Archiv für September 2011

Angebote für Lehrende der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

„Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ist ein Bildungskonzept, das Kindern und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln vermitteln soll. Mit dieser UN-Dekade (2005-2014) haben sich die Staaten der Vereinten Nationen verpflichtet, ein Konzept zu stärken, das Kindern und Erwachsenen zeigt, dass unser heutiges Handeln einen Einfluss auf das Leben unserer Kinder und auf das Leben von Menschen in anderen Weltregionen hat. Die internationale Bildungsoffensive setzt nachhaltige Entwicklung ganz oben auf die bildungspolitische Agenda. Laut UN soll Nachhaltigkeit als globales Leitbild in Klassenzimmern, Kindergärten, Hörsälen und in der Öffentlichkeit ankommen. In Deutschland und vielen anderen Ländern engagieren sich deshalb Regierungen, Bildungseinrichtungen, NGOs, Unternehmen und Einzelpersonen. Für Deutschland wird die UN-Dekade von der Deutschen UNESCO-Kommission mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung koordiniert.

Rund um das Programm ist eine Internetplattform erstellt worden, die allen Interessierten Zugang zum Programm und den vielfältigen Materialien und Veranstaltungen bietet. Für Lehrende gibt es eine spezielle Internetseite. Hier finden sich Hinweise auf Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen, Lehrmaterialien für Unterricht oder außerschulische Angebote, Praxisbeispiele für die gelungene Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung und vieles mehr.

Für Lehrer/innen, die wissen wollen, wie man die Ideen der Bildung für nachhaltige Entwicklung im Unterricht umsetzen kann, welche Materialien und Konzepte es für Grund- und weiterführende Schulen gibt und wie sich Nachhaltigkeit ins Schulprogramm integrieren lässt, ist das bundesweite Programm Transfer21 ins Leben gerufen worden. Das Programm wurde bereits 2008 beendet, die Plattform bietet allerdings nach wie vor umfassende Möglichkeiten der Information für Lehrerinnen und Lehrer, die an dem Konzept interessiert sind. Wer sich als Teil dieser Bildungsoffensive versteht und nachhaltiges Denken und Handeln in Schulen und andere Bildungseinrichtungen tragen möchte, kann sich dort sehr gute Anregungen und Ideen holen.

Auf einer weiteren Seite finden sich eine Fülle von Wettbewerben und Preisen rund um die UN-Dekade. Vielleicht ist dort etwas für Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler dabei?

Chancen und Voraussetzungen des Quer- und Seiteneinstiegs in den Lehrer/innenberuf

In vielen Bundesländern herrscht an bestimmten Schulformen und in einigen Fächern akuter Lehrer/innenmangel. Um diesen auszugleichen, haben die Kultusministerien der Länder spezielle Programme und Verfahren für Quer- und Seiteneinsteiger aufgelegt.  Im Gegensatz zu Seiteneinsteigern absolvieren so genannte Quereinsteiger den normalen, zweijährigen Vorbereitungsdienst und werden so berufsbegleitend pädagogisch qualifiziert. Am Ende des Referendariats legen sie das zweite Staatsexamen ab und stehen dann für die Lehrereinstellungsverfahren zur Verfügung. Der Seiteneinstieg dagegen führt zu einer direkten Einstellung in den Schuldienst, ohne Vorbereitungsdienst. Mit der Direkteinstellung wird der Seiteneinsteiger ausschließlich berufsbegleitend pädagogisch nachqualifiziert.

Gefragt sind an den allgemeinbildenden Schulen vor allem die Fächer Physik, Chemie, Mathematik, Informatik und Latein. An den beruflichen Schulen sucht man nach Lehrer/innen für die Ingenieurs- und Naturwissenschaften, allerdings auch für allgemeine Fächer wie Deutsch und Englisch.

Die meisten Programme bieten Bewerberinnen und Bewerbern mit geeignetem Hochschulabschluss die Möglichkeit, in den Mangelfächern zu unterrichten und sich gleichzeitig pädagogisch zu qualifizieren. Die Verfahrensweisen der einzelnen Länder sind im Wesentlichen gleich. Ein Diplom-Abschluss muss in den meisten Ländern nachgewiesen werden, ein Bachelor-Abschluss reicht meist nicht. Informationen zu Möglichkeiten des Quereinstiegs in den einzelnen Bundesländern finden sich in einer Linksammlung des Deutschen Bildungsservers. Die Altersgrenze für die Seiteneinsteiger-Programme bei den Kultus- und Bildungsministerien liegt in den meisten Ländern bei 37 Jahren. Wer in Mangelfächern unterrichten möchte, hat bisweilen auch mit über 40 noch Chancen .

Was die pädagogische und fachdidaktische Ausbildung angeht, müssen Quereinsteiger mit Lehramtsstudenten während des Vorbereitungsdienstes, dem Referendariat, gleichziehen. Denn die Sonderprogramme ermöglichen oft nur den erleichterten Zugang, bieten aber keine zusätzliche Schulung.

