Archiv für Oktober 2011

Schulen für Hochbegabte in freier Trägerschaft

Mittlerweile gibt es an verschiedenen Orten Grund- und weiterführende Schulen mit Spezialklassen für Hochbegabte oder Schulen, die spezielle Angebote für hochbegabte Kinder und Jugendliche haben. Auch wenn die Notwendigkeit der Hochbegabtenförderung von vielen Seiten anerkannt wird, fördern insgesamt nur wenige Schulen hochbegabte Schüler/innen und nutzen das gesamte Spektrum der möglichen Fördermaßnahmen noch zu selten aus.

Privatschulen bieten sich als Alternative für Schüler/innen mit Hochbegabung an, denn es gibt sowohl Schulen in freier Trägerschaft,  die ausschließlich für Schüler/innen mit Hochbegabung konzipiert sind, als auch Privatschulen, die zusätzlich unter dem Motto „Lernen unter Gleichgesinnten“ reine Hochbegabten-Klassen betreiben.  Außerdem werden an einigen Schulen Kinder und Jugendliche mit Hochbegabung in eine „normale“ Klasse integriert und unter dem Stichwort „Verdichtung“ und „Vertiefung“ individuell betreut. Die oftmals geringere Klassenstärke an Privatschulen bietet Lehrern/innen im besonderen Maße die Möglichkeit, individuell auf die Hochbegabung von Schülern/innen einzugehen. Einige Privatschulen für Hochbegabte sind gerade im entstehen begriffen. Eine vollständige Übersicht aller Schulen in freier Trägerschaft, die sich auf Hochbegabung spezialisiert haben, ist im Internet leider bisher nicht zu finden.

Beispielhaft seien hier die Schulen des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands, das Internatsgymnasium Schloss Torgelow, das Private Internat und Gymnasium Birklehof und das Leonardo da Vinci Gymnasium Neckargemünd genannt.

Darüber hinaus gibt es eine große Anzahl an Verbänden, Vereinen und Projekten die sich auf das Thema Hochbegabung spezialisiert haben. Auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für das Hochbegabte Kind (DGhK) finden sich umfangreiche Informationen und Materialien zum Thema Hochbegabung. Lehrer/innen können sich darüber informieren, wie sie eine Hochbegabung erkennen und fördern können. Die Karg-Stiftung, die sich seit über 20 Jahren der Förderung Hochbegabter verschrieben hat, bietet auf ihrer Internetpräsenz ebenfalls eine Vielzahl von Informationen und Materialien im Hinblick auf die Auswahl von Schulen oder zum Umgang von Lehrer/innen mit hochbegabten Kindern und Jugendlichen an.

Konfessionsschulen in freier Trägerschaft

Konfessionelle Privatschulen sind Schulen, in denen Schüler/innen des gleichen religiösen Bekenntnisses unterrichtet werden. Die in kirchlicher Trägerschaft befindlichen Privatschulen in Deutschland sind fest in die Bildungslandschaft Deutschlands etabliert und stellen die größte Gruppe der Privatschulen. Inzwischen müssen die Schüler/innen keine Mitglieder der jeweiligen Kirche sein, allerdings Offenheit gegenüber den jeweils religiösen Werten und dem Konzept der Schulen haben.  In der Regel verlangen Privatschulen in kirchlicher Trägerschaft ein geringes oder gar kein Schulgeld und erfreuen sich deshalb steigender Beliebtheit.

Zur Zeit werden ca. 475.000 Schüler/innen an verschiedenen Konfessionsschulen in unterschiedlichen Schulformen unterrichtet. Dabei machen den größten Teil Konfessionsschulen kirchlicher Träger aus: 674 katholische Schulen mit ca. 327.000 Schüler/innen. Ca. 115.000 Schüler/innen werden an einer der 541 evangelischen Bekenntnisschulen unterrichtet. Die restlichen 92 Bekenntnisschulen in freier Trägerschaft hatten 2011 etwa 33.000 Schüler/innen.

Wie alle Schulen in freier Trägerschaft stehen auch die Konfessionsschulen unter staatlicher Aufsicht, richten sich nach den Bildungsplänen der öffentlichen Schulen und führen ihre Schüler/innen zu in Deutschland anerkannten Bildungsabschlüssen. 50-60% der Kosten decken die Konfessionsschulen in freier Trägerschaft über die staatliche Förderung des jeweiligen Bundeslandes. Üblicherweise wird das anfallende Schulgeld nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt erhoben. Weitere Finanzierung erhalten die Schulen durch die kirchlichen Träger und Spenden.

