Archiv für November 2012

Mobbing gegenüber Lehrern/-innen

Wenn von Mobbing in der Schule die Rede ist, denken viele an Formen des Schikanierens, Anpöbelns, Angreifens und Bedrängens von Schülern/-innen untereinander. Doch auch Lehrer/-innen werden von Schülern/-innen, Eltern, Kollegen/-innen oder Vorgesetzten gemobbt. Bisher gab es kaum aussagekräftige Zahlen über das Ausmaß dieser Form von Mobbing. Aussagen über die Betroffenheit der Lehrkräfte, deren Handlungsmöglichkeiten und deren Hoffnungen auf Hilfe wurden wenig bis gar nicht evaluiert.

Das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) hat deshalb von Juni bis August 2012 eine systematische Online-Befragung von Lehrkräften im gesamten deutschsprachigen Raum durchgeführt, um mehr Klarheit über das Phänomen zu gewinnen. Nun wurden erste Ergebnisse veröffentlicht. Aus diesem Anlass beschäftigt sich dieser Magazinbeitrag mit den Ergebnissen der Studie und stellt wichtige Ansprechpartner und ausgewählte Links zu diesem Thema zur Verfügung.

Ergebnisse der Online-Befragung „Mobbing und Cybermobbing von Lehrkräften durch Schüler, Eltern oder Kollegen“ (zepf)

Die Fragen des Zentrums für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) waren u.a.: Wie viele Lehrkräfte sind von Mobbing betroffen? Ist das Phänomen mit der Lehrtätigkeit an einer bestimmten Schulart verbunden? Um welche Art von Mobbing handelt es sich? Werden Lehrkräfte eher von Schülern/-innen gemobbt als von Eltern? Welche Möglichkeiten besitzen Lehrkräfte, sich zu wehren? Welche Unterstützung haben sie? Laut der zepf-Pressemitteilung zu Beginn der Befragung ging Prof. Dr. Reinhold S. Jäger, welcher die Studie leitete, davon aus, dass es einen großen Nachholbedarf in der Ausbildung der Lehrkräfte, aber auch in der Weiterbildung gibt: „Wenn wir gezieltere Erkenntnisse besitzen, dann können wir künftige Lehrkräfte auch bezüglich des Umgangs mit Mobbing, das sich gegen sie richtet, besser aus- und fortbilden. Schließlich ist der Lehrerberuf einer der wichtigsten. Nur gesunde und gut ausgebildete Lehrkräfte werden ihren Schülerinnen und Schüler das vermitteln können, was fachlich, sozial, methodisch und für die Persönlichkeitsentwicklung bedeutsam ist!“

Lehrer-Online fasst die durch eine Pressemitteilung gemeldeten Ergebnisse der Studie kurz und prägnant so zusammen: „Im Empfinden der Lehrkräfte sind die direkten Mobbingattacken aus der Sicht der Betroffenen am stärksten seitens der Schulleiterinnen und Schulleiter, gefolgt von den Kolleginnen und Kollegen, den Eltern und den Schülerinnen und Schüler der eigenen Klasse. Das direkte Mobbing – beispielsweise Beleidigungen, körperliche Aggression, verbale Attacken, Ausschließen einer Lehrkraft aus der Gruppe – tritt, so die Angaben der Lehrkräfte, bei etwa 17 Prozent der Fälle auf, Cybermobbing – das Mobben unter Verwendung von Internet, Social Media oder Handy – dagegen nur in 1,6 Prozent der Fälle. Dabei wurden nur die Lehrkräfte berücksichtigt, die innerhalb von zwei Monaten nach eigenen Angaben von vier oder mehr Mobbingattacken betroffen waren.“

