atlanten) in Klassenstärke fotokopierten Seiten darf 10 % der jeweiligen Seitenzahl und insgesamt 20 Seiten nicht übersteigen.
  • Sogenannte „kleine Werke“ mit maximal 25 Seiten dürfen vollständig kopiert werden. Hierzu zählen z.B. (Fach)Zeitschriften und sonstige Druckwerke außer Schulbücher und Unterrichtsmaterialien. Ebenso dürfen Musikeditionen mit maximal 6 Seiten vollständig vervielfältigt werden.
  • Auf den Kopien müssen folgende Quellenangaben vermerkt werden: Autor, Buchtitel, Verlag, Erscheinungsjahr, Seitenzahl.
  • Werden in Ausnahmefällen mehr als 20 Seiten eines Werks benötigt, kann die Lehrkraft beim jeweiligen Verlag oder der herausgebenden Institution eine Kopierlizenz anfordern.
  • Ausgenommen von der 10 %-Regelung sind Kopien von explizit ausgewiesenen Kopiervorlagen. Von solchen darf eine Lehrkraft für den eigenen Gebrauch (d.h. die eigene zu unterrichtende Klasse) eine unbeschränkte Anzahl kopieren.

 

Digitale Kopien

Digitale Kopien entstehen durch das Einscannen von Print-Vorlagen. Für das Vervielfältigen via digitaler Kopie gelten folgende gesetzliche Regelungen:

  • Bei ab 2005 erschienenen Werken dürfen Lehrkräfte – analog der Regelung für Fotokopien – 10 %, maximal aber 20 Seiten eines Print-Werkes einscannen und abspeichern.
  • Sogenannte „kleine Werke“ (maximal 25 Seiten) dürfen vollständig eingescannt werden. Hierzu zählen z.B. (Fach)Zeitschriften und Druckwerke außer Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien. Ebenso dürfen Musikeditionen mit maximal 6 Seiten vollständig eingescannt werden.
  • Die gescannten Seiten dürfen von der Lehrkraft nur im eigenen Unterricht verwendet werden. Das Weiterreichen (digital und ausgedruckt) an Schüler für den Gebrauch im Unterricht ist gestattet.
  • Pro Schuljahr und Klasse dürfen aus einer Publikation nur einmal in dem dargestellten Umfang Seiten eingescannt werden.
  • Auf dem Scan ist die Quelle zu verzeichnen. Dies ist möglich, indem entweder die Titelseite und/oder das Impressum mit eingescannt werden, oder aber, indem die relevanten bibliografischen Angaben vor dem Scannen per Hand auf der Vorlage notiert werden.
  • Lehrkräfte dürfen die Scan-Dateien auf verschiedenen Endgeräten (z.B. PC, Laptop, Tablet, Whiteboard) speichern.
  • Dritte dürfen keinen Zugriff auf die Scan-Dateien haben. Dies kann z.B. durch einen passwortgeschützten Zugang gewährleistet werden.

Für weitere Auskünfte zur urheberrechtlichen Lage im Schulalltag steht der Verband Bildungsmedien zur Verfügung. Ein zuverlässiges Kompendium in Sachen Urheberrecht ist zudem die Broschüre „Digitale Schulbücher, Einscannen & Kopieren in der Schule“, herausgegeben von der Kultusministerkonferenz in Zusammenarbeit mit dem Verband Bildungsmedien.

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