Archiv für August 2014

Außerschulische Lernorte

Über die vier Wände des Klassenraums hinausschauen, neue Lernerfahrungen sammeln und dabei den Blick schärfen für Wissenswertes „am Wegesrand“: Immer mehr Schulen und Lehrkräfte erkennen die Wichtigkeit außerschulischer Lernorte. Dabei ist die Vielfalt gewaltig und umfasst längst nicht mehr nur Museen, historisch bedeutsame Orte oder Bau- und Naturdenkmäler. Vielmehr reicht die Spannbreite mittlerweile von der Autofabrik über Kläranlagen bis hin zu Förstereien oder Handwerksbetrieben. Aus diesem Grund stellte das Thema außerschulische Lernorte auch einen Schwerpunkt auf der diesjährigen Bildungsmesse didacta dar.

 

Sinn und Zweck

Außerschulische Lernorte sorgen durch „Wissen zum Anfassen“ für sogenannte Primärerfahrungen, also Erfahrungen ohne mediale Vermittlungsinstanzen wie Film, PC, digitale Medien etc. Diese unmittelbaren Erfahrungen bleiben heute aufgrund der starken Einbindung von Medien in die schulische Bildung oft auf der Strecke.

Überdies liefern außerschulische Lernorte den im Schulalltag mitunter vermissten Praxisbezug und schärfen den Blick für das Lebensumfeld der Schülerinnen und Schüler. Nicht zuletzt sorgt ein Lernortbesuch für Bewegung und fördert eine Auflockerung des sonst festgelegten Klassenraum-Gefüges. Schülerinnen und Schüler bekommen durch die Aufhebung starrer Sitzordnungen die Möglichkeit, sich anders einzubringen. Das soziale Miteinander wird gefördert und Lehrkräfte erhalten die Gelegenheit, ihre Schülerinnen und Schüler von neuen Seiten kennenzulernen.

 

Vor- und Nachbereitung

Wichtig bei der Einbeziehung außerschulischer Lernorte ist es für Lehrkräfte, zu verstehen, dass diese Lernorte keine verdinglichten Lehrbücher sind. Vielmehr sind es Örtlichkeiten, die Interesse wecken oder fördern können, die Zusammenhänge zeigen und veranschaulichen. So sollte ein Besuch eines außerschulischen Lernortes von der Lehrkraft immer vor- und nachbereitet und mit lehrplanrelevantem Wissen angefüllt werden. Gleichzeitig gilt es, schon vor Besuch des Lernortes zu überprüfen, inwiefern die ggf. von dem Lernort selbst angebotenen didaktischen Materialien für die eigenen Zwecke verwertbar sind.

Über die Frage, wie außerschulische Lernorte sinnvoll in den Unterricht integriert werden können (und dürfen), geben in einem ersten Schritt die Lehrpläne der jeweiligen Länder und Schulformen Auskunft. Schon recht weit integriert in die Curricula sind außerschulische Lernorte beispielsweise in Thüringen. Eine thematisch gegliederte Auflistung von Lernorten liefert das Thüringer Schulportal.

 

Wie finde ich einen passenden außerschulischen Lernort?

Auch wenn manche Lernorte über sehr genau auf Schulcurricula abgestimmte pädagogische Angebote verfügen, sollten Lehrkräfte nicht generell von der Möglichkeit einer 1 : 1 Übertragung des Lernstoffes auf die Gegebenheiten am Lernort ausgehen. Schließlich sind Transferleistungen erwünscht und beabsichtigt.

Einen guten Überblick über die Vielfalt möglicher außerschulischer Lernorte gibt die 2014 erschienene „Pädagogische Landkarte Westfalen-Lippe“.  Sie verzeichnet über 400 außerschulische Lernorte mit über 700 verschiedenen Angeboten. Darunter finden sich neben Museen, denkmalgeschützten Bauwerken, Natur- und Kunstdenkmälern auch ungewöhnlichere Orte wie eine Entsorgungsanlage, ein Hospiz oder ein Wasser- und Schifffahrtsamt. Weitere Anregungen sowie Tipps zur Aufbereitung eines außerschulischen Besuchs im Unterricht liefert das Portal Lehrer Online. Da Museen einen Großteil der außerschulischen Lernorte ausmachen, ist auch der Bundesverband Museumspädagogik e.V. eine gute Anlaufstelle für weitere Informationen. Darüber hinaus sind – je nach Bundesland – Informationen auch über die Internet-Auftritte der Bildungsministerien erhältlich.