Jäger äußert sich in dieser Pressmitteilung auch zu den Konsequenzen aus den Befragungsergebnissen zur Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften: „Hier greifen die Ausbildungsinhalte derzeit noch zu kurz. Aber es gehört auch in die Verantwortung der Schulen selbst, das Thema aktiv anzugehen. Dazu müssen allerdings auch Schulleiterinnen und -leiter entsprechend qualifiziert werden. Es ist an der Zeit, die Voraussetzungen für eine qualifizierte Personal- und Organisationsentwicklung an den Schulen zu leisten. Denn letztendlich gilt: Das Schulklima wird entscheidend durch das Klima im Kollegium und zwischen Leitung und Kollegium bestimmt, und dort, wo das Schulklima stimmt, sind beste Voraussetzungen dafür geschaffen, ein für die Schülerinnen und Schüler förderliches Klima zum Lernen und Erzielen von guten Leistungen bereit zu stellen.“

Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing besteht als Verein seit 1996, hat sich in langjährigen Auseinandersetzungen behaupten können und kann mittlerweile durch ihre Erfahrungen Betroffene in aktuellen Problemsituationen professionell beraten und sie auf ihrem Weg der Verteidigung begleiten. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing versteht sich als Vermittler zwischen den Beteiligten eines Mobbingprozesses sein. Auf der Website des Vereins finden sich neben ersten Anmerkungen zum Thema Mobbing gegen Lehrer/-innen wertvolle Hinweise zu Fortbildungen, Links und Medien und natürlich wichtige Ansprechpartner.

Ratgeber und Materialien zu Lehrermobbing

Die Schulabteilung der Bezirksregierung Münster hat den Ratgeber „Gewalt gegen Lehrkräfte. Wie reagieren? Wie vermeiden?“ herausgegeben. Durch ausgewählte Fallbeispiele sollen Lehrer/-innen Anregungen bekommen, welche Reaktionen in bestimmten kritischen Situationen hilfreich sein könnten. Dabei wird nicht der Anspruch erhoben, Musterlösungen zu bieten. Vielmehr sollen die Beispiele Gelegenheit geben, zu überlegen oder mit Kollegen/-innen zu diskutieren, welches Verhalten sinnvoll und angemessen erscheint. Den Abschluss der Handreichung bildet ein Beitrag zu wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Aggression gegen Lehrerinnen und Lehrer.

Barbara Kleist, die erste Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing, setzt sich in einer kurzen Handreichung mit der Problematik „Mobbing gegen Schulleitungen“ auseinander.

Die Handreichung „Handlungsmöglichkeiten bei Mobbing zum Nachteil von Lehrkräften im Internet“ des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg informiert über Möglichkeiten der Prävention im schulischen Bereich sowie über die rechtlichen Rahmenbedingungen von Cyber-Mobbing und zeigt Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Mobbing von Lehrkräften im Internet auf.

Paul Tresselt (ehem. Schulleiter, Personalrat und Internetberater für den Lehreralltag) hat ebenfalls eine wirklich ausführliche Darstellung des Phänomens Mobbing gegen Lehrer mit weiterführenden Links und Ansprechpartnern ins Netz gestellt.

Einen interessanten Artikel zum Thema Mobbing unter Lehrerkollegen aus arbeitspsychologischer Sicht hat Martina Peters auf Forum Schule verfasst.

Professionalisierung von Schulleitung – Tipps und Ansprechpartner

Das Berufsbild von Schulleitungen unterliegt, wie alle Personalbereiche in Schule und Bildung, einem stetigen Wandel. Schulleiterverbände und deren Dachorganisation, die ASD (Arbeitsgemeinschaft der Schulleiterverbände Deutschlands – Verband deutscher Schulleitungen e.V.) fordern schon seit einiger Zeit, dass mit Blick auf den Wandel im Berufsbild des/der Schulleiters/-in dem eigenständigen Beruf Schulleitung auf Bundesebene durch eine professionelle Aus- und Weiterbildung, u. a. durch Einrichtung einer Akademie für pädagogische Führungskräfte, Rechnung getragen wird. In seinem Presseorgan „b:sl-Beruf: Schulleitung“ wird dieses Thema zur Zeit sehr aktiv diskutiert und beworben.