Katholische Privatschulen

Ca. 350 verschiedene Schulträger (Diözesen, kirchliche Schulwerke oder -stiftungen, Ordensgemeinschaften und Caritasverbände) unterhalten katholische Schulen in Deutschland. Der Arbeitskreis Katholischer Schulen in freier Trägerschaft in der Bundesrepublik Deutschland (AKS) betreibt ein gutes Informationsportal, auf dem sich Lehrer/innen und Interessierte über katholische Schule in Deutschland und deren Träger informieren kann. Natürlich sind die Schulen sehr unterschiedlich und haben verschiedene Konzepte, allerdings gibt es grundsätzliche Gemeinsamkeiten, die für alle katholischen Schulen gelten. Zu nennen sind hier die Grundüberzeugung von der personalen Würde des Kindes und Jugendlichen, die Durchdringung von Glaube, Kultur und Leben und die Schule als Erziehungsgemeinschaft.

Evangelische Privatschulen

Die größten Träger von evangelischen Privatschulen sind in Deutschland die evangelischen Landeskirchen. Der überwiegende Teil dieser Träger hat sich im Verband evangelischer Bekenntnisschulen zusammengeschlossen. Auch bei diesen Schulen gibt es unterschiedlichste Profile und Konzepte. Gemeinsam ist jedoch allen evangelischen Schulen in freier Trägerschaft, dass sie Sinn und Orientierung und der Fähigkeit zur selbständigen Auseinandersetzung mit anderen Deutungssystemen vermitteln wollen. Durch eine Charakterschulung und Stärkung der Persönlichkeit durch eine am biblischen Menschenbild ausgerichtete Pädagogik soll Erfahrungen sowohl von Anerkennung und Geborgenheit als auch von Grenzen und Anforderungen gemacht werden. Dadurch erhoffen sich die Schulen eine hohe Motivation, Leistungsbereitschaft und Selbstverantwortung der Schüler/innen.

Lehrer/innengesundheit 2011 – “Gesunde Schule” statt Burnout und Depressionen

Zahlreiche Studien der letzten Jahre belegen, dass der Lehrer/innenberuf zu den Berufen mit den größten psychischen Beanspruchungen zählt. Die angeblichen stressfreien Halbtagsjobber/innen mit langen Ferien leiden überdurchschnittlich viele Lehrerinnen und Lehrer an Beschwerden, die für depressive Störungen, Burnout und psychosomatische Erkrankungen charakteristisch sind.

Die neue DAK-Leuphana Studie „Lehrergesundheit. Was hält Lehrkräfte gesund?“ berichtet, welche Belastungen Lehrkräfte im Berufsalltag wahrnehmen und wie verbreitet psychische Beanspruchungssymptome unter den befragten Lehrkräften sind. Außerdem wurde untersucht, wie sich die Schulen hinsichtlich ihres Anteils erkrankter Lehrkräfte voneinander unterscheiden. Darüber hinaus werden mögliche Ursachen für diese Unterschiede in den Beanspruchungsniveaus zwischen Schulen erläutert. Die neue Studie bestätigt die bereits bekannten Ergebnisse.  Alarmierend ist beispielsweise, dass weniger als die Hälfte der Lehrer/innen glaubt, dass ihr Gesundheitszustand ausreicht, um bis zum gesetzlichen Pensionsalter zu arbeiten. Als Top-5 der Belastungsfaktoren werden nach wie vor  Zeitdruck und fehlende Erholungspausen, zu große Leistungsunterschiede bei den Schüler/innen, stimmliche Belastung, Lärmbelastung und zu geringe Lernbereitschaft der Schüler/innen angegeben. Besonders lohnenswert an der neuen Studie sind die Empfehlungen und Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte und Schulleitungen, die im Rahmen der Studie ausgesprochen werden.