Freie Unterrichtsmaterialien: Open Educational Resources

Wenn das Schulbuch Fragen offen lässt, wenn zum besseren Verständnis Bildmaterial fehlt oder Anregungen für den Unterricht gebraucht werden, sind online verfügbare bzw. digitale Medien eine sinnvolle Ergänzung des Unterrichts. Dabei werden von Lehrkräften sowohl eigens konzipierte Portale als auch Seiten, die nicht direkt für Lernzwecke gedacht sind, herangezogen. Doch die rechtliche Frage bei der Nutzung von Online-Inhalten bleibt oft ungeklärt. Ein Weg sich rechtlich auf der sicheren Seite zu bewegen, sind Open Educational Resources (OER).

 

Definition und Entstehung

Open Educational Resources sind frei online erhältliche und für jeden zugängliche Lehr- und Lernmaterialien, die aufgrund freier Lizenzen verwendet und verändert werden dürfen. OER können von Bildern, Grafiken, Aufgaben, Videos, Texten bis hin zu kompletten Lehrbüchern, Kursen, Programmen oder Techniken reichen, die dazu dienen, Wissen zu vermitteln.

Entstanden ist der Begriff Open Educational Resources bereits im Jahr 2002 im Rahmen von Überlegungen, wie Schwellen- und Entwicklungsländern Bildungsmedien zugänglich gemacht werden können. Seither befindet sich der Begriff auch im Sprachgebrauch öffentlicher Institutionen, wie etwa der UNESCO. Die Bemühungen um einen Zugriff benachteiligter Länder zu Bildungsressourcen wurden schließlich 2012 in der Pariser Deklaration festgehalten. Ziel der Deklaration ist es, die UNESCO-Mitgliedsstaaten aufzufordern, über OER zu informieren und diese zu verbreiten. Eine 2013 erschienene Broschüre der UNESCO informiert ausführlich über Wesen und Funktionsweise der OER.

 

Eindeutige Rechtslage

Während herkömmliche, im Internet frei (und kostenlos) auffindbare Materialien nicht per se zur weiteren Verwendung gedacht sind, werden OER von den jeweiligen Urhebern unter eine spezielle Lizenz gestellt, die es anderen explizit erlaubt, diese Materialien zu nutzen und nach ihren Bedürfnissen zu verändern. Für Lehrkräfte hat dies den entscheidenden Vorteil, dass sie sich rechtlich auf sicherem Terrain bewegen – und nicht in einer Grauzone. Mit den sogenannten Creative Commons-Lizenzen zeigt ein Urherber jedoch lediglich an, dass seine Materialien frei verwendet werden dürfen. Das Urheberrecht bleibt bestehen.

 

Unterschiedliche Arten von Lizenzen

Insgesamt werden vier Arten von Creative Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen) unterschieden, die jeweils unterschiedliche Rechte einräumen.

CC BY: Auf diese Weise gekennzeichnete Materialien können frei verwendet, verändert und wieder veröffentlicht werden. Der ursprüngliche Urheber und die Quelle müssen jedoch genannt werden.

CC SA („share alike“): Bei dieser Kennzeichnung müssen veränderte Versionen des Ursprungsmaterials bei erneuter Veröffentlichung wieder mit derselben Lizenz veröffentlicht werden.

CC NC („non commercial“): Diese Lizenz verbietet die kommerzielle Nutzung des Materials.

CC ND („no derivates“): Material mit dieser Lizenz darf zwar weitergegeben und wieder veröffentlicht werden, Veränderungen sind allerdings nicht erlaubt.

 

 

OER suchen und finden

Die bekannteste Adresse für Wissen mit CC-Lizenz ist Wikipedia. Hier ist ausschließlich frei verfügbares Material enthalten. Zudem kann auf der Seite www.oercommons.org gezielt nach freien Bildungsmaterialien gesucht werden. Sie enthält jedoch zum Großteil Verweise auf englischsprachige Seiten.

Um per Google Inhalte mit CC-Lizenzen auffinden zu können, ist die Zuhilfenahme der „Erweiterten Suche“  notwendig. Hier können im Abschnitt „Ergebnisse eingrenzen“ die gewünschten Nutzungsrechte ausgewählt werden.

Bei der Suche nach Bildmaterial ist der Bilderdienst flickr hilfreich. Um hier gezielt nach Bildern mit einer CC-Lizenz zu suchen, ist zunächst die Eingabe eines Suchbegriffs notwendig. Werden im nächsten Schritt die gefundenen Treffer angezeigt, können User oberhalb der ersten Bildreihe die gewünschte Lizenzart auswählen.

Auch beim Video-Portal YouTube ist die Suche nach Filmen mit CC-Lizenz möglich. Hierfür geben User zunächst einen Suchbegriff ein und aktivieren dann einen entsprechenden Filter (oberhalb des ersten angezeigten Videos).

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