Viele Schulleitungspositionen sind derzeit außerdem nicht besetzt, da geeignete Bewerber/-innen fehlen.

In diesem Magazinbeitrag wollen wir deshalb die wichtigsten Ansprechpartner und Fortbildungs- oder Studienangebote im Bereich Schulmanagement und Qualifizierung von Führungskräftenachwuchs in Schule vorstellen.

„Schulentwicklung und Qualitätssicherung“ (FU Berlin)

Der Master-Studiengang vermittelt anwendungsorientiert und forschungsbasiert Kompetenzen der Initiierung und Überprüfung von Qualitätsentwicklungsprozessen in Schulen. Der berufsbegleitende Studiengang wird seit dem Wintersemester 2006/07 angeboten und richtet sich an Schulleitungen, Steuergruppenmitglieder, Seminarleitungen und Lehrkräfte. Er kostet ca. 4.000 Euro und dauert mindestens zwei Semester.

„Schulmanagement“ (WiB/Uni Potsdam)

Das Studium im Studiengang „Schulmanagement“ richtet sich an alle Studieninteressierte, die eine Management- und Führungsposition im Schulsystem anstreben oder aber die bereits eine solche Funktion innehaben und sich wissenschaftlich weiterqualifizieren möchten. Das Studium verbindet wissenschaftliche Grundlagen von Bildungsmanagement und Führung mit praktischem Handlungswissen für schulische Institutionen. Es kostet pro Studienhalbjahr 1.000 Euro, dauert mindestens drei Studienhalbjahre und schließt mit einem Master ab.

„Schulmanagement“ (TU Kaiserslautern)

Der zweijährige, akkreditierte Master-Fernstudiengang „Schulmanagement“ richtet sich an Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung im schulischen Bereich. Insbesondere wendet sich dieses Studium an Personen, die bereits in der Schulleitung tätig sind sowie an Lehrer und pädagogisches Personal, die eine Funktionsstelle an einer Schule, Schulverwaltung oder einer anderen Bildungsinstitution anstreben. Das Studium kostet ca. 3.500 Euro und dauert mindestens vier Semester.

„Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ (Uni Kiel)

Das vier Semester umfassende Weiterbildungsstudium beinhaltet die Vermittlung wissenschaftlicher Grundlagen für pädagogische Führungstätigkeit, relevanter Methoden und Ergebnisse der empirischen Schul- und Unterrichtsforschung, professioneller Kompetenzen in den Bereichen Qualitätsmanagement, Personalführung und
Kommunikation. Das Studium ist berufsbegleitend konzipiert, so dass eine enge Verzahnung von Theorie
und Praxis erfolgen kann. Die Kosten bei diesem Studium belaufen sich auf ca. 2.500 Euro und schließen mit einem Master ab.

Fortbildungsprogramm der Dortmunder Akademie für Pädagogische Führungskräfte (DAPF)

Die DAPF ist eine gemeinsame Einrichtung des Zentrums für HochschulBildung (ZHB), Bereich Weiterbildung, und des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Technischen Universität Dortmund und sieht ihre Hauptaufgabe in der Förderung und Qualifizierung von Führungskräften in allen schulischen Bereichen und Ebenen. Eine weitere Aufgabe ist die enge Kopplung der Schulleitungsforschung mit der Praxis. Zur Zielgruppe der DAPF gehören (stellvertretende) Schulleiter/-innen, Abteilungs-, Stufen-, didaktische Leiter/-innen, Fachkonferenzvorsitzende, aber auch Mitglieder der Schulverwaltung und Schulaufsicht, und alle, die sich für solche Rollen qualifizieren wollen. Hierfür arbeitet die DAPF bundesweit mit hochqualifizierten Dozenten/-innen, zum Beispiel Schulleiter/-innen, Professor/-innen und freiberuflichen Trainer/-innen, aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Die aktuellen Fortbildungsangebote können auf der Website der DAPF finden.