Die DAK hat aufgrund dieser Entwicklungen bereits 2007 zusammen mit dem Institut für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG) und dem Institut für Psychologie der Leuphana Universität Lüneburg die Initiative  „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“ gegründet. Die Initiative unterstützt Schulen in ihrer Entwicklung zu guten und gesunden Schulen. Dabei werden insgesamt 30 Schulen für jeweils drei Jahre in ihrer Arbeit an Themen der schulischen Qualitätsentwicklung und der Gesundheitsförderung begleitet und unterstützt. Ziel der Initiative ist es, die Lehrer/innen- und Schüler/innengesundheit zu fördern sowie die Schulqualität zu erhöhen. Auf den Seiten der Initiative können Sie Erfahrungsberichte der teilnehmenden Schulen lesen und weitere Informationen aus den Studien und Veröffentlichungen erfahren.

Sollten Sie als Lehrkraft Interesse an dem Thema haben, dieses möglicherweise mit Kollegen/innen oder Ihrer Schulleitung angehen wollen, gibt es außer den bereits erwähnten Empfehlungen der neuesten DAK-Studie eine Vielzahl von hilfreichen Informationsportalen und Handreichungen zum Themenfeld „Lehrer/innengesundheit“. Beispielsweise haben die DAK und die Leuphana Universität Lüneburg im Vorfeld des bereits erwähnten Modellprojektes ein Handbuch Lehrergesundheit herausgegeben. Auf den Seiten des Hessischen Kultusministeriums findet sich eine umfangreiche Sammlung zu Links, Materialien, Studien und Projekten rund um das Thema Schule, Lehrer/innen und Gesundheit. Bei der Medusana Stiftung können Sie sich über ein Fortbildungsangebot von Frau Elke Wehrmann-Horst zum Thema Lehrerinnengesundheit informieren und dieses für sich und Kollegen/innen buchen. Außerdem bietet der Oberösterreichische Bildungsserver ein breites Informationsangebot zum selben Thema an.

Bildung auf einen Blick 2011 Zusammenfassung des OECD Berichts

Am 13.09.2011  veröffentlichte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihren Bericht “Bildung auf einen Blick”. Darin diagnostiziert sie der deutschen Gesellschaft eine gravierend große Spaltung zwischen den hoch & gering Qualifizierten. Diese Chancenungleichheit werde nur noch von Slowenien, Tschechien & Slowakei übertroffen.

Deutschlands Schwächen im OECD Vergleich sind die geringen Ausgaben für Schulbildung (nur 6 von 36 Ländern geben weniger aus), besonders niedrig sind die Ausgaben je Schüler im Grundschulbereich. Nur 29 % der Studierenden machen auch einen Abschluss, das ist mehr als früher, aber weit unter dem OECD Schnitt von 39%. Zudem kann die Zahl der Absolventen tertiärer Bildungsgänge in Deutschland immer noch nicht mit dem Anstieg der Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften Schritt halten. Auffällig ist ebenfalls, dass die Zahl der Hochqualifizierten in Deutschland seit den 50er Jahren außergewöhnlich langsam wächst im Vergleich zum OECD Durchschnitt.

Positiv wurde für Deutschland die weiterhin gute Basisausbildung und die geringe Jugendarbeitslosigkeit (von 9,5 % statt 20 % OECD Durchschnitt) hervorgehoben. Es gibt viele Promotionen pro Jahr und dort liegt Deutschland im Vergleich auf Platz 5. Die Studienanfängerquote liegt bei guten 46% und die naturwissenschaftlichen Fächer werden häufiger gewählt. Bei ausländischen Studierenden ist Deutschland das 4. beliebteste Land und 25% der Hochschulabsolventen aus nicht europäischen Ländern  bleiben in Deutschland (Rang 5) und leisten einen bedeutenden Beitrag zur deutschen Wirtschaft. Mit durchschnittlich einem halben Arbeitsjahr investiert D in erheblichen Umfang in die Fort- und Weiterbildung (Platz 5).

Ein allgemein interessantes Ergebnis ist, dass Bildung das gesellschaftliche Verhalten nachhaltig prägt, so haben Hochqualifizierte eine positivere Einstellung zur Gesellschaft und mehren den Wohlstand. Sie engagieren sich eher ehrenamtlich, gehen eher zu Wahlen, verdienen mehr als geringer Qualifizierte (68%) und füllen damit die Steuerkassen und sie  sind weniger von Arbeitslosigkeit bedroht als geringer Qualifizierte (Quote liegt bei 3,4 %).

Laut OECD sollte mehr privates Geld in Bildung investiert werden.

Weitereführende Informationen finden Sie auf den Seiten der OECD.

Kategorien