Informationen darüber, wie Seiteneinsteiger an den Schulen angenommen werden und welche Probleme sie selbst dabei sehen, können in einem Blogeintrag von LehrCare vom 8. Februar 2011 nachgelesen werden.  Interessante Online-Artikel zum Thema, oft mit Kommentaren und Erfahrungsberichten von Seiten- und Quereinsteigern, finden sich u. a. auf ZEIT ONLINE, SPIEGEL ONLINE und sueddeutsche.de!

Besorgniserregend: Analphabetismus in Deutschland

Bislang unveröffentlichte Zahlen einer Alphabetisierungsstudie der Universität Hamburg im Auftrag des Bundesforschungsministeriums zeigen, dass siebeneinhalb Millionen Männer und Frauen zwischen 18 und 64 Jahren keinen zusammenhängenden Text lesen und schreiben (funktionaler Analphabetismus) können. Zwei Millionen von ihnen fällt selbst das Lesen und Schreiben einzelner Wörter schwer. Somit können doppelt so viel Menschen wie bisher gedacht kaum lesen und schreiben. Laut dem dpa-Dossier Bildung Forschung (Nr. 37, 12.09.2011, S. 18) waren die Ergebnisse der Studie bereits im Frühjahr veröffentlicht worden. Als Reaktion darauf vereinbarten die Bundesministerin für Bildung und Forschung und die Kultusminister der Länder in einem «Grundbildungspakt» Maßnahmen gegen den funktionalen Analphabetismus. Der Pakt soll auf der Kultusministerkonferenz im Oktober in Berlin verabschiedet werden. Bereits im Februar verwies ein Artikel der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ auf das Vorhaben des Bundesforschungsministeriums, ein Programm zur Alphabetisierung und Bildung am Arbeitsplatz zu starten und dafür bis 2014 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

In der letzten Woche fand der Weltalphabetisierungstag der UNESCO statt. Durch Preise und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen gerät so die „leo. – Level-One Studie“ der Universität Hamburg aus dem Frühjahr wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses.

Man darf gespannt sein, wie konkret die Pläne der Kultusministerkonferenz zur Alphabetisierung aussehen werden! Sollten Sie Interesse an dem Thema haben, empfehlen wir Ihnen die Webpräsenz des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung e.V., die über Analphabetismus, Kampagnen dagegen, geeignete Lese- und Schreibkurse in unterschiedlichen Regionen und die Arbeit des Verbandes informiert.

Eignungstests für angehende Lehrerinnen und Lehrer?

Jüngst berichtete Thorsten Metzner im Tagesspiegel über die Reform der Lehrer-Ausbildung in Brandenburg. Das Konzept von Bildungsministerin Martina Münch (SPD) sieht unter anderem einen Eignungstest für angehende Lehramtsstudierende vor, da bisher eine „systematische und verpflichtende Form der Überprüfung der allgemeinen beruflichen Eignung vor der Aufnahme eines Lehramtsstudiums“ fehle.

Die Entscheidung, einen verpflichtenden Eignungstest vor der Aufnahme des Lehramtsstudiums zu absolvieren, empfiehlt ebenfalls die bereits 2007 veröffentlichte Studie des Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Udo Rauin zu Studierverhalten und Karrieren im Lehrerberuf. 27 % der Studierenden werden dort als „riskant“ eingestuft, d.h. ein Lehramtsstudium stellt für diese Gruppe eine Notlösung mit Warteschleife zum Ausstieg dar. Wenn der Ausstieg dann nicht gelingt, geraten die betroffenen Lehrerinnen und Lehrer an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Nach Schätzungen betrifft das dann genau die 20-25% der im Schuldienst befindlichen Lehrkräfte Deutschlands, die sich als überfordert und ihre Berufswahl als falsch bezeichnen. Gäbe es im Vorfeld eines Studiums eine intensive Beratung und flächendeckende Überprüfung der Motivation und Eignung, würden weniger Lehrerinnen und Lehrer als ungeeignet eingestuft werden, so das Fazit der Studie. Prof. Rauin empfiehlt deshalb die Implementierung systematischer Beratungssysteme für Studienanfängerinnen und -anfänger.

Auch wenn der Sinn von Eignungstests von allen Seiten anerkannt wird, fehlt es nach wie vor an einer bundeseinheitlichen oder länderübergreifenden Regelungen dazu. Allerdings haben einige Bundesländer bereits reagiert und unterschiedliche Maßnamen dazu ergriffen.

Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz finanzieren beispielsweise den gemeinnützigen Verein CCT – Career Counselling for Teachers. Der Verein bietet eine Laufbahnberatung an und verweist auf unterschiedlichste Selbsttests verschiedener Ministerien, u.a. den Selbsttest der Servicestelle Studieninformation, -orientierung und -beratung (SIOB) im Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg.

In Nordrhein-Westfalen bietet das obligatorische Eignungspraktikum die Möglichkeit, den Arbeitsplatz Schule bereits vor einem Lehramtsstudium kennenzulernen. Die abschließende Eignungsberatung unterstützt Studieninteressierte dann bei der bewussten Studien- und Berufswahl.  In anderen Bundesländern werden die Orientierungspraktika während des Grundstudiums ausgebaut und durch qualifizierende begleitende Kurse durchgeführt.

Halten Sie Eignungstests für Lehrerinnen und Lehrer für sinnvoll oder haben Sie bereits Erfahrungen damit gemacht? Ihre Meinung dazu interessiert uns!

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