Literaturempfehlungen für pädagogische Führungskräfte

Eine Vielzahl von Einzelpublikationen für Schulleitungen gibt es bspw. beim Wolters Kluwer Verlag. Beim Carl-Link-Verlag, einer Tochter von Wolters Kluwer, finden Sie eine große Auswahl verschiedenster Fachzeitschriften für Schulleitungen. Der Carl-Link-Verlag betreibt darüber hinaus ein vielversprechendes Online-Portal für Schulleitungen. Schulleiter.de – ein weiteres Portal für Schulleiter/-innen – betreibt der Verlag PRO Schule.

Aktuelle Stellenangebote für Schulleiter/-innen finden Sie übrigens auch auf der Website von LehrCare.

Das Lehramtsstudium in Deutschland – viele Wege ins Klassenzimmer!

Das Lehramtsstudium in Deutschland ist in jedem Bundesland und an jeder Universität unterschiedlich geregelt. Der folgende Beitrag stellt diejenigen Informationsportale vor, die einen guten Überblick über die so genannte „erste Phase der Lehrer/-innenbildung“ geben und wertvolle Links zur weiterführenden Recherche bereithalten.

Online-Plattform: Monitor Lehrerbildung

Der „Monitor Lehrerbildung“ stellt die Vielfalt des Lehramtsstudiums in Deutschland übersichtlich dar. Er bietet allen Interessierten kostenlose, aktuelle Informationen für faktenbasierte Diskussionen und Entscheidungen. Der Zugang zu den Daten kann über neun relevante Themen, über die Übersichten der landesweiten Regelungen oder die hochschulspezifische Ausgestaltung der Lehramtsstudiengänge erfolgen. Damit die Heterogenität der Lehrerbildung handhabbar gemacht wird, strukturiert diese Website die vorliegenden Daten in mehreren Zugängen. So sollen möglichst viele Interessen bedient und Einstiege in dieses komplexe Thema geboten werden.

Info-Portal: „Lehrer werden

Das Portal des Deutschen Bildungsservers zur Lehrerausbildung stellt unterschiedlichste Info-Quellen und Links zur Verfügung. Interessierte finden dort eine Übersicht über alle Lehrämter in der Bundesrepublik Deutschland, eine ausführliche Linksammlung zu den Lehrerausbildungsportalen der einzelnen Bundesländer und weiterführende Informationsquellen zur Reform der Lehrerbildung. Außerdem halten die Rubriken „Berufswunsch Lehrer/in“, „Lehramtsstudium“, „Vorbereitungsdienst“, „Berufsstart“ und „Lehrer/in im Beruf“ eine Vielzahl nützlicher Infos und Links bereit. Darüber hinaus gibt es eine Liste aller Ansprechpartner zur Lehrerausbildung in den Ländern.

Weblog: Lehrer werden – Fragen und Antworten zur Lehrerausbildung

Das ebenfalls vom Deutschen Bildungsserver betriebene Forum gibt Antworten auf Fragen rund um das Thema Lehrerausbildung. Sowohl Administratoren/-innen als auch Nutzer/-innen sind sehr aktiv und antworten in der Regel zeitnah auf spezielle Fragen zu Themen wie Lehramtsstudium, Anerkennung von Abschlüssen, Fächerwahl, Quereinstieg und Referendariat.

Info-Seiten der Kultusministerkonferenz

Auch die KMK hält Informationen zum Thema Lehrerausbildung bereit. Interessierte finden hier Material über die Ausbildung in den Bundesländern, aber auch Lehrerbedarfsprognosen und Beschlüsse über Standards und Anforderungen der Lehrerbildung, die möglicherweise eine Entscheidung über das Lehramtsstudium erleichtern können.

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