Archiv für Juli 2011

Wiener Germanist kritisiert “Frühenglisch”

Englisch ist zwar nur für gut 13 Prozent aller EU-Bürger Muttersprache, aber für 59 Prozent ist es inzwischen eu-weit die erste Fremdsprache. In Österreich lernen inzwischen sogar 97,4 Prozent der Kinder an Volksschulen (= Grundschulen)  die Sprache der Angelsachsen. Schließlich hat sie sich zur internationalen Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kommunikationssprache entwickelt. Der Wiener Germanist Hans Jürgen Krumm leugnet zwar die Bedeutung von Englisch als Fremdsprache nicht, kritisiert aber den Unterricht in Frühenglisch (= Englisch in der Grundschule). Die Kinder würden dabei etwas lernen, was sie im Alltag nicht brauchen und nicht benutzen. Das sei ein „schlechter Start ins Lernen“.

Englisch würde erst wichtig werden, meint Krumm, wenn die Kinder ins „Computer- und Pop-Musik-Alter“ kommen. Bis dahin sollten sie doch lieber die Sprache des Nachbarlandes oder die Sprache einer ortsansässigen Minderheit erlernen. Das sei nicht nur „eine nette Geste“, sondern eine Sprache, die im unmittelbaren Lebensumfeld der Kinder auch tatsächlich vorkomme. Darüber hinaus warnt Hans Jürgen Krumm vor dem Verschwinden der Mehrsprachigkeit innerhalb der EU, wenn alle nur noch Englisch sprechen. „Einsprachigkeit bedeutet Abhängigkeit, bedeutet Dominanz der einen Gruppe und ihrer Sprache über die andere„, meint der Wiener Germanist.

Mehr dazu: http://diepresse.com/home/bildung/schule/pflichtschulen/679247/Erste-Fremdsprache-Englisch-nicht-immer-sinnvoll?from=suche.intern.portal

Auch Berlin will Privatschulen die Zuschüsse kürzen

Die Kürzungswelle im Bildungsbereich erreicht nun auch Berlin. Nach der rot-roten Landesregierung in Brandenburg, die jüngst beschloss, den Schulen in freier Trägerschaft die Zuschüsse um 20 Prozent zu kürzen, hat sich nun auch der rot-rote Senat in Berlin auf Einsparungen bei den Privatschulen verständigt. Im Jahr 2012 sollen 7,3 Millionen Euro eingespart werden;  im Jahr 2013 gar 10 Millionen und das, obwohl die Zahl der Schüler an diesen Schulen in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen ist. Von 2006 bis 2010 stieg sie um satte 25 Prozent, das heißt von etwa 20.000 auf etwa 25.000 Schüler.

Mieke Senftleben von der Berliner FDP nennt die Kürzungen demzufolge eine „Respektlosigkeit“ gegenüber den Schulen in freier Trägerschaft und Yvonne Wende von der privaten Berliner Cosmopolitan-Schule äußert sich empört, dass die Privatschulen immer noch nicht als Bereicherung und Chance für das deutsche Bildungswesen wahrgenommen werden. Sabine Schönemark wiederum sieht in den Einsparmaßnahmen eine Verschärfung der sozialen Schieflage, denn wenn die Privatschulen ihre Schulgelder infolge der Kürzungen erhöhen müssten, seien davon vor allem finanzschwächere Familien nachteilig betroffen. Will der Berliner Senat Privatschulen nur noch für Reiche, fragt LehrCare.

Mehr dazu: http://www.morgenpost.de/berlin/article1693740/Berliner-Privatschulen-wird-Foerderung-gekuerzt.html

Schneewittcheneffekt: Schul-Aus infolge Sparpläne

Die Sparpläne der Brandenburger Landesregierung im Bildungsbereich werfen erste Schatten voraus. Die Hoffbauer gGmbH, die im Land Brandenburg 35 Bildungseinrichtungen betreibt, und auf Hermannswerder in Potsdam eine neue Oberschule errichten wollte, hat diese Pläne nun zurückgezogen. Die Verträge mit etwa 50 Eltern wurden gekündigt; die 4 bereits eingestellten Lehrer an andere Schulen umgesetzt. Nun müssen die Eltern der Kinder, die ab 2011/12 an der neuen Schule lernen wollten, kurzfristig andere Schulen für ihre Kinder suchen.

Grund für das Aus dieser Schule sind laut Frank Hohn, Geschäftsführer der Hoffbauer gGmbH, die geplanten Einsparmaßnahmen im Bildungsbereich, von denen vor allem die Privatschulen betroffenen seien. So würden die Schulen bis zu einem Drittel weniger Geld erhalten und sähen sich dadurch gezwungen, das Schulgeld derart zu erhöhen, wie es nicht mehr vertretbar sei. Frank Hohn wertet daher die Einsparmaßnahmen als politisches Signal der rot-roten Landesregierung gegen die Schulen in freier Trägerschaft und spricht von einem „Schneewittcheneffekt„: „Wer schöner ist als man selbst, dem wird nach dem Leben getrachtet.“

Mehr dazu: http://www.pnn.de/potsdam/502